Prominente Mitglieder kehren Pharmaverband Vips den Rücken

Der grösste Lobbyverband Interpharma mit Thomas Cueni an der Spitze drängt seinen Konkurrenten ins Abseits.

Konkurrenz zwischen den Lobbyverbänden: Walter Hölzle (l.) und Thomas Cueni.

Konkurrenz zwischen den Lobbyverbänden: Walter Hölzle (l.) und Thomas Cueni. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Branchenbeobachter sprechen von einem veritablen Exodus. Der Pharmaverband Vips verliert per Ende Jahr sieben gewichtige Mitglieder. Dies geht aus einem Newsletter zuhanden der Mitglieder hervor, welcher dem TA vorliegt. Mit Astra-Zeneca, GlaxoSmithKline, Sanofi sowie der amerikanischen Merck (MSD) gehören gleich vier dieser sieben Unternehmen zu den zehn grössten Pharmafirmen in der Schweiz. Daneben treten auch AbbVie (vormals Abbott Labs), Biogen und Lundbeck (Schweiz) aus.

Vips vertritt vorwiegend die Interessen von Schweizer Ablegern ausländischer Pharmakonzerne. Zwar kommt der Mitgliederschwund nicht unerwartet, das Ausmass überrascht dennoch. Die Absetzbewegung nahm ihren Anfang vor rund zwei Jahren und steht im Zusammenhang mit dem konkurrierenden Lobbyverband Interpharma.

Unter Führung von Generalsekretär Thomas Cueni hat dieser gezielt neue Mitglieder angeworben, die sich teils eine Mitgliedschaft bei beiden Verbänden geleistet haben, wie etwa der US-Pharmakonzern Pfizer oder Sanofi. Nun sind die Firmen nicht mehr dazu bereit. Angesichts des anhaltenden Kostendrucks überrascht dies nicht. Kommt hinzu, dass Gesundheitsminister Alain Berset bei den Medikamenten weitere Preissenkungen vornehmen will.

Bedeutungsverlust

Im Brief an die Mitglieder bedauern Vips-Präsident Walter Hölzle und Geschäftsführer Thomas Binder die Austritte. Sie seien in den Konzernzentralen der Unternehmen und nicht in der Schweiz getroffen worden. Firmen wie GlaxoSmithKline oder MSD wollen zu den Gründen ihres Austritts nicht Stellung nehmen. Die grossen Pharmafirmen sollten nur in einem Verband zusammengeschlossen sein, sagt dagegen ein Sprecher von Astra-Zeneca. Eine Doppelmitgliedschaft sei nicht sinnvoll.

Die Abgänge werden im Budget von Vips eine grosse Lücke hinterlassen. Branchenkenner gehen davon aus, dass damit 30 Prozent der Einnahmen oder gar noch mehr wegbrechen. Noch schwerer wiegt jedoch der Bedeutungsverlust, gerade was das Lobbying in Bern anbelangt. Zudem fehlt dem Verband das Know-how der Vertreter jener Firmen, die Vips nun den Rücken kehren. Er wird sich neu positionieren und aufstellen müssen.

Hölzle und Binder sprechen im Newsletter von Chance und Herausforderung zugleich. «Wir werden uns in den kommenden Wochen mit der künftigen Ausrichtung von Vips in diesem neuen Umfeld beschäftigen.» Die grössere Unabhängigkeit von den global geführten Pharmakonzernen erlaube es, die Positionen des Verbands präziser zu vertreten und neue Partner zu suchen. Beobachter der Branche vermuten, dass sich Vips künftig vor allem auf kleinere Pharma­firmen fokussieren wird. Derzeit zählt der Verband rund 70 Mitglieder, schon heute sind viele davon KMU. Vips wollte zu den Abgängen nicht weiter Stellung nehmen.

Budget von 10 Millionen

Thomas Cueni dagegen ist mit der Strategie, Interpharma breiter aufzustellen, am Ziel. GlaxoSmithKline, MSD und Astra-Zeneca werden auf Anfang 2015 zu seinem Verband wechseln, der historisch gesehen auf die grossen forschenden Basler Pharmakonzerne zurückgeht. Bis heute sind Roche und Novartis mit Abstand die grössten Beitragszahler. Im Jahr 2012 betrug das Budget rund 10 Millionen Franken. Kleinere Pharmafirmen fürchten indes, dass Interpharma mit der wachsenden Zahl neuer Mitglieder zunehmend schwerfälliger wird.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.07.2014, 08:36 Uhr

Artikel zum Thema

Berset greift die Pharmaindustrie an

Der Gesundheitsminister will den Vergleich der Medikamentenpreise mit dem Ausland nochmals verschärfen. Die Hersteller wehren sich und verweisen auf frühere Preissenkungsrunden. Mehr...

Pharma dominiert Schweizer Exporte

Der Schweizer Aussenhandel hat im vergangenen Jahr an Schwung verloren. Die Exporte wie Importe stagnierten. Dennoch resultierte bei der Handelsbilanz ein Rekordüberschuss. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Eingewickelt in Bananenblätter: Ein «Schlammmensch» nimmt auf den Philippinen am Taong Putik Festival teil. (24. Juni 2019)
(Bild: Ezra Acayan) Mehr...