Raiffeisen musste 577 Millionen hinblättern

Notenstein hat bei Raiffeisen «angedockt»: Gemäss Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz hat sich das Wegelin-Geschäft ausgezahlt. Die Akquisition brachte einen kräftigen Kundengeldzufluss – billig war sie nicht.

Zufrieden: Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. (Archivbild)

Zufrieden: Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. (Archivbild) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Raiffeisen blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück: 2012 hat die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz ihren Gewinn um 6,6 Prozent auf 635 Millionen Franken gesteigert. Dazu beigetragen hat die Übernahme der Privatbank Notenstein (ehemals Wegelin).

Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz präsentierte die Zahlen in St. Gallen gut gelaunt. Raiffeisen habe erneut an Stärke gewonnen. «Gut angedockt» habe die Bank Notenstein. Raiffeisen hatte das nicht amerikanische Geschäft der St. Galler Privatbank Wegelin vor einem Jahr für 577 Millionen Franken gekauft.

Raiffeisen flossen 2012 reichlich neue Spar- und Anlagegelder zu: Dieser Bilanzposten wuchs um 11,4 Prozent auf 103 Milliarden Franken. Der Betriebsertrag stieg auf 2,7 Milliarden Franken (+7,9 Prozent), was laut Raiffeisen massgeblich auf die Akquisition von Notenstein zurückzuführen ist.

Insbesondere das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft (+51 Prozent) sowie das Handelsgeschäft (+39 Prozent) entwickelten sich stark. Hauptertragspfeiler blieb aber das Zinsengeschäft, dessen Erfolg um 0,8 Prozent auf 2,09 Milliarden Franken zunahm.

Zinsengeschäft macht 77 Prozent aus

Das Zinsengeschäft machte bei der Gruppe noch 77 Prozent (Vorjahr 83 Prozent) aus. Im Hypothekengeschäft wuchsen die Raiffeisenbanken mit dem Markt um 5,8 Prozent. Sorge bereite die auf 1,3 Prozent geschrumpfte Zinsmarge, sagte Marcel Zoller, Leiter des Departements Finanzen.

Der Geschäftsaufwand stieg auf 264 Millionen Franken (+17,4 Prozent). Hier schlug die Übernahme von Notenstein zu Buch, ebenso ein einmaliger Beitrag von 80 Millionen Franken an die Raiffeisen-Pensionskasse. Dieser Beitrag drückte den Bruttogewinn auf 927 Millionen Franken (-6,6 Prozent).

Dennoch blieb unter dem Strich ein Gruppengewinn von 635 Millionen Franken (+6,6 Prozent). Positiv wirkte sich aus, dass Raiffeisen seine Beteiligungen an Helvetia und Bank Vontobel marktbedingt um 56 Millionen Franken aufwertete. Die Bilanzsumme stieg um knapp 8 Prozent auf 168 Milliarden Franken.

Die vor einem Jahr übernommene Privatbank Notenstein erwirtschaftete bei einem Betriebsertrag von 183,3 Millionen Franken einen Bruttogewinn von 46 Millionen Franken. Als erfreulich bezeichnete Pierin Vincenz, dass Notenstein die verwalteten Vermögen von 21 Milliarden Franken halten konnte.

Details zum Notenstein-Kaufpreis

Der Preis, den Raiffeisen für Notenstein zahlte, betrug laut Vincenz 577 Millionen Franken. Diese setzten sich zusammen aus 389 Millionen Franken für die Substanz der Bank, 155 Millionen Franken für die verwalteten Vermögen - dies entspricht 0,75 Prozent der 21 Milliarden Franken – sowie zu erwartenden Steuern von 33 Millionen Franken.

Mit Erleichterung sieht Vincenz dem Abschluss des Strafverfahrens gegen Wegelin in den USA entgegen, der in Kürze erwartet wird. Für das laufende Jahr rechnet der Raiffeisen-Chef mit stabilen Erträgen. Raiffeisen plant die Eröffnung von sieben neuen Filialen, unter anderem in Genf, Muri bei Bern, Pfäffikon und Rorschach SG.

Zur Raiffeisengruppe gehören 321 genossenschaftlich organisierte Banken mit 1084 Geschäftsstellen. Von den 3,7 Millionen Kundinnen und Kunden sind knapp die Hälfte Genossenschafter. Die Raiffeisengruppe beschäftigt 10'540 Mitarbeitende. (bru/sda)

Erstellt: 01.03.2013, 09:53 Uhr

Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz im Interview. (Video: Keystone )

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