Rubelzwang für ausländische Kunden

Öl und Gas aus Russland: Staatlich kontrollierte Firmen wie Gazprom wollen künftig nur noch Zahlungen in Rubel akzeptieren, um sich dem «Würgegriff des Westens» zu entziehen.

Lieber Rubel statt Euro: Geht es nach der russischen Regierung, müssen Kunden von Gazprom & Co. ihre Rechnungen künftig in Rubel begleichen. (18. Februar 2014)

Lieber Rubel statt Euro: Geht es nach der russischen Regierung, müssen Kunden von Gazprom & Co. ihre Rechnungen künftig in Rubel begleichen. (18. Februar 2014) Bild: Maxim Shemetov/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Rubel rollt – im wahrsten Sinne des Wortes. In Zukunft umso mehr, sollte das Vorhaben der Regierung in Moskau umgesetzt werden. Als Reaktion auf westliche Sanktionen will sie, dass ausländische Käufer von russischem Öl und Gas ihre Rechnungen künftig in Rubel statt in US-Dollar begleichen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Laut Finanzminister Anton Siluanow wird bereits an der Umsetzung des Plans gearbeitet.

Hinter dem Entscheid steckt die Angst Russlands, dass Grosskonzerne wie Gazprom bei grenzübergreifenden Geldtransfers ausgeschlossen werden. Die USA haben als Antwort auf das russische Vorgehen in der Ukrainekrise Sanktionen erlassen, weshalb US-Banken bei 18 russischen Firmen keine Dollartransaktionen mehr ausführen. Russland erhofft sich, mit dem Rubelzwang «den Würgegriff des Westens auf die russische Wirtschaft» mildern zu können, wie der Chef der zweitgrössten russischen Bank VTB, Andrei Kostin, sagte. Er bezeichnet den Dollar als «etwas wie eine moderne Atomwaffe».

Bank bei Zahlungen zwischenschalten

Dennoch sollen ausländische Kunden auch in Zukunft wählen können, mit welcher Währung sie an die Russen zahlen – zumindest theoretisch. Schliesslich dürfen auf den Konten der russischen Verkäufer nur Rubel eingehen. Das heisst, im Zahlungsprozess muss eine Bank zwischengeschaltet werden, um die ausländische Währung in Rubel zu tauschen. Finanzminister Siluanow räumt ein, dass die damit verbundenen Kosten sowie die Schwankungsanfälligkeit des Rubels Risiken bergen würden. Trotzdem hält er an seinem Plan fest.

Die Hoffnung, sich aus dem «Würgegriff» zu befreien, ist offenbar gross: Allein die beiden staatlichen Energiekonzerne Gazprom und Rosneft sowie der Rüstungskonzern Rosoboronexport hätten Rechnungen im Wert von 230 Milliarden Dollar pro Jahr an Kunden aus dem Ausland gestellt, so Kostin. Das mache 44 Prozent aller russischen Exporte aus.

Aufwertung des Rubels?

Im April war bereits die Rede vom neuen Rechnungsverfahren der Russen. «Bei solch grossen Verträgen kann das Weglassen des US-Dollars die amerikanische Währung abschwächen», sagte damals Dmitri Absalow, Vize-Präsident des Zentrums für politische Konjunktur, gegenüber dem Radio «Stimme Russlands».

Für andere Währungen – sollten sie bei den Rechnungen eingesetzt werden – werde es hingegen zunehmend besser aussehen. Dies führe zur Vergrösserung der Euro- oder Rubelreserven, so Absalow. Wenn die Preisbildung über den Rubel geschehe, werte das die russische Währung unter den Partnerländern auf. Der Rubel hat sich gegenüber dem US-Dollar stabilisiert: Lag dessen Wert am 1. Januar bei 32.80 Rubel, stieg er Mitte März auf 36.63 und liegt aktuell bei 34.77. (or)

Erstellt: 16.05.2014, 19:52 Uhr

Artikel zum Thema

Der russische Gigant setzt auf die Schweiz

Das Firmengeflecht des Rohstoffkonzerns Gazprom ist weit verzweigt. Die Schweiz nimmt darin aber einen immer wichtigeren Platz ein. Eine Geschichte über die Freundschaft zwischen Spionen und Spitzenpolitikern. Mehr...

So will Putin die Ukraine an den Verhandlungstisch zwingen

Russland will, dass sich die Ukraine an den Verhandlungstisch setzt. Falls sich Kiew weigert, muss es um die russischen Gaslieferungen bangen. Mehr...

Der Public Eye Award geht an Gazprom

Ölbohrungen in der Arktis: Dafür erhält der russische Konzern den in Davos verliehenen Schmähpreis. Ein zweiter geht an einen der grossen Kleiderhersteller. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Wollen Sie einen echten Cyborg treffen?

Ihnen gehen Technik und Innovation unter die Haut? Gewinnen Sie 2x2 VIP-Tickets für die Volvo Art Session.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...