SNB macht mit Nokia-Aktien Millionen-Gewinn

In der Nacht wurde die Übernahme von Nokias Handygeschäft durch Microsoft angekündigt. Von der Euphorie der Börsenanleger profitiert auch die Schweizerische Nationalbank.

Der Verkauf der Gerätesparte an Microsoft beflügelt die Nokia-Aktie: Lumia-Smartphone von Nokia.

Der Verkauf der Gerätesparte an Microsoft beflügelt die Nokia-Aktie: Lumia-Smartphone von Nokia. Bild: Reuters

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Lange wurde darüber spekuliert, jetzt wird es wahr: Microsoft kauft den Grossteil von Nokia. Sind beim Windows-Riesen mit der Rückkehr von Nokia-Chef Stephen Elop in den Konzern auch die Weichen für die Neubesetzung der Firmenspitze gestellt?

Bei den Anlegern kommt der Verkauf gut an: Die Aktie des finnischen Konzerns schoss an den Märkten in Frankfurt, Helsinki und Stockholm je um rund 40 Prozent in die Höhe. An der Nyse Euronext erreichte die Aktie gar 41,9 Prozent, was einem neuen Jahreshoch entspricht.

SNB profitiert von Nokia

Zu den Gewinnern des Microsoft-Nokia-Deals gehört auch die SNB. Wie vergangenen Oktober bekannt wurde, hatte die Nationalbank im Rahmen ihrer Anlagestrategie auch in Aktien finnischer Grossunternehmen investiert.

Dabei erwarb die SNB auch rund 22 Millionen Aktien von Nokia. Inzwischen befinden sich gegen 24,5 Millionen Aktien im Besitz der Nationalbank. Beim aktuellen Kurs von 4.32 Euro (Dienstag Nachmittag) haben diese Aktien einen Wert von rund 105 Millionen Euro. Inklusive der heutigen Steigerung hat sich der Kurs der Nokia-Papiere seit Oktober 2012 verdoppelt. Die SNB dürfte damit rund 50 Millionen Euro an Kursgewinnen mit Nokia erzielt haben.

32'000 Mitarbeiter zu Microsoft

Der Softwareriese Microsoft übernimmt das Kerngeschäft des Handykonzerns Nokia. Der Preis liegt bei insgesamt 5,44 Milliarden Euro, wie die Unternehmen mitteilen. Damit könnte auch ein Ersatz für den scheidenden Microsoft-Chef Steve Ballmer gefunden sein. Nokia-Lenker Stephen Elop, ein früherer Microsoft-Manager, wurde bereits als Ballmer-Nachfolger gehandelt.

Microsoft zahle 3,79 Milliarden Euro für das Geschäft mit Geräten und Diensten und gebe weitere 1,65 Milliarden Euro für Patentlizenzen aus, hiess es. Ausserdem werde Microsoft auf Nokias Kartendienste zurückgreifen. Der Deal soll Anfang 2014 abgeschlossen werden. Rund 32'000 Mitarbeiter sollen zu Microsoft wechseln.

Umsatz halbiert

Mit dem Deal wird sich der Nokia-Umsatz in etwa halbieren. Der finnische Konzern will sich künftig vor allem auf das Netzwerkgeschäft und die Entwicklung seiner Kartendienste unter der Marke Here fokussieren. Der Konzern hatte jüngst den ursprünglich gemeinsam mit Siemens betriebenen Netzausrüster NSN komplett übernommen.

Über eine Nokia-Übernahme durch Microsoft war bereits seit einiger Zeit spekuliert worden. Die Unternehmen waren Anfang 2011 eine enge Partnerschaft eingegangen. Nokia ist der wichtigste Hersteller von Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone.

Mit Wandel zu kämpfen

Damit schliessen sich zwei Giganten zusammen, denen massive Veränderungen in ihrem angestammten Geschäft zu schaffen machen. Der finnische Konzern war lange Zeit die dominierende Kraft im Handymarkt, verlor aber mit dem Vormarsch der Smartphones wie des iPhone von Apple und Geräten mit dem Google-System Android massiv an Boden.

Dank der starken Position bei günstigen Handys ist Nokia zwar immer noch der zweitgrösste Hersteller von Mobiltelefonen nach Samsung. Der Marktanteil von Nokias Lumia-Modellen bei den lukrativen Smartphones liegt aber im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Auch Microsoft hat derzeit mit einem Wandel in seinem Kerngeschäft zu kämpfen. Das Betriebssystem Windows und die Bürosoftware Office sind immer noch die wichtigsten Geldbringer des Konzerns – inzwischen werden aber immer weniger PC verkauft, weil die Nutzer lieber zu Smartphones und Tablets greifen. Microsoft versucht, mithilfe von Windows Phone und Nokia auf diesen Zug aufzuspringen, die Marktanteile steigen aber nur langsam.

Potenzial für beide

Ballmer und Elop schrieben in einem gemeinsamen Brief, mit dem Zusammengehen der beiden Unternehmen werde man das volle Potenzial des Windows-Ökosystems entfalten können. Es werde neue Telefone und Dienste geben, «die das Beste von Microsoft und das Beste von Nokia vereinen».

Ballmer hatte nach über 13 Jahren an der Microsoft-Spitze seinen Rückzug binnen zwölf Monaten angekündigt. Das Unternehmen hatte zunächst keinen Nachfolger benannt. Elop gilt unter Branchenbeobachtern als einer der möglichen Kandidaten. (ssc/chk/mw/sda)

Erstellt: 03.09.2013, 14:48 Uhr

Umfrage

Kann Microsoft den Smartphone-Riesen Apple und Samsung gefährlich werden?

Ja

 
44.7%

Nein

 
55.3%

1673 Stimmen


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