Samsung-Aktien stürzen nach Patenturteil ab

Nach der Niederlage gegen Apple hat die Aktie von Samsung an der Börse in Seoul über sieben Prozent eingebüsst. Langfristig könnte Samsung aber seine Vormachtstellung trotz Urteil sogar ausbauen.

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Nach der Verurteilung zu einer Milliardenstrafe im Patentstreit mit Apple ist die Aktie des südkoreanischen Elektronikkonzerns Samsung unter Druck geraten. Das Papier verlor heute an der Börse in Seoul bis Börsenschluss 7,45 Prozent. Ein Gericht im kalifornischen San José hatte Samsung am Freitag der Verletzung von sechs Apple-Patenten für Smartphones oder Tablet-PCs für schuldig befunden. Die Geschworenen sprachen Apple dabei 1,05 Milliarden Dollar (840 Millionen Euro) Schadenersatz zu.

Die Folgen des Urteils sind im Detail noch nicht absehbar. Als wahrscheinlich gilt, dass Samsung Rekurs einlegen wird. «Dies ist nicht das letzte Wort in diesem oder anderen Verfahren», äusserte sich der südkoreanische Elektronikriese gegenüber CNN. Es ist damit zu rechnen, dass sich die Berufungsverfahren über Jahre hinziehen.

Begrenztes Problem für Samsung

Auch die Höhe der Schadenersatzzahlung ist noch nicht sicher: Experten zufolge könnte das Gericht später die Schadensersatzsumme noch verdreifachen, weil die Geschworenen feststellten, dass Samsung vorsätzlich gehandelt hat. Unabhängig von der Höhe der Strafzahlung zugunsten von Apple wird Samsung eine solche wahrscheinlich ohne grössere Probleme bewältigen können: Der Konzern machte letztes Jahr 12 Milliarden Dollar Gewinn und verfügt über flüssige Mittel bei den Banken in der Höhe von 14 Milliarden Dollar.

Die Frage, die sich nach dem Urteil stellt, ist vielmehr, welche Auswirkungen der Patentstreit auf die Branche haben wird. Denkbar ist, dass die Konkurrenz von Apple in Zukunft beim Design ähnlicher Produkte vorsichtiger vorgehen wird. Doch genau dies könnte sich auch zugunsten der Konkurrenz auswirken. Gegenüber CNN sagte Chris Carani, ein Urheberrechtsanwalt und Spezialist für Designrecht, das Urteil könnte der Branche einen grossen Kreativitätsschub bringen. «Die Konkurrenz wird zurück zu den Skizzenbüchern gehen müssen und ihren Desigern mehr Freiheiten lassen müssen. Dies könnte den Konsumenten viel Nutzen bringen.»

Experten gehen auch davon aus, dass ein etwaiges Verkaufsverbot für gewisse Produkte ein begrenztes Problem für Samsung wäre. Die Koreaner gelten als schnelle Hersteller – sie dürften in der Lage sein, schnell angepasste Produkte auf den Markt zu bringen, sollte ein Verbot tatsächlich greifen. In früheren Fällen hatte Samsung bereits neue Versionen fertig, bevor die Gerichtsverfahren abgeschlossen waren.

Auswirkungen begrenzt

«Die Auswirkungen auf Samsung werden sehr begrenzt sein», sagt daher auch der Patentanwalt D.J. Jung von SU Intellectual Property. Die betroffenen Modelle seien meist älter und bei den neuen Varianten sei das Design schon verändert worden.

«Trotzdem, es ist eine umfassende Niederlage im wichtigsten Markt. Es ist unvermeidlich, dass Samsungs Marke in Mitleidenschaft gezogen wird», sagt Jung. Samsung werde nun als Nachahmer gesehen. Dagegen steht, dass dieser und ähnliche Prozesse Samsungs Bekanntheit deutlich erhöht haben. In einer Umfrage zu den Marken in Asien lag Samsung jüngst an erster Stelle, vor Apple.

Mauer um Handymarkt

Der Analyst CW Chung von Nomura geht sogar davon aus, dass die Koreaner ihre Stellung stärken könnten. Mit allen Berufungen werde das Verfahren wohl noch Jahre dauern, sagt er. Am Ende könnten sich Apple und Samsung gegenseitig Lizenzen gewähren, um gemeinsam eine hohe Patentmauer um ihren Teil des Smartphone-Marktes zu errichten – ein Markt mit einem Volumen von mehr als 200 Milliarden Dollar. Für die anderen Bewerber wäre dies eine Bedrohung.

Weiter: Rechnet man die Schadensersatz-Summe auf einzelne Geräte um, verlangt Apple von Samsung etwa 10 Dollar je Mobiltelefon. Sollten die Amerikaner ähnliche Klagen gegen andere Hersteller von Android-Handys anstreben, könnten deren Gewinnmargen angesichts des laufenden Preiskampfes empfindlich getroffen werden. Samsung könnte als einer der wenigen Konzerne diese Kosten auffangen – und damit seine Vormachtstellung sichern. (mw/sda)

Erstellt: 27.08.2012, 08:56 Uhr

In Südkorea hat Samsung 12 Milliarden Dollar an Wert eingebüsst. (Video: Reuters )

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