«Reine Geldmacherei» – Swisscom wegen neuer Abos unter Beschuss

Der Konzern ersetzt alte Handy-Abos durch teurere und weist die Kunden nicht auf günstigere Varianten hin. Experten schütteln den Kopf.

Ab dem 8. November kostet das Handy-Abo für einige Swisscomkunden fast 200 Prozent mehr.

Ab dem 8. November kostet das Handy-Abo für einige Swisscomkunden fast 200 Prozent mehr. Bild: Hauke-Christian Dittrich/Keystone

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Wer sein mobiles Telefon nur selten nutzt und Abonnent bei der Swisscom ist, muss sich auf happige Preisaufschläge gefasst machen. Ab 8. November zahlen diese Leute teilweise fast 200 Prozent mehr, wie Ralf Beyeler, Telecomexperte beim Vergleichsportal Moneyland.ch vorrechnet. Die Swisscom begründet dies mit neuen Leistungen.

Der Konzern hebt die Billigabos Natel Swiss Liberty, Natel Basic Liberty, Natel Liberty Primo, Natel Budget Min, Natel Xtra Start sowie Natel Data Flat auf und ersetzt sie durch neue Pakete. Manche davon enthalten zum Beispiel Flatrates fürs Internet. Darüber ärgern sich viele Kunden, weil sie die zusätzlichen Leistungen gar nicht benötigen.

«Reine Geschäftemacherei»

Die Preiserhöhung hinterlässt den Eindruck einer Hauruck-Übung. Erst Anfang Oktober wurden die ersten Kunden über die kurz bevorstehenden Änderungen informiert. Zudem hat die Swisscom ihren Kunden wichtige Informationen vorenthalten. So erhielten sie keine Hinweise auf die für Wenigtelefonierer viel günstigeren Prepaid-Tarife. Nach kritischen Berichten, auch auf dem Onlineportal dieser Zeitung, hat der Konzern reagiert. Die Information der Abonnenten erfolgt laut Swisscom in mehreren Wellen, weitere Schreiben sollen Hinweise auf die günstigeren Prepaid-Tarife enthalten.

Zudem hat die Swisscom ihren Abonnenten meist eine zu teure Variante offeriert. Als Ersatz für die bisherigen Abos infrage kommen insbesondere das Inone Mobile Light und das Inone Mobile XS, die 35 und 65 Franken kosten. Zum Vergleich: Für das bisherige Billigabonnement Natel Basic Liberty verlangte die Swisscom gerade mal 12 Franken.

Die neuen Preise gehen von der Annahme aus, dass die Abonnenten mit der Erneuerung auch ein verbilligtes neues Mobilfunktelefon beziehen. Wer kein neues Gerät wünscht – das dürften die meisten Wenigtelefonierer sein –, hat Anrecht auf billigere Abos, die 29 und 60 Franken kosten. Doch zum günstigeren Tarif kommt nur, wer nach Erhalt des Briefs oder spätestens der Rechnung bei der Swisscom reklamiert. Anlaufstelle ist die Swisscom-Hotline (0800 800 800).


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Swisscom-Sprecher Armin Schädeli begründet das Vorgehen wie folgt: Eine automatische Umstellung auf den Tarif ohne Gerätebezug sei nicht möglich. «Denn bei den Angeboten ohne Gerätebezug verpflichten sich die Kunden für weitere zwölf Monate Vertragsdauer.» Dafür benötige die Swisscom eine ausdrückliche Zustimmung der Kunden. Man prüfe aber, «wie wir die Kunden transparenter darauf hinweisen können».

Telecomexperte Beyeler hält dieses Vorgehen für «reine Geldmacherei». Es müsse doch möglich sein, «langjährigen Abonnenten auch ohne Gerätebezug ein korrektes Angebot zu unterbreiten». Zudem stört ihn, dass die Swisscom für Wenigtelefonierer gar kein passendes Handyabo mehr im Angebot hat. Das Prepaid-Abonnement wird laut Beyeler von Kunden oft aus grundsätzlichen Überlegungen abgelehnt: Das Nachladen liegt ihnen nicht, und sie wollen nicht riskieren, dass das Guthaben ausgerechnet in einem Notfall aufgebraucht sein könnte.

Kostengünstigere Abos

Eine günstigere Abo-Alternative wäre das M-Budget Mobile Mini, das von der Migros verkauft wird, aber über das Swisscom-Netz läuft. Die Gesamtkosten belaufen sich im ersten Jahr auf 268 Franken, wie Beyeler erläutert. In dem Betrag sind auch eine limitierte Internetnutzung und eine gewisse Anzahl SMS enthalten. Ab dem zweiten Jahr fallen die Aktivierungskosten von 40 Franken weg.

Deutlich günstiger ist das Abo Talk Talk à la Carte, das im ersten Jahr 113.20 Franken kostet und keine Zusatzleistungen beinhaltet. Ab dem zweiten Jahr kostet es 49 Franken weniger. Es eignet sich aber nur für Leute, die ihr Handy selten nutzen: Denn diese Kosten gelten bei 15 Gesprächsminuten und 10 SMS pro Monat. Vertrieben wird das Abo von Talk Talk, Netzanbieter ist Sunrise.

Diverse Pannen, ein Datenleck, eine umstrittene Preiserhöhung für Internet-Abos und nun Ärger um Handytarife: Seit einigen ­Monaten sorgt die Swisscom für Negativschlagzeilen. Für Beyeler eine unheilvolle Serie, welche die Frage aufwerfe, ob Konzernchef Urs Schaeppi den Laden noch im Griff habe.

Gleichzeitig wirkt es laut Beyeler so, als ob die Swisscom in Kernbereichen den Anschluss verliere: «Beim Projekt für Gratisinternet in SBB-Zügen sind nur Salt und Sunrise dabei – die Swisscom meint, ihre Kunden seien daran nicht interessiert.» (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 21.10.2018, 21:34 Uhr

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