«Rohstoffhandel blüht gleiches Schicksal wie den Banken»

Oliver Classen von der Erklärung von Bern ist überzeugt, dass die Schweiz als Eldorado für Rohstoffhändler bald unter Druck geraten wird.

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Was für ein Handy haben Sie?
Oliver Classen: Ein iPhone 4.

Das neue Fairhandy aus korrekter Produktion ist kein Thema?
Doch. Aber ich brauche Anschluss an die Kommunikationswelt.

Das kann ein Fairhandy nicht?
Ich brauche gewisse Funktionen, die ich dort nicht hätte. Um etwas grundsätzlicher zu werden: Wer bei der Erklärung von Bern arbeitet, muss nicht päpstlicher als der Papst oder konsum- und lustfeindlich sein. Das ist ein weitverbreitetes Missverständnis.

Was treibt Sie an beim Aufdecken von Missständen?
Bei der Erklärung von Bern war das immer schon Idealismus, gepaart mit einem Instinkt fürs Veränderbare. Uns interessiert, wieso Schweizer Rohstoffunternehmen so viel Gewinn machen, wieso sie so gross geworden sind. Wir räumen ein, dass wir von einer Grundannahme ausgehen: Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer.

2011 publizierte die Erklärung von Bern (EVB) das kritische Buch «Rohstoffe». Sie bezeichnen es unbescheiden als Pionierarbeit.
Unbescheiden? Schauen Sie sich den Erfolg des Buches und den politischen Widerhall an. Journalisten waren erstaunt, dass sie aufgrund der recherchierten Fakten nicht längst selber darauf gekommen sind.

Wie kamen Sie zum Thema?
Bei mir bildete der Public Eye Award von 2008 den Auftakt. Ich habe diese WEF-kritische Veranstaltung fünf Jahre lang koordiniert. Damals wurde klar, dass einige Rohstoffunternehmen mit Sitz in der Schweiz höchst problematische Geschäftspraktiken haben. Ich überreichte also dem Glencore-CEO Ivan Glasenberg in Zug den Preis. Die EVB selber hat dieses Thema schon seit langem auf dem Radar und kann nun gewissermassen die Ernte für das beharrliche Engagement einfahren.

Wann begann bei der EVB die Alarmglocke zu klingeln?
Ausgangspunkt waren die Handelsstatistiken 2001 bis 2011 der Schweizerischen Nationalbank. Daraus entnahmen wir, dass der Rohstoffhandel in der Schweiz in zehn Jahren um das 14-Fache explodierte. Heute haben wir in dieser Branche Firmen mit einem Umsatz von über 300 Milliarden Franken – das ist dreimal mehr als bei bekannten Konzernen wie Nestlé oder Novartis.

Ihr Buch wird auch als journalistische Leistung gelobt. Sie erhielten sogar den Förderpreis von Pro Litteris dafür. Freut Sie die Auszeichnung?
Selbstverständlich. Aber weniger für die persönliche Anerkennung als Journalist. Das bin ich seit sieben, acht Jahren nicht mehr. Wir machen zwar journalistische Arbeit, aber ich bin ein Interessenvertreter.

Sie sind also nicht unabhängig?
Doch. Ich bin der Meinung, das Geschäftsmodell einer Nichtregierungsorganisation unterscheidet sich nicht so stark von dem eines klassischen Mediums. Entscheidend ist die Glaubwürdigkeit. Ohne sie läuft nichts. EVB-Haupteinnahmequelle sind unsere über 25'000 Vereinsmitglieder.

«Rohstoffe» konnte dank einer privaten Grossspende realisiert werden. Gab es keine Vorgaben?
Nein.

Sie sagen, die Schweiz ist dick im Geschäft auf Kosten armer Länder?
Das ist so.

Gehen Sie fair um mit Ihren Gegnern?
Unbedingt.

Ein Beispiel?
Wir pflegen keine Feindbilder. Fairness gehört für uns zur Professionalität. Dazu zählt, dass wir Vorwürfe den beschuldigten Firmen mit einer ausreichenden Reaktionszeit vorlegen. So geschehen bei unseren jüngsten Recherchen in Angola und Nigeria. Die angeschwärzten Firmen zogen oft Schweigen vor. Nun bauen sie aber Kommunikationsabteilungen auf.

Die Firmen wurden vom Kommunikations-Mittelalter ins 21.Jahrhundert katapultiert. Sind sie heute besser aufgestellt?
Die Branche hat nach Genf mittlerweile auch in Zug Standesvertretungen geschaffen. In Zug geschah dies als Folge von steigendem öffentlichem Interesse, in Genf nach Verurteilungen von Ölhändlern in den USA. Man reagierte also stets erst auf Druck. Diese Organisationen wollen jetzt aus erster Hand ihr Geschäftsmodell erklären.

Wie würden Sie das Business beschreiben?
Rohstoffhändler sehen sich als Logistiker: Sie bringen Waren von dort, wo sie bereitstehen, dahin, wo sie gebraucht werden. Das ist Quatsch! Rohstoffhändler leben von der Maximierung ihrer Margen, was allzu häufig mit einer Risikomaximierung einhergeht. Ihr Kerngeschäft ist letztlich Risikoanalyse. Sie tun alles, um sich zwischen Regierungen und Endkunden zu schalten und eine möglichst grosse Marge abzuschöpfen. Rohstoffhändler stehen am Anfang der industriellen Produktion. Sie bewegen riesige Volumina; ihr Geschäft ist systemrelevant und geostrategisch hoch brisant. Ihre Bedeutung ist umgekehrt proportional zu dem, was man von der Branche weiss. Diskretion bedeutet ihr alles.

Um wen geht es?
Man muss unterscheiden zwischen Unternehmen wie Exxon Mobil, Shell und BP, die selber fördern, verarbeiten und ihre Endprodukte vertreiben, und jenen unabhängigen Handelskonzernen, die mit den Rohstoffen handeln, die auf den freien Markt gelangen. Wir thematisieren im Buch nur Letztere. Hier spielt die Schweiz eine Hauptrolle.

Handel an und für sich ist nichts Schlechtes. Wo liegen denn die Probleme beim Geschäft der Rohstoffhändler?
Es ist nicht nur erlaubt, Handel zu betreiben, sondern notwendig. Heikel sind aber die Folgen des Rohstoffhandels. Die Probleme beginnen mit der Intransparenz. Vieles lässt sich nicht kontrollieren.

Welches sind die negativen Folgen?
Ökologische Missstände, soziale Konflikte bei Umsiedlungen, Vergiftungen von Minenarbeitern, fragwürdige Gewinnverschiebungen und Steueroptimierungen der Milliardenumsätze, Förderung von Korruption und Konflikten, Umgehung internationaler Embargos. Und schliesslich bleibt häufig unklar, wem die Firmen tatsächlich gehören.

Im Zusammenhang mit der Umgehung von Embargos oder gesetzlichen Vorgaben kursieren abenteuerliche Geschichten.
Der durch gerichtliche Urteile belegte Klassiker ist ein Fall von Trafigura. Die Rohstoffhändlerin leitete einen Tanker, der mit Giftmüll beladen war, via Amsterdam und weitere Handelsstationen zurück nach Afrika um. In der Elfenbeinküste wurde die kritische Fracht schliesslich ausgeladen und entsorgt.

Sind solche Aktionen gang und gäbe?
Das wissen wir nicht. Aber in faktisch rechtsfreien Räumen ist viel möglich. Einerseits physisch. So wurde in diesem Fall auf hoher See das Öl auf eine Art weiterverarbeitet, wie es an Land verboten wäre. Andererseits gibt es auch auf einer virtuellen Ebene fragwürdige Geschäfte. So sind die Unternehmen global so aufgestellt, dass sie trotz hoher Gewinne nur sehr wenig Steuern zahlen.

Steueroptimierung mag umstritten sein, sie ist aber legal.
Es gibt ein weltweit wachsendes Unrechtsbewusstsein gegenüber Firmenkonstruktionen, die Gewinne in den vorteilhaftesten Ländern versteuern. Doch es ist schwierig, politisch Gegensteuer zu geben. Denn in ihrer Steuerstrategie sind die Konzerne den Staaten stets voraus. Diese sehen die Konzerne nur von hinten und müssen auf immer neue raffinierte Konstrukte reagieren.

Es ist schwierig, den Unternehmen etwas vorzuwerfen, solange sie nichts Illegales tun.
Was nicht illegal ist, ist aber oft illegitim. Da mag man keinen juristischen Hebel haben. Aber wir erkennen ein allgemeines Unbehagen. Selbst Entscheidungsträger kommen immer häufiger zum Schluss: Da stimmt einfach etwas nicht. Damit lässt sich recht viel erreichen. Wir bauen auf Ereignissen auf, die zu einem Meinungswandel beitragen.

Welches Ereignis zum Beispiel?
Die Finanzkrise von 2008 rüttelte wichtige internationale Organisationen wie die G-8 auf und löste eine Welle von Regulierungen aus. In diesem Prozess gibt es sehr viele Verzahnungen mit dem Rohstoffhandel.

Banken sind stark involviert in den Rohstoffhandel, indem sie kostspielige Geschäfte absichern und zeitweise sogar im Besitz der gehandelten Waren sind. Droht hier ein weiteres Reputations- und Bussenrisiko für den Schweizer Finanzplatz?
Ja. Das zeigt das Beispiel der französischen Bank BNP Paribas, gegen welche die US-Justiz eine Busse von neun Milliarden Dollar verhängt hat. Es ist kein Zufall, dass es dabei um die Genfer Filiale von Paribas ging.

Genf ist ein grosser Rohstoffhandelsplatz. BNP Paribas hat ein US-Embargo umgangen.
Ja, wobei BNP Paribas bei der Finanzierung des physischen Rohstoffhandels immer schon führend war. Doch auch bei Schweizer Banken existiert ein hohes Risikopotenzial. Die Credit Suisse ist eng verbandelt mit den inzwischen fusionierten Konzernen Glencore und Xstrata.

Sie beziehen Ihre Informationen oft im Ausland. In Entwicklungsländern geht es womöglich nicht ohne Schmiergeld.
Doch. Bis jetzt sind wir konsequent sauber geblieben.

In manchen Entwicklungsländern ist es für einen Journalisten schwierig, ein Visum zu erhalten. Reisen Sie als Tourist?
Wenn Sie ein Visum brauchen, dann sagen Sie es mir...

Warum ist Ihnen Transparenz derart wichtig?
Mit Transparenz erhalten wir einen Hebel, um Rohstoffhändler und korrupte Regierungen bei fragwürdigen Geschäften unter Druck setzen zu können.

Wo genau verlangen Sie Transparenz?
Es existieren verschiedene Pfade, die zu einem transparenten Rohstoffplatz führen, und auf denen die Schweiz – mein Gott! – vielleicht sogar eine Vorbildfunktion übernehmen könnte. So gibt es eine Finanztransparenz, die Einblicke in Zahlungen erlaubt, oder eine Vertragstransparenz, mit der Mauscheleien bei der Vergabe von Förderrechten unterbunden werden können. Es gibt korrupte Regierungen, die ihre staatlichen Rohstoffkonzerne als persönlichen Bankomaten betrachten, weshalb die Bevölkerung nichts von dem ihr zustehenden Geld sieht. Auch bei Sorgfaltspflichten der Firmen und bei den Arbeitsbedingungen in Förderländern wäre mehr Transparenz wünschenswert.

Ist es nicht ein aussichtsloses Unterfangen, korrupte Regierungen zu einem anderen Handeln drängen zu wollen?
Überhaupt nicht. Es gibt mit Botswana und Ghana wunderbare Beispiele, die belegen, dass es geht. Ich warne vor solchem postkolonialistischem Fatalismus. Natürlich gibt es auch politische Grosswetterlagen, die eine Besserung verhindern. Aber dort, wo wir die Möglichkeit haben, müssen wir – Entschuldigung – verdammt nochmal handeln.

Es existieren bereits Regeln zur Transparenz. Warum genügen diese noch nicht?
Es gibt die EITI (Extractive Industries Transparency Initiative), der sich Rohstoffländer anschliessen können. Doch viele besonders neuralgische Staaten, in denen Schweizer Rohstofffirmen unterwegs sind, sind nicht EITI-Mitglieder. In Bezug auf die Zahlungstransparenz fehlen uns deshalb häufig Informationen, mit denen wir prüfen können, ob ein Förderstaat die Zahlungen eines Rohstoffhändlers korrekt verbucht. EITI kann übrigens nicht genügen, da sie keine Sanktionsmöglichkeiten enthält. Verstösse werden nur mit Ächtung oder einem Ausschluss geahndet.

In der Schweiz hatte die drohende Ächtung durch schwarze Listen beim Bankgeheimnis eine starke Wirkung.
Die Ächtung hätte hier nicht die gleiche Wirkung wie beim Bankgeheimnis. Zudem gibt es im Zusammenhang mit der EITI keine schwarze Liste.

Aus den USA und aus der EU kommen weitere Vorgaben zur Transparenz.
Der amerikanische Dodd-Frank Act entstand aus der Finanzkrise. Neben Transparenzvorschriften enthält er auch Sorgfaltspflichten wie zum Beispiel das Verbot, Rohstoffe aus dem Kongobecken zu verwenden. Die EU folgte mit zwei Direktiven zur Transparenz von Zahlungsflüssen. Im Grunde ist sie eine Kopie des Dodd-Frank Act mit einzelnen zusätzlichen Verschärfungen. Die EU-Direktiven treten spätestens Mitte 2015 in Kraft. Das Problem bei all diesen Vorgaben: Sie regulieren ausschliesslich Förderunternehmen und keine Handelsfirmen. Doch von der Schweiz aus wird vor allem Handel betrieben.

Die Schweiz hinkt hinterher mit Vorgaben bei Förderung und Handel.
Da viele Unternehmen mit den USA Geschäfte machen oder dort börsenkotiert sind, gilt der Dodd-Frank Act für sie bereits. Und faktisch fallen alle Schweizer Unternehmen mit Förderaktivitäten unter das neue EU-Recht. Der Bundesrat hat zu diesem Thema drei Berichte veröffentlicht. Darin vertritt die Landesregierung die Haltung: Es braucht zwar Transparenzvorschriften, die Schweiz wird aber die Entscheide anderer Länder abwarten und dann aber auch den Handel bis auf Weiteres nicht einbeziehen. Das ist eine Alibiübung.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist nachvollziehbar, wenn die Schweiz nicht vorprescht. Als Vorbild würde sie einen Wettbewerbsnachteil schaffen für den hiesigen Rohstoffhandelsplatz.
Die Schweiz hat jahrzehntelang schamlos profitiert von Geschäftsmodellen wie dem Bankgeheimnis und der Steuerflucht. Dort ist sie ja auch vorausgeprescht. Es kann nicht Ihr Ernst sein zu glauben, es würde der Schweiz nicht gut anstehen, für einmal auch in der anderen Richtung schneller als die anderen zu sein.

Aber Handelsfirmen sind mobil und ziehen weg, wenn die Bedingungen nicht mehr stimmen.
Das sind leere Drohungen.

Trafigura beschloss vor nicht langer Zeit, 300 Arbeitsplätze nach Singapur zu verlegen.
Singapur ist stärker reguliert als die Schweiz, Hongkong ebenfalls und London erst recht. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die für den Rohstoffhandel entscheidend sind. Einer davon ist: Händler brauchen einen 24-Stunden-Betrieb. Europa ist mit seiner Lage zwischen Asien und den USA dafür ideal geeignet.

Und warum hat Trafigura Stellen verlagert?
Sicher nicht wegen neuer Gesetzesbestimmungen in der Schweiz. Trafigura hat lediglich ein Handelsdesk nach Singapur verschoben, um das wachsende China-Geschäft besser abdecken zu können. Natürlich sind solche Unternehmen theoretisch schnell weg. Sie schätzen aber die für sie wichtigen Kriterien, welche die Schweiz bietet: höchstes Bildungsniveau, starker Finanzplatz, politische Stabilität, Neutralität, Bewegungsfreiheit, hohe Diskretion, wenig Regulierung. Diese Mischung finden Sie in keinem anderen Land.

Sind Rohstoffhändler schlechtere Menschen?
Das fragen Sie mich aber nicht im Ernst?

Doch.
Natürlich sind es keine schlechtere Menschen. Folgendes halte ich aber für bemerkenswert: Nach ihrem Börsengang anno 2011 besassen die sechs Hauptaktionäre der Zuger Rohstoffhändlerin Glencore ein Vermögen, das das jeweilige Bruttosozialprodukt der 96 ärmsten Länder übertraf. Das sind Verhältnisse, bei denen ein Mensch mit einem letzten Rest an Gerechtigkeitsempfinden merken müsste, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Davon werden Sie Rohstoffhändler nicht so rasch überzeugen können.
Ich kenne eine Reihe von Bankern, die jahrelang gut vom Bankgeheimnis und von Geschäftsmodellen lebten, die heute igittigitt sind. Sie glauben doch nicht, dass es im Rohstoffhandel anders sein wird? Es ist bloss eine Frage der Zeit, bis es auch bei Rohstoffhändlern heisst: «Wie konntest du so etwas nur machen?» Dem Rohstoffhandel blüht das gleiche Schicksal wie den Banken.

Wird der Druck auf die Schweiz mit der Umsetzung der EU-Richtlinien steigen?
Die Branche ist sicher nicht in froher Erwartung dieser Richtlinien. In der schweizerischen Politik stossen wir aber auf viele offene Ohren mit unseren Anliegen. Und im Parlament wird das Thema langsam mehrheits- und mittefähig.

Vorstösse kommen aber fast ausschliesslich von links.
Das täuscht. Wichtige Vorstösse kommen auch aus Mitteparteien oder Kommissionen. Bislang sind im Parlament über dreissig Vorstösse eingereicht worden. Uns geht es primär um fossile Rohstoffe, die nicht nachwachsen. Was unter intransparenten Umständen weggekarrt wird, bleibt für die Bevölkerung verloren. Und zwar für immer. Wir müssen also rasch handeln, wenn wir den Menschen vor Ort etwas zukommen lassen wollen.

Um Ihre Transparenzziele erreichen zu können, fehlt derzeit noch der internationale Druck.
Wir stellen nur Informationen bereit. Aber die globale Transparenzbewegung gewinnt an Dynamik, und prominente Unterstützer wie der britische Premier Cameron werden eine Schweizer Regulierungsoase nicht lange dulden. Die nächsten Skandale mit Beteiligung von Schweizer Rohstofffirmen werden ein Übriges tun. Das Bankgeheimnis wird nun weltweit durch den automatischen Informationsaustausch abgelöst. Diese Umkehr kam auf einmal sehr schnell. Beim Rohstoffhandel erwarten wir eine vergleichbare Entwicklung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.08.2014, 13:50 Uhr

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Dass er etwas von der Sache versteht, hat Classen als Co-Autor des Buches «Rohstoffe» (2011) bewiesen. Dafür erhielt der 47-Jährige 2014 den Förderpreis für Journalisten von Pro Litteris. Das sorgte für Diskussionen: Zwar arbeitete er früher als Journalist («Aargauer Zeitung», «Handelszeitung»), heute ist er aber Interessenvertreter. Das räumt der ehemalige Koordinator der WEF-kritischen Veranstaltung Public Eye freimütig ein.
Classen, der etwas von einem Aktivisten hat, arbeitet seit 2006 für die EVB. Die Geburtsstunde der Nichtregierungsorganisation war ein Manifest über «die Schweiz und die Entwicklungsländer» im Jahr 1968, das eine Gruppe reformierter Theologen in Gwatt BE formulierte. 1000 Personen unterzeichneten das Papier. Heute zählt die EVB über 25000 Mitglieder. Classen zieht in deren Namen geschickt Fäden und sorgt dafür, dass die auf Diskretion achtende Rohstoffbranche in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Er tut dies nüchtern, aber schonungslos. Etliche englische Ausdrücke beim Reden verraten, dass man die Globalisierung des Sektors längst mitvollzogen hat und auf ein internationales Netzwerk bauen kann.

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