SNB wirft den Kriegsballast ab

Was tun mit Aktien von Firmen mit Menschenrechtsproblemen? Die Anlagepolitik der Nationalbank stand zuletzt im Fokus. Nun hat sich die SNB zu einem Schritt entschlossen.

Ein Reputationsrisiko weniger: Waffensysteme der Firma Raytheon an einer Ausstellung.

Ein Reputationsrisiko weniger: Waffensysteme der Firma Raytheon an einer Ausstellung. Bild: Keystone

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Waffenhersteller mit international geächteten Produkten wie die US-Firmen Textron oder Raytheon könnten künftig aus dem Anlageuniversum der Schweizerischen Nationalbank gestrichen werden. Dies sagte die SNB-Führung am Rande einer gestrigen Veranstaltung in Zürich.

Das Direktorium habe unlängst «im Grundsatz beschlossen, auf Aktien von Unternehmen zu verzichten, die international geächtete Waffen produzieren, grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen», heisst es im Text, mit dem sich die Nationalbank dazu zitieren lässt.

690 Millionen kritischer Investments

Betroffen von der Regelung könnten demnach auch Bergbaufirmen wie Barrick Gold sein. Grosse Investoren wie der Pensionsfonds aus Neuseeland, der eine strenge Ethik-Richtlinie besitzt, hatten ihr Geld im vergangenen Jahr wegen der wiederholten Verletzung von Umwelt- und Menschenrechtsstandards bei Barrick abgezogen.

Die Anlagepolitik der SNB stand zuletzt im medialen Fokus. Gemäss letzten verfügbaren Daten besitzt die Nationalbank alleine in den USA Aktien im Wert von fast 700 Millionen Dollar in Unternehmen, die von wichtigen Staatsfonds aufgrund von ethischen Kriterien ausgeschlossen wurden.

Prozess ist skalierbar

Die SNB habe sich bereits regelmässig mit der Frage befasst, ob bestimmte Unternehmen aus dem Anlageuniversum gestrichen werden sollten. Noch nicht bekannt ist, wie die Nationalbank den ethischen Auswahlprozess organisieren wird. Ob die schwarze Liste intern oder extern mithilfe eines Gremiums erstellt werden soll, will die Nationalbank auf Nachfrage nicht sagen. International gibt es dazu verschiedene Modelle.

Sehr aufwendig ist der Prozess beim norwegischen Staatsfonds, dessen Entscheide international starke Beachtung finden. Dort kümmert sich ein Sekretariat mit einem Budget von rund zwei Millionen Franken um das Engagement und den Dialog mit Problemfirmen. Basierend auf den Vorschlägen dieses Sekretariats fällt schliesslich ein separater Ethikrat einen Entscheid zur Exklusion einzelner Firmen. Dieser Entscheid kann durch das Finanzministerium allerdings wieder blockiert werden.

Signalwirkung

Laut dem Geschäftsführer der Firma Reprisk, Philipp Aeby, könnte die SNB diesen Prozess aber auch deutlich schlanker gestalten. Die Schaffung einer externen Stelle sei nicht zwingend notwendig. «Es gibt genügend Quellen, von wo sich Listen problematischer Firmen kosteneffizient beziehen lassen.» Reprisk selbst beliefert den norwegischen Pensionsfonds mit Firmendaten, die als Entscheidungsgrundlage für die Ausschlüsse dienen. Andere Kunden, die täglich eine Liste mit gelb und rot markierten Problemfirmen beziehen würden, könnten die Ausschlüsse mit weniger Aufwand tätigen.

Philipp Aeby schätzt, dass die Publikation einer schwarzen Liste durch die SNB auch eine «starke Signalwirkung» auf Investoren sowie auf die betroffenen Firmen hätte. Die Rendite des Aktienportfolios würde dadurch aber nicht beeinflusst. Gemäss letzten Daten investiert die Nationalbank 16 Prozent ihrer Devisenreserven in Aktien. Man bilde mit diesen Investments «breite Indizes» ab. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, hält die SNB bereits jetzt keine Aktien von mittel- und grosskapitalisierten Banken. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.01.2014, 10:34 Uhr

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