Quickmail macht der Post Konkurrenz

Das St. Galler Unternehmen Quickmail will als erster privater Briefzusteller bis Ende 2012 mindestens 85 Prozent der Schweiz abdecken – dies zu günstigeren Tarifen als die Post. Diese gerät nun unter Druck.

Überbringt bald nicht mehr als Einziger die Post: Ein Bote der Schweizerischen Post in Zürich.

Überbringt bald nicht mehr als Einziger die Post: Ein Bote der Schweizerischen Post in Zürich. Bild: Keystone

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«Wir sind gut gestartet», sagt Quickmail-Geschäftsführer Bernard Germanier im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Seit Mitte 2009 dürfen private Anbieter Briefe über 50 Gramm befördern. Die Quickmail AG, eine Tochter des Marketing-Dienstleisters MS Mail Service AG, machte als Erste von dieser Chance Gebrauch.

Inzwischen ist Quickmail in allen Landesteilen präsent. Das Verteilnetz erreicht 40 Prozent der Schweizer Haushalte. Zurzeit werden laut Germanier die Agglomeration Zürich, das Berner Oberland, die Zentral- und Westschweiz erschlossen. Bis Ende Jahr will das Unternehmen 60 Prozent der Schweiz abdecken, 2012 sollen es 85 bis 90 Prozent sein.

Versandhandel und Spenden-Mailings

Quickmail versteht sich nicht als Konkurrentin zur traditionellen Post, sondern als Option für Versandhändler, Detailhandelsketten, Spendenorganisationen und andere Firmen. Quickmail verfügt über zehn Auslieferungszentren und 320 eigene Zusteller, die die Sendungen jeweils am Donnerstag und Freitag ausliefern.

Zudem arbeitet das St. Galler Unternehmen mit der AWZ AG mit Sitz in Bern zusammen. Seit Ende Mai 2011 bietet Quickmail die erste private Schweizer Briefmarke an. Mailings mit Briefmarken stossen bei den Empfängern auf höhere Beachtung, wie Germanier sagt. Auch Philatelisten zeigten bereits Interesse an der Quickmail-Marke.

Post noch immer marktbeherrschend

Der private Briefzusteller ist durchschnittlich 15 Prozent günstiger als die Post. Trotzdem lag der Marktanteil von Quickmail bei Briefen über 50 Gramm im Jahr 2010 noch unter einem Prozent. Der Wettbewerb entwickle sich nur zögerlich, schrieb die Postregulations-Behörde Postreg im Mai in ihrem Tätigkeitsbericht.

Bis Ende 2012 hofft das St. Galler Unternehmen Quickmail, seinen Marktanteil auf drei Prozent zu steigern. Das entspricht etwa 90 Millionen Sendungen pro Jahr. Der Quickmail-Geschäftsführer bezeichnet dies als «ein ambitioniertes Ziel».

Fällt Post-Monopol ganz?

Entscheidend für die Zukunft der privaten Post-Konkurrenz wird sein, ob und wann die Schweiz den Briefmarkt weiter liberalisiert. Falls das Monopol beim grössten Segment – Briefe bis zu 50 Gramm – fällt, winkt Firmen wie Quickmail ein viermal so grosser Markt als heute.

Andere Länder wie Deutschland oder Schweden haben die Postdienste bereits umfassend liberalisiert. Viele weitere europäische Länder sollen bis 2012 folgen. Europa sei bei der Einführung des freien Postmarkts weiter als die Schweiz, sagt Germanier. (wid/sda)

Erstellt: 03.08.2011, 15:19 Uhr

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