Schmidheiny droht schon der nächste Prozess

Erst zwei Wochen ist der Schuldspruch im Eternit-Prozess gegen den Schweizer Industriellen Stephan Schmidheiny alt. Nun will die italienische Staatsanwaltschaft auch Asbest-Fälle in der Schweiz aufrollen.

Zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt: Stephan Schmidheiny im März 1997 in Zürich.

Zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt: Stephan Schmidheiny im März 1997 in Zürich. Bild: Keystone

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Zwei Wochen nach dem Schuldspruch im Eternit-Prozess gegen den Schweizer Industriellen Stephan Schmidheiny will die italienische Staatsanwaltschaft auch Asbest-Fälle in der Schweiz aufrollen. Schmidheiny droht damit eine weitere Anklage.

«Uns interessieren vor allem die Fälle von italienischen Arbeitern, die im Ausland in Asbest-Fabriken gearbeitet haben und dann später nach ihrer Rückkehr nach Italien an den Folgen von Asbest erkrankten und starben», sagte Staatsanwalt Raffaele Guariniello am Sonntag gegenüber der Tagesschau des Schweizer Fernsehens.

Krebserregende Fasern

Bislang hatten die Nachkommen dieser Opfer wegen Verjährung keine Chance auf ein Gerichtsverfahren. Die Betroffenen in der Schweiz hatten die krebserregenden Fasern in zwei ehemaligen Eternit- Fabriken in Niederurnen und Payerne verarbeitet.

Stephan Schmidheiny war Mitte Februar in erster Instanz von einem Strafgericht in Turin zu 16 Jahren Gefängnis und Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe verurteilt worden. Der ehemalige Mitbesitzer der Eternit S.p.A. (Genua) wurde für schuldig befunden, absichtlich eine Umweltkatastrophe verursacht und Sicherheitsmassnahmen in den italienischen Eternit-Fabriken absichtlich unterlassen zu haben.

Bruder verteidigt Schmidheiny

Schmidheinys Bruder, der Industrielle Thomas Schmidheiny, zeigte sich in einem Interview irritiert über das Vorgehen der italienischen Justiz und verteidigte seinen Bruder. «Das einzige, was ich als Aussenstehender und als Bruder sagen kann, ist, dass ich es absolut nicht nachvollziehen kann, dass am Prozess in Turin alles auf ihn fokussiert ist», sagte Thomas Schmidheiny in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» (Montagsausgabe). «Er wollte ja weg von der schädlichen Asbestfaser und hat früh auf Innovationen gesetzt.»

«Mitleid» mit den Asbest-Opfern

«Es ist eine Absurdität der Geschichte, dass derjenige, der den Ausstieg aus den Asbestfasern vollzogen hat, nun verurteilt wurde», fügte er an. Zugleich betonte Thomas Schmidheiny, dass er «Mitleid» mit den Asbest-Opfern habe.

Stephan Schmidheiny hatte 1976 die Leitung der Schweizerischen Eternit-Gruppe übernommen; 1989 verkaufte er die beiden Werke in Niederurnen und Payerne seinem Bruder. Die Eternit S.p.A. (Genua) war bereits 1986 Konkurs gegangen. Thomas Schmidheiny ist grösster Aktionär und Verwaltungsrat des Zementherstellers Holcim. Bis 2001 war er Konzernchef und bis 2003 Präsident des Verwaltungsrats. (bru/sda)

Erstellt: 05.03.2012, 13:17 Uhr

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