Interview

Sawiris meldet Verkaufserfolg

Samih Sawiris hat in Andermatt 73 Appartements für 122,7 Millionen Franken verkauft. Geschäftsleiter Gerhard Niesslein über den Einstieg des Investors Acuro. Das Interview.

Bisher wurden 300 Millionen investiert: Eingepackter Rohbau des Hotel- und Appartementkomplexes The Chedi in Andermatt.

Bisher wurden 300 Millionen investiert: Eingepackter Rohbau des Hotel- und Appartementkomplexes The Chedi in Andermatt. Bild: PD

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Es ist Ihnen gelungen, 73 Appartements des Hotels Chedi für 122,7 Millionen Franken an einen Schweizer Investor zu verkaufen. Rund 60 Millionen sollen umgehend in die Kassen von Andermatt Swiss Alps fliessen, der Rest in Raten parallel zum Baufortschritt. Was bedeutet diese Finanzspritze für das Tourismusprojekt in Andermatt?
Das bedeutet, dass wir die benötigten zusätzlichen Mittel zur Verfügung haben, um die nächsten Bauphasen in Angriff zu nehmen, also die geplanten Mehrfamilienhäuser auf dem Podium, Infrastrukturmassnahmen und anstehende Investitionen ins Skigebiet Andermatt-Sedrun.

Sie bezeichnen den Verkauf der Appartements als «wichtigen Meilenstein» – warum?
Wir haben in Andermatt bisher 300 Millionen Franken investiert. Derzeit ist die Refinanzierung für solche Tourismusprojekte über Geschäftsbanken praktisch unmöglich. Wir haben einen innovativen Weg gefunden, um an die benötigten Geldmittel heranzukommen.

122,7 Millionen Franken für 73 Appartements, das sind 1,7 Millionen pro Wohneinheit. Gemessen an den bisherigen Verlautbarungen ist das ein sehr tiefer Preis. Muss man von einem Notverkauf zwecks Finanzbeschaffung reden?
Von einem Notverkauf kann keine Rede sein. Die 122,7 Millionen Franken sind ja nur der Basispreis. Wir haben vereinbart, dass wir vom Investor noch eine ordentliche Erfolgsbeteilung bekommen. Abgerechnet wird erst am Ende, wenn die Wohneinheiten ihren definitiven Besitzer gefunden haben.

Wie hoch ist diese Erfolgsbeteiligung?
Dahinter steckt ein komplexes Berechnungsmodell. Das wollen wir nicht kommentieren.

Als Käuferin tritt die erst im Juli gegründete Acuro Immobilien AG mit Sitz in Altdorf auf. Dahinter steht die Swiss Finance & Property AG von Hans-Peter Bauer, einem eher kleinen Player im Schweizer Immobilienmarkt. Wer hat Ihnen diesen Investor vermittelt?
Hans-Peter Bauer war einer der ersten Investoren in Andermatt; er hat sich dort auch persönlich engagiert und ist von unserem Projekt überzeugt. So sind wir zusammengekommen.

Auch Samih Sawiris und seine Familie haben sich als wichtige Minderheitsaktionäre finanziell an der Acuro Immobilien AG beteiligt. Warum tut Sawiris das?
Ich nehme an, weil er glaubt, dass das ein gutes Geschäft wird.

Man wird den Eindruck nicht los, dass es sich um eine weitere verdeckte private Finanzspritze Ihres Mehrheitsaktionärs handelt.
Samih Sawiris liebt Immobilien, er liebt Andermatt, wahrscheinlich hat er sich deshalb entschlossen, sich an diesem Investmentfonds zu beteiligen.

Mit Ausnahme der Appartements bleibt das Hotel Chedi im Besitz der Orascom Development Holding. Welche Aufgaben übernimmt die Orascom künftig, welche die Acuro?
Die Acuro wird die Appartements innerhalb der nächsten sieben Jahre verkaufen. Sie gibt die 73 Einheiten in einen Mieterpool. Das bedeutet, dass das Hotelmanagement Gäste nicht nur in den 50 Zimmern, sondern auch in diesen Appartements unterbringen kann – soweit die Eigentümer, die an den Einnahmen beteiligt werden, damit einverstanden sind.

Das bedeutet, dass die Betten der Appartements im Luxushotel The Chedi zur Hauptsache «warm» sein werden?
Ganz genau.

Aus welchen Ländern sollen denn nun die Endabnehmer kommen?
Wir gehen von einem weltweiten Interesse aus. Wer Wohneigentum in Andermatt kauft, kann mit einer Rendite von 2 bis 3 Prozent rechnen, ist im stabilen Schweizer Franken investiert und kann erst noch Ferien in den Schweizer Bergen verbringen.

Verkaufte Appartements und Wohnungen bedeuten noch nicht, dass tatsächlich ausreichend Gäste nach Andermatt kommen. Was unternehmen Sie in nächster Zeit, um das verstaubte Image des Bergdorfs zu verbessern und das Interesse anzukurbeln?
Wir haben nun die finanziellen Mittel, um planmässig weiterzubauen. Zudem haben wir mit Skistar einen professionellen Operator an Bord, der in Schweden bis zu fünf Millionen Gäste pro Jahr betreut; von diesem Know-how werden wir profitieren. Dazu arbeiten wir an der touristischen Positionierung von Andermatt – unsere Vision werden wir in Kürze kommunizieren. Die Kombination dieser Faktoren wird aus Andermatt einen sehr attraktiven Ort machen.

Bleibt Andermatt trotz Finanzspritze ein Risikoprojekt?
Mit dem Verkauf der Appartments im Hotel The Chedi sind wir aus dem Risiko völlig heraus. Nach diesem Verkauf können wir jetzt zu dem eigentlichen Orascom-Konzept übergehen: Sobald wir ein Mehrfamilienhaus verkauft haben, bauen wir es.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.09.2012, 07:31 Uhr

Gerhard Niesslein: Der 58-Jährige ist seit November 2011 Konzernchef der Orascom Development Holding, die das Tourismusprojekt in Andermatt plant.

Zwei wie David und Goliath

Wer steht hinter den neuen Investoren in Andermatt?

Samih Sawiris’ Orascom Development Holding hat gemäss einer Medienmitteilung vom Sonntagabend 73 Appartements des Hotels The Chedi in Andermatt an die Acuro Immobilien AG mit Sitz in Andermatt verkauft.

Die Acuro ist ein Investmentvehikel. Dahinter stehen die Zürcher Swiss Finance & Property AG und die Orox Asset Management SA in Genf.

Geschäftsleiter und VR-Präsident der Swiss Finance & Property ist Hans-Peter Bauer (59). Er hat an der ETH Zürich Mathematik und an der Uni Basel Wirtschaftswissenschaften studiert. Bis 1998 arbeitete er bei der UBS, zuletzt als Global Head der Division Fixed-Income and Foreign Exchange in London. 2001 gründete er die Swiss Finance & Property AG mit heute 30 Mitarbeitenden und Büros in Zürich und Zug. Die Firma ist auf alternative Anlagen im Bereich Immobilien und Hedgefonds spezialisiert. Sie verwaltet nach eigenen Angaben rund 2 Milliarden Franken Kundenvermögen.

Die Swiss Finance & Property AG ist auch der Asset Manager der seit April an der Schweizer Börse SIX kotierten Swiss Finance & Property Investment AG. Ihr Immobilien-Portefeuille umfasst rund 40 Objekte im Wert von rund 300 Millionen Franken. Die Firma ist also ein kleiner Player im Markt – Swiss Prime Site hat ein Portefeuille von 8,3 Milliarden Franken, PSP Swiss Property eines von 6 Milliarden und Mobimo eines von 2,3 Milliarden Franken. Bislang hat sich Bauer auf Zürich, Bern und Basel konzentriert. Seine Strategie besteht laut Eigenwerbung darin, in Objekte zu investieren, die «nicht realisiertes Wertpotenzial aufweisen, das durch aktives Management ausgeschöpft werden kann». Bauer war gestern telefonisch nicht erreichbar.

Die Orox Asset Management SA in Genf investiert in Immobilien in der ganzen Schweiz. Sie ist Teil der Orox Capital Investment, einem Fonds unter luxemburgischem Recht. Zu den Führungspersonen gehören der schweizerisch-französische Doppelbürger Charles Spierer, einst Lehrbeauftragter an der Uni Genf, und Pierre Jacquot, der im Verwaltungsrat der Acuro Einsitz genommen hat.

Fonds-Berater von Orox Capital sind die Genfer Privatbank Edmond de Rothschild und CB Richard Ellis – PI Performance, nach eigenem Bekunden eine der führenden Immobilien-Consultingfirmen der Schweiz. Dahinter steht die CB Richard Ellis Group mit Hauptsitz in Los Angeles, Kalifornien. Sie gehört zu den Top 500 der «Fortune»- und S&P-500-Unternehmen. Bezogen auf den Umsatz ist sie eines der weltweit grössten Dienstleistungsunternehmen auf dem gewerblichen Immobiliensektor. Die Ellis-Gruppe beschäftigt in weltweit 300 Büros rund 34'000 Mitarbeiter. (René Staubli)

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