Sawiris' Luxusinsel des Todes

Der Tourismus-Unternehmer plant in Montenegro ein Resort auf der Insel Mamula. Dort steht eine Burg mit bewegter Vergangenheit.

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«Insel des Todes» wurde Mamula während des Zweiten Weltkriegs auch genannt: wegen des Konzentrationslagers, das der italienische Diktator Benito Mussolini 1942 dort einrichten liess. 1500 Nazigegner sassen auf der Insel ein, die eine Fläche von vier Fussballfeldern hat und bloss ein Gebäude hat: die im 19. Jahrhundert vom österreichischen Offizier Lazarus von Mamula erbaute Burg.

Samih Sawiris, Chef der Orascom Development Holding und hierzulande bekannter Vater des Tourismusprojekts in Andermatt, will die Folterburg in den kommenden zwei Jahren zu einer Hotel-, Spa- und Freizeitanlage umbauen. Dies gab Orascom heute bekannt. Über ein Joint Venture soll ein Mietvertrag mit Montenegro über die kommenden 49 Jahre abgeschlossen werden. Die Unterschrift des zuständigen Ministers ist bereits eingeholt, Regierung und Parlament müssen den Deal noch abnicken.

Ehemaliges Armeegelände

Mamula soll 200 Stellen schaffen und Montenegro über die kommenden 15 Jahre Einnahmen über 7,5 Millionen Euro bringen, schreibt Orascom. Die Tourismusfirma versteht Mamula als Ergänzung zum nahe gelegenen Komplex von Lustica Bay: Dort baut das Touristikunternehmen seit einigen Jahren an einem eigentlichen Tourismusdorf mit Villen und Appartements, Hotels, Restaurants, Boutiquen, eigener Marina und 18-Loch-Golfplatz.

Lustica Bay werde «für die kommenden Generationen ein Zufluchtsort für aktives Leben und gesunden Lifestyle an der Adriaküste Montenegros werden», preist die Gesellschaft das Resort an, das auf ehemaligem Armeegelände inmitten eines 680 Hektaren grossen Naturgebiets steht.

Auch das Mamula-Projekt soll eine grosse Nummer werden. 15 Millionen Euro wolle Sawiris investieren, schreibt die Zeitung «Blic». Ein Fünfsternhotel mit 23 Zimmern soll entstehen, samt historischer Ausstellung. «Wir werden ein Museum mit dem besten Restaurant und dem besten Hotel im ganzen Mittelmeer bauen», wird Sawiris zitiert, der seit 2011 auch einen montenegrinischen Pass besitzt.

Der wilde Osten ruft

Montenegro hat eine illustre Geschichte als Tourismusdestination. Filmstars wie Sophia Loren wurden zur Zeit des Sozialismus hierher gelockt, um den einstigen Fischerdörfern an der Küste den nötigen Glamour zu verleihen. Nach dem Balkankrieg wurde der Wiederaufbau mithilfe ausländischer Investoren vorangetrieben, im Fokus standen reiche Kunden aus Russland.

Heute macht der Tourismus im südöstlichen Mittelmeerland rund ein Fünftel des Bruttoinlandprodukts aus. Seine übrigen Devisen verdient das Land hauptsächlich mit dem Export von Erzen und Metallen. Als Problem gilt das grosse Ausmass der Korruption. Wer Montenegro besucht, dem fällt nebst rauen Berglandschaften und malerischen Meeresbuchten auch der halsbrecherische Fahrstil lokaler Einwohner auf: Wracks verunfallter Autos zieren manche Überlandstrasse, alle paar Meter haben Abschleppdienste ihre Telefonnummer auf Felsen gepinselt.

Gesellschaften wie Orascom geben alles, um dieses «wilde» Image von Montenegro einer zahlungskräftigen, stilbewussten Kundschaft schmackhaft zu machen. Das Lustica-Bay-Resort zieht dazu alle Register und betreibt einen Twitter-Account, postet Bilder auf Instagram und schreibt einen eigenen Blog, in dem die Region als eine Art von Adria-Monaco mit einem Touch von Wildwestromantik porträtiert wird.

Die perfekte Horrorkulisse

Ob die Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten. Die Destination leiste bereits einen positiven Ergebnisbeitrag im Segment der Immobilienverkäufe, heisst es im letzten Geschäftsbericht von Orascom. Auf der Mamula-Insel hatte sich vor zwölf Jahren allerdings bereits einmal eine Gesellschaft mit einem Luxushotel mit Casino, Heliport und Swimmingpool versucht und war dabei in der Projektphase gescheitert.

Für zusätzliche Bekanntheit könnte ein Film sorgen, der 2014 auf der Insel gedreht wurde. Der Streifen handelt von einer Nymphe, die von amerikanischen Touristen aus der Gefängnisburg befreit wird und sich später als blutrünstiges Monster entpuppt. «Halb garer Horror» sei das, meinte ein Kritiker. Samih Sawiris wird kaum zulassen, dass sein neues Prestigeprojekt ähnliche Beurteilungen erhält. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.02.2015, 13:19 Uhr

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