Hintergrund

Ruag hofft auf Prestigejet-Aufträge

Der Schweizer Tech- und Rüstungskonzern könnte durch die neu erworbene Tochter in Australien Zugang zu F-35- und Blackhawk-Aufträgen kommen. Ein rotes Tuch für Jo Lang von der GSoA.

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Die australische Luftwaffe fliegt, wie die Schweizer Luftwaffe auch, den Kampfjet F/A-18. Komponenten von den Maschinen der Royal Australian Air Force werden von der Firma Rosebank Engeneering gewartet. Nun hat der Schweizer Technologiekonzern Ruag zugeschlagen und die australische Firma mit 154 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 21 Millionen Franken übernommen.

Im Vergleich zur Ruag selber ist Rosebank ein Zwerg. Der Schweizer Konzern, der zu 100 Prozent dem Bund gehört, erarbeitet mit rund 7700 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Franken. Und trotzdem ist der Zukauf von Rosebank für Ruag ein wichtiger Schritt. «Mit der Akquisition erweitert die Ruag ihre Kernkompetenzen (…) und erhält Zugang zu einem neuen strategisch bedeutsamen Wachstumsmarkt in der Region», heisst es im Communiqué.

Kritik am Malaysia-Geschäft

Ruag will im Ausland wachsen, das gehört seit längerem zu erklärten Firmenstrategie. Seit 2010 hat der Konzern einen Auftrag der Royal Malaysian Air Force zur Wartung von Kampfjet-Triebwerken. Auch diese Luftwaffe fliegt die F/A-18. «Die Triebwerkmodule werden in die Schweiz geflogen und bei uns gewartet», erklärt Ruag-Sprecher Jiri Paukert. Das bringe in der Schweiz eine bessere Auslastung der bestehenden Infrastruktur und den Erhalt von Kompetenz. In Malaysia sind inzwischen vier Ruag-Mitarbeiter in einer eigenen Filiale tätig. Vor Ort werden gemeinsam mit einer einheimischen Firma Unterhaltsarbeiten ausgeführt.

Schon 2010, als die Malaysia-Pläne von Ruag bekannt wurden, regte sich in der Schweiz Kritik. Das Land sei instabil und man müsse immer mit kriegerischen Auseinandersetzungen rechnen, hiess es von Seiten linker Politiker. Dabei könne die Schweiz unfreiwillig in den Konflikt involviert werden, wenn ein hiesiger Staatsbetrieb für die dortige Armee militärische Dienstleistungen erbringe. Die Kritik prallte an den Richtlinien des Seco ab. Das Staatssekretariat für Wirtschaft legt jeweils fest, für welche Länder ein Kriegsmaterialexport oder Technologietransfer erlaubt ist. Ruag halte sich an das Exportregime der Schweiz, sagt Paukert dazu.

Zivil oder militärisch?

Mit dem Kauf Rosebanks hat die Ruag aber nicht nur ein australisches KMU erworben. Die Firma hat Kunden im asiatisch-pazifischen Raum, darunter in Thailand. Dies dürfte erneut Kritiker auf den Plan rufen, kämpft doch das Land seit Jahren mit internen gewaltsamen Konflikten, die teilweise bürgerkriegsähnlichen Zuständen gleichen. Jo Lang von der GSoA sagt: «Wir stellen uns nicht gegen eine internationale Expansion der Ruag. Allerdings soll diese im zivilen Bereich stattfinden.»

Wie schwierig sich die Auslandexpansion für die Ruag generell gestaltet, zeigt die Tatsache, dass schon längst geplante Expansionsschritte in Südamerika stocken. Schon 2010 war die Rede vom Aufbau von Filialen in Brasilien und Chile. Konkrete Resultate gibt es aber bisher nicht. Paukert sagt dazu: «Wir halten an unseren Plänen fest.» Ruag interessiert sich laut früheren Medienberichten für den Unterhalt von Teilen der Luftwaffen in diesen Ländern. Wie die Schweiz fliegt auch Brasilien den Kampfjet Tiger F-5. Das sind allerdings veraltete Maschinen. So alt, dass die Schweizer Luftwaffe diese möglichst heute und nicht erst in Jahren ersetzt haben möchte.

Der Vorzeigekampfjet der USA

Neue Träume weckt der Rosebank-Kauf aber nicht nur für die geografische Expansion. Weil die Australier auch Komponenten von Maschinen der Typen C-130, Blackhawk und F-35 wartet, erhofft man sich am Ruag-Hauptsitz in Emmen LU auch eine Ausweitung des Geschäfts, was die Bandbreite der angebotenen Leistungen anbelangt. Dabei dürften die Kritiker des Exports militärischer Dienstleistungen ganz genau darauf schauen, von welchen Auftraggebern das Kriegsgerät gewartet wird. Der Blackhawk ist einer der am weitesten verbreiteten Armeehelikopter und kommt vielseitig zum Einsatz. Den meisten Menschen aber ist die Maschine von Kampfeinsätzen der Amerikaner im Irak und in Afghanistan bekannt. Der F-35 wiederum gilt als neuer amerikanischer Vorzeigekampfjet und wird bisher erst zu Trainingszwecken eingesetzt. Die C-130 schliesslich ist eine Militärtransportmaschine.

Für Jo Lang sind das keine Zukunftsperspektiven für Ruag: «Wir stellen uns gegen ein Engagement von Ruag im militärischen Bereich.» Er werde den Zukauf von Ruag in Australien und die damit erworbenen neuen Tätigkeitsfelder mit den grünen Kollegen im Parlament zur Sprache bringen.

Ruags hinterer Rang im Anti-Korruptions-Index

Noch in weiter Zukunft liegen für Ruag Aufträge, die im Zusammenhang mit dem absehbaren Kauf des Gripen stehen. Zwar wird der Zusammenbau des neuen Schweizer Kampfjets vollständig in Schweden stattfinden. Aber Wartungsaufträge dürften auch hier das Interesse des Technologiekonzerns wecken. Die Maschinen werden unter anderem geflogen von den Luftwaffen Thailands und Südafrikas.

Um mit diesen Ländern ins Geschäft zu kommen, muss Ruag wohl noch einen Zacken zulegen, was die Transparenz ihrer Geschäfte anbelangt. Im kürzlich veröffentlichen Defence Companies Anti-Corruption Index von Transparency International belegt der Konzern einen der letzten Plätze und wurde mit der zweitniedrigsten Note bewertet. In keinem der untersuchten Kriterien erhielt Ruag auch nur die Note «mittelmässig».

Erstellt: 18.12.2012, 18:33 Uhr

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