Samsung und das Problem mit der Kinderarbeit

Der koreanische Konzern stoppt die Zusammenarbeit mit einem Zulieferer in China. Dieser soll Minderjährige beschäftigen.

Gilt in der Heimat als verlässlicher Partner von Familien: Der südkoreanische Konzern Samsung.

Gilt in der Heimat als verlässlicher Partner von Familien: Der südkoreanische Konzern Samsung. Bild: Keystone

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Der Smartphone-Weltmarktführer Samsung hat in seiner südkoreanischen Heimat so viel Macht, dass er imageschädigende Berichterstattung in Massenmedien weitgehend verhindern kann. Die Empörung in der Bevölkerung über Dutzende Krebstote in den Fabriken des Konzerns etwa ist in der Vergangenheit nie zum PR-Desaster geworden. Stattdessen gilt Samsung als verlässlicher Partner südkoreanischer Familien, der exzellente Löhne zahlt und in fast jedem Bereich des Lebens – von Lebensver­sicherungen bis Vergnügungsparks – irgendwie dazugehört.

In China tut sich Samsung hingegen schwer mit der Nachrichtenkontrolle. Zum wiederholten Male sieht sich das Unternehmen Vorwürfen ausgesetzt, ­einer seiner Zulieferer in der Volks­republik würde illegal Minderjährige ­beschäftigen. Am Montag reagierte ­Samsung und sistierte die Zusammen­arbeit mit dem betroffenen Partner vorläufig. Die Koreaner kündigten weitere Unter­suchungen an; man werde gemäss seiner «Null-Toleranz-Politik zur Kinder­arbeit das Geschäft mit dem Zulieferer für immer stoppen», sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen.

Die Nichtregierungsorganisation China Labor Watch mit Sitz in den USA hatte den Stein Ende letzter Woche ins Rollen gebracht und Samsung vorgeworfen, ­illegal Kinder eingestellt zu haben. Der Zeitpunkt war delikat. Immerhin hatten die Koreaner in ihrem Jahresreport erst wenige Tage zuvor erklärt, dass sie keine Hinweise auf Minderjährige bei Zu­lieferern gefunden hätten.

Nicht das erste Mal

2012 war Samsung schon einmal mit dem Begriff Kinderarbeit in Verbindung gebracht worden. Betroffen damals wie heute: eine Firma in der Provinz Guangdong. Dort mündet der Perlfluss in das Südchinesische Meer. Als «Werkbank der Welt» wurde die Region bis vor einigen Jahren immer wieder bezeichnet. Viele Manufakturen haben aber längst dichtgemacht und sind anderswo hin­gezogen in China oder Südostasien. Die Stadt Dongguan im Perlflussdelta aber bleibt ein Symbol für die Ausgliederung von arbeitsintensiver Produktion aus Weltkonzernen in die Volksrepublik. Die jugendlichen Arbeiter wurden in einer Fabrik namens Shinyang Electronics entdeckt. Dort sind etwa 600 Menschen beschäftigt. Zwar nur ein kleiner Baustein im Mekka der Wanderarbeit, doch dessen Grösse reicht aus, um eine der wertvollsten Marken der Welt zu beschmutzen.

Gemäss der «New York Times» sei es bei Shinyang Electronics üblich, dass Minderjährige als Aushilfen eingestellt werden. Die Teenager würden mithilfe gefälschter Ausweise über eine Agentur an die Firma vermittelt. Laut Gesetz dürfen Jugendlich in China ab 16 Jahren arbeiten, Samsung aber hat laut seiner eigenen Richtlinien das Mindestalter auf 18 Jahre angehoben. Dass die Jugendlichen offenbar dennoch Produkte aus dem Hause Samsung fertigen, wirft kein gutes Licht auf die Kontrollmechanismen des Weltkonzerns.

Ein Problem der Textilbranche?

Der Reflex, die Zusammenarbeit bis auf weiteres auszusetzen, ist auch das Resultat nackter Angst. Als Wiederholungs­täter droht Samsung schlimmstenfalls ein nachhaltiger Schaden. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren an die Spitze der Elektronikbranche gearbeitet, vorbei an Apple und den vielen japanischen Mitbewerbern. Umso wichtiger ist es, ein Image zu bewahren, das auch verantwortungsvollen Kunden ein gutes Gefühl gibt. Zumal es nicht die erste Tragödie in der Elektronikbranche ist. Apple und Hewlett-Packard gerieten wegen Selbstmordserien aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen beim Zulieferer Foxconn in die Schlagzeilen. Kinderarbeit indes war bislang eher in der Textilbranche ein Problem.

Für die Konzerne ist der Produktionsprozess in Billiglohnländern immer mit einem Risiko behaftet. Kinder und Jugendliche werden dort nicht per se gezwungen zu arbeiten. Oftmals wollen sie es so – weil sie es nicht anders kennen. Oder weil sie Arbeit als einzige Möglichkeit sehen, um am wachsenden Konsumverhalten der Gesellschaft teilzunehmen. Dass sie meist unterbezahlt und entgegen allen gesetzlichen Vorgaben beschäftigt sind, spielt für die Mehrheit selten eine Rolle. Mithilfe von profitgierigen Mittelsmänner werden die Jugendlichen an die Fabriken vermittelt.

Dieses Geflecht der Menschenschieberei zu durchdringen, ist für die Konzerne oftmals ein schwieriges Unterfangen. Doch Aktivisten werfen Firmen wie Apple, HP, Samsung oder Adidas vor, dass sie sich zufrieden geben mit oberflächlichen Kontrollen bei ihren Zulieferern. Wenn dort dennoch Missstände aufgedeckt werden, waschen sie ihre Hände in Unschuld und schieben die Schuld auf andere.

Erstellt: 15.07.2014, 11:08 Uhr

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