Renommiertes Flimser Hotel deponiert Bilanz

Ein 30-Millionen-Abschreiber bringt das Waldhaus in Flims in Schwierigkeiten. Bisher wurde der Betrieb mit dem Verkauf von Zweitwohnungen aufrechterhalten.

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«Heute Morgen hat der Verwaltungsrat der Waldhaus Flims Mountain Resort AG (WFMR AG) die Bilanz deponiert», heisst es in einer Mitteilung der WALDHAUS FLIMS Mountain Resort & Spa. Der Hotelbetrieb habe seit mehreren Jahren Geldabflüsse hinnehmen müssen. «Dank den Gewinnen aus Zweitwohnungsverkäufen konnte der laufende Betrieb aber stets gewährleistet werden», heisst es in der Mitteilung weiter.

Eine Neubewertung der gesamten Anlage habe im Februar 2015 einen zusätzlichen Abschreibungsbedarf von rund 30 Millionen Franken ergeben. Dies habe zu einer Überschuldung geführt. Verhandlungen über eine mögliche Übernahme seien nicht erfolgreich gewesen. Nun habe die Bilanz deponiert werden müssen.

Aktionäre verlieren Geld

Der Hotelbetrieb werde von der Auffanggesellschaft WF Hotelmanagement ohne Unterbruch fortgeführt und das Hotel mit seinen total 150 Zimmern am 22. Mai 2015 wie geplant für die Sommersaison eröffnet, so in der Mitteilung weiter. WF miete den Hotelbetrieb vom Konkursamt.

Die Auffanggesellschaft mietet den Hotelbetrieb vom Konkursamt und verfügt eigenen Angaben zufolge über «eine ausreichende Liquidität». Mit Ausnahme von maximal sieben Personen könnten alle 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Arbeitsplätze behalten, hiess es. Die Löhne seien bis Ende März ausbezahlt.

Allerdings verlieren über 900 Aktionäre ihr investiertes Geld. Neun Millionen Franken beträgt das Aktienkapital insgesamt. Ein Ziel der Auffanggesellschaft ist es, die Luxus-Herberge mitsamt der Mitarbeiter-Crew einem neuen Eigentümer zu übergeben.

Ein Investor ist zwar noch nicht gefunden. Die Chance, einen zu finden, sei aber gross, sagte Gion Fravi, Verwaltungsratspräsident der Waldhaus Flims Mountain Resort, zur Nachrichtenagentur sda. Wieviel Geld ein Investor für den Kauf des Hotels «Waldhaus» in Flims auf den Tisch legen muss, wollte Verwaltungsratspräsident Fravi nicht verraten. Er sprach lediglich von einem «attraktiven Preis».

Laut Fravi erwirtschaftete das Hotel über die Ostertage doppelt soviel Umsatz wie im letzten Jahr. Und bei den Logiernächten habe das Haus gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent zugelegt.

Session der eidgenössischen Räte

Das Waldhaus in Flims gehört zu den bedeutenden Häusern im oberen Preissegment der Schweizer Hotellerie. 2006 fand im Waldhaus die Herbstsession der eidgenössischen Räte statt. Mit 200'000 Quadratmetern verfügt das Haus über den nach eigenen Angaben «grössten Hotelpark des Landes».

In der Wintersaison 2014/15 hätte die Zahl der Logiernächte um 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden können, so in der Mitteilung.

Querfinanzierung mit Zweitwohnungen

Das Waldhaus in Flims wurde jeweils als Beispiel genannt, wenn es darum ging, die Argumentation gegen die Zweitwohnungsinitiative zu führen. Offenbar nicht wenige Schweizer Hotels finanzierten einen Teil des Betriebs mit dem Verkauf von Zweitwohnungen. Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid erklärte das im März 2012 in einem Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet so: «Bei uns sind die Kosten im Vergleich zum Ausland ungleich höher, sei das beim Landkauf oder dem Bau. Und diese hohen Kosten lassen sich nicht auf den Preis umwälzen. Vor allem neue Hotels in Regionen mit stark saisonalem Geschäft können ohne Querfinanzierung kaum entstehen, respektive erneuert werden.» Und als Beispiel nannte er das Waldhaus in Flims. «Das Waldhaus in Flims hat den jüngsten Erneuerungsschub inklusive Bau eines Kongresszentrums und einer Curling-Anlage so durchgezogen. Mit neuen Ferienwohnungen in der Parkanlage wurden Erträge generiert. Dieses Hotel gilt heute als Bijou und bereichert das Angebot von Flims-Laax.»

Dass in der Schweizer Hotellerie der Oberklasse Probleme auftreten, ist nich neu. 2014 hatte die Betreiberfirma des Intercontinental in Davos, dem sogenannten Goldenen Ei, Konkurs angemeldet. Eine neue Pächterin übernahm darauf das Geschäft. In einem Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagte Tourismusexperte Urs Wagenseil jüngst: «Die Luft wird tatsächlich dünner für die Schweizer Luxushotellerie.»

* mit Material der Agentur SDA (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.04.2015, 11:21 Uhr

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