Schattenbanken blähen sich wieder auf

Von Krise keine Spur: Laut Schweizer Experten pumpen undurchsichtige Finanzkonstrukte heute sogar mehr Geld ins Wirtschaftssystem als noch vor fünf Jahren. Sie fordern darum eine bessere Regulierung.

Beinahe-Pleite wegen Wertpapierleihe: Logo des US-Versicherungsriesen AIG am Sitz in Manhattan. (Archivbild)

Beinahe-Pleite wegen Wertpapierleihe: Logo des US-Versicherungsriesen AIG am Sitz in Manhattan. (Archivbild)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Schattenbanken sind nach Erkenntnissen der Banken-Regulierer grösser als vor der Finanzkrise. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) der G20-Staaten bezifferte das Volumen der Nicht-Banken, die den weltweiten Geldkreislauf mit Kredit und Liquidität anheizen, zum Ende des vergangenen Jahres auf 67 Billionen Dollar.

Zum Start der Krise 2007, für die die Schattenbanken mit verantwortlich gemacht wurden, waren es erst 62 Billionen Dollar, vor zehn Jahren 26 Billionen. Damit sorgen die zum grossen Teil unregulierten Institutionen für fast ein Viertel der Vermögenswerte im gesamten Finanzsystem.

Hohe Dunkelziffer

Die Banken selbst stellen knapp die Hälfte, der Rest kommt von Versicherern und Pensionsfonds, Staatsbanken und Zentralbanken. Dabei sei die Dunkelziffer bei den Schattenbanken noch gross, räumte der FSB ein.

So seien viele Hedge-Fonds in Steuer- und Finanzparadiesen zuhause, wo den Aufsehern genaue Daten fehlen. Das Gremium, das bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel angesiedelt ist, will im Zuge der weltweiten Regulierungsbemühungen auch die Kontrolle über die Schattenbanken verstärken.

Am Sonntag stellte der FSB dazu ein Massnahmenpaket zur Diskussion, das bis September 2013 von den G20-Staaten umgesetzt werden soll. Bisher waren viele der Schattenbanken – und die damit verbundenen Risiken – unter dem Radarschirm der Aufseher geblieben.

Geldmarktfonds als besonderes Ärgernis

Schattenbanken seien an sich nichts Schlechtes, betonten die Aufseher. Doch könnten sie eine Finanzkrise beschleunigen oder sogar selbst auslösen, wenn sie für eine steigende Verschuldung der Banken sorgen, vor allem aber wenn sie langfristige Kredite zu kurzfristig refinanzieren. In einer Krise ziehen sie sich oft schnell zurück und hinterlassen Chaos im Finanzsektor.

Ein Dorn im Auge sind den Aufsehern vor allem Geldmarktfonds, die in der Euro-Schuldenkrise für Verwerfungen gesorgt hatten, weil sie den europäischen Banken Dollar-Liquidität entzogen hatten. Sie seien am verwundbarsten, weil ihre eigenen Geldgeber in schlechten Zeiten häufig blitzschnell die Liquidität abzögen.

Aber auch die Wertpapierleihe, die Wiederverbriefung von Verbindlichkeiten oder Repo-Geschäfte sollen besser überwacht werden. Die Pleite von Lehman Brothers und die Beinahe-Pleite des US-Versicherungsriesen AIG in der Finanzkrise hatten vor allem deswegen einen Flächenbrand ausgelöst, weil beide in der Wertpapierleihe stark vertreten waren.

USA mit grösstem Schattenbanken-Sektor

Den grössten Schattenbanken-Sektor haben nach den FSB-Daten die USA: Er ist dort allein 23 Billionen Dollar gross und macht 35 Prozent des gesamten Finanzsektors aus. Die gesamte Euro-Zone kommt auf 22 Billionen Dollar.

Allerdings ist der Anteil der USA von 2005 bis 2011 auf 35 von 44 Prozent gesunken – vor allem zugunsten von Grossbritannien. In internationalen Finanzzentren wie Hongkong, Grossbritannien, Singapur und der Schweiz erreicht das Volumen der Schattenbanken ein Vielfaches des Bruttoinlandprodukts (BIP). (fko/sda)

Erstellt: 18.11.2012, 22:25 Uhr

Artikel zum Thema

Axel Weber und die Angst vor einem Schattenbanken-System

Der UBS-Präsident befürchtet, dass der Umbau bei den Investmentbanken die Risiken in nichtregulierte Finanzsektoren verlagert. Mehr...

Bankenverband warnt vor pauschaler Regulierung von Schattenbanken

Banken London Der Internationale Bankenverband IIF hat vor pauschalen Regeln bei der geplanten Regulierung sogenannter Schattenbanken gewarnt. Mehr...

Credit Suisse und die Schattenbanken

Die Schweizer Grossbank soll sich an undurchsichtigen Finanzkonstrukten beteiligen. In den Augen der internationalen Finanzmarktregulatoren sind das fragwürdige Geschäfte mit grossem Risikopotenzial. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Die Kunst des Überlebens: In der Royal Academy of Arts in London schwimmen 50 Ohrenquallen als Teil einer Kunstinstallation in ihrem Aquarium. Die Meerestiere sind einige der wenigen, die vom Klimawandel profitieren. (20. November 2019)
(Bild: Hollie Adams/Getty Images) Mehr...