Raiffeisen: Mehr Einfluss für die Basis

Zwei neue Gremien wachen über die Zentrale in St. Gallen. Sie soll zudem ihre Filialen hergeben.

«Wichtige Entscheide für die Zukunft getroffen»: VR-Präsident Guy Lachappelle. (Keystone/Walter Bieri/Archiv)

«Wichtige Entscheide für die Zukunft getroffen»: VR-Präsident Guy Lachappelle. (Keystone/Walter Bieri/Archiv)

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Erleichtert standen die Raiffeisen-Granden beieinander, dabei hatten sie in Veranstaltungshalle Stage One in Zürich-Oerlikon gerade dafür gesorgt, dass die traditionsreiche Struktur von Raiffeisen beerdigt wird. Künftig hält die Raiffeisen-Gruppe eine Generalversammlung aller Genossenschafts-Banken ab. Dort hat dann jede der Genossenschaftsbanken eine Stimme, das Stimmrecht wird nicht mehr nach einem komplexen Schlüssel vergeben. Das ist nur eine aus einer Reihe von Reformen, mit der die Genossenschaftsbank dafür sorgen will, dass Machtballungen wie in der Ära Vincenz, nicht mehr zur Gefahr für die Gruppe werden können. «Wir haben wichtige Entscheide für die Zukunft getroffen», so Verwaltungsratspräsident Guy Lachappelle.

Raiffeisen hat zwei neue Gremien für den Austausch zwischen den Genossenschaften und der Zentrale in St. Gallen geschaffen. Eines für die strategische Ausrichtung der Bank und eines für die praktische Zusammenarbeit. Die eigenständigen Genossenschaften finden so in der Zentrale mehr Gehör. «Wir arbeiten wieder zusammen», so Kurt Sidler, der Präsidenten der Koordinationsgruppe der Regionalverbände.

Das neue Modell ist bereits von der Aufsichtsbehörde Finma genehmigt. Offen bleibt, wie stark das neue Kontrollgremium, der Raiffeisenbanken-Rat (RB-Rat), wird. Denn er hat kein Weisungsrecht. «Der RB-Rat wird Anregungen einbringen», so Sidler. Sollten diese ignoriert werden, drohe dem Verwaltungsrat bei der nächsten GV die Abwahl. Auch wird künftig konsultativ über die Vergütung des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz für das Folgejahr abgestimmt. Die hohen Saläre der Chefs sorgten früher für Ärger an der Basis.

Noch einige offene Baustellen

Die Bank hat aber noch einige offene Baustellen. So soll nun eine Gruppenstrategie erarbeitet werden, mit der der Kurs für die nächsten fünf Jahre festgelegt wird. Sie kommt im 1. Semester 2020.

Auch soll geprüft werden, wie die Bank mit den Niederlassungen in grossen Städten umgeht, die von der Zentrale gehalten werden. Dazu werden bis 2021 Varianten geprüft. Etwa, ob sich die Niederlassungen verselbstständigen, indem sie auch zu Genossenschaften werden oder, ob sie durch andere Raiffeisenbanken übernommen werden. Nicht traktandiert wurde die Decharge für die frühere Geschäftsleitung um Pierin Vincenz. «Wir wollen erst alle Umstände kennen, bevor wir die Decharge der GV vorlegen», so Lachappelle.

Erstellt: 16.11.2019, 20:55 Uhr

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