Hintergrund

«Schon möglich, dass es die UBS auch alleine geschafft hätte»

Sechs Milliarden Dollar Gewinn brachten der SNB laut «Bilanz» die UBS-Schrottpapiere bisher ein. Wurde das Risiko damals überschätzt? Eine Bilanz zur UBS-Rettung mit Bankenprofessor Manuel Ammann.

Die Rettung dieser Bank entwickelte sich für die SNB zum Goldesel: UBS-Sitz am Paradeplatz. (Archivbild)

Die Rettung dieser Bank entwickelte sich für die SNB zum Goldesel: UBS-Sitz am Paradeplatz. (Archivbild)

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Herr Ammann, die SNB machte über sechs Milliarden Dollar Gewinn mit den UBS-Schrottpapieren. War die Kritik der Öffentlichkeit an der Rettung der Grossbank also am Ende unangebracht?
Überhaupt nicht. Ordnungspolitisch bleibt die Rettung ein Sündenfall. Staatliche Rettungsaktionen für Banken setzen falsche Anreize. Es darf nicht sein, dass die Aktionäre im Erfolgsfall durch Kurssteigerungen und üppige Dividenden belohnt, bei Misserfolg aber durch den Staat gerettet werden.

Wäre es im Nachhinein gesehen gar nicht nötig gewesen, dass der Staat bei der UBS eingreift?
Schon möglich, dass es die UBS auch alleine geschafft hätte. Bund und Nationalbank wollten es aber nicht darauf ankommen lassen. Hätte man erst unmittelbar vor dem Bankrott eingegriffen, dann wäre die Rettung viel aufwendiger geworden. Angesichts der damaligen Höhe der Bilanzsumme der UBS wäre die Schweiz vielleicht sogar überfordert gewesen.

Wie muss man denn im Nachhinein das Risiko beurteilen, welches die SNB für diese sechs Milliarden Dollar Gewinn eingegangen ist?
Das Risiko war beträchtlich. Der Preis der übernommenen Wertpapiere hätte weiter fallen können. Dass die Rettung für Bund und Nationalbank positiv herauskam, ist erfreulich, darf über die grundsätzliche Problematik der Rettungsaktion aber nicht hinwegtäuschen, denn es hätte auch anders kommen können.

Hatte die Schweiz einfach Glück mit ihrer Rettungsaktion?
Technisch wurde die Rettungsaktion gut konzipiert und durchgeführt. Das Glück daran war, dass sich die Finanzmärkte wieder aufgerappelt haben und die Preise für die Wertpapiere seither stark angestiegen sind.

Auch die USA haben mit den Rettungsaktionen für Banken und Autoindustrie Gewinne gemacht. Sind Rettungsaktionen für den Staat, wenn er denn genug lange wartet, immer ein sicherer Gewinn?
Ganz sicher nicht. Natürlich sind in einer Krise die Risikoprämien am höchsten. Wenn es gut herauskommt, kann eine solche Rettung deshalb sehr profitabel sein. Wenn nicht, können aber grosse Verluste entstehen, welche letztlich vom Steuerzahler zu berappen sind. Beispiele dafür gibt es genug. Irland ist an der Rettung seiner Banken fast zugrunde gegangen.

Die Schweiz hat mit ihrer UBS-Rettung Milliarden gewonnen. Was lief dennoch schlecht?
Besonders störend an der Rettungsaktion war, dass die Aktionäre mitgerettet wurden. Aktionäre eines gescheiterten Unternehmens – und wenn staatliche Rettungsaktionen notwendig werden, ist das Unternehmen gescheitert – sollten ihre Investition verlieren. Werden auch sie gerettet, setzt man Fehlanreize. Die Aktionäre werden nämlich grössere Risiken eingehen, wenn sie darauf hoffen können, gerettet zu werden.

Was lässt sich aus dem UBS-Fall für künftige Rettungsaktionen durch den Staat lernen?
Die wichtigste Lehre daran ist, dass man es nicht so weit kommen lassen sollte. Banken, welche man im Ernstfall nicht pleitegehen lassen kann, sollten über so viele eigene Mittel verfügen, dass die Bankrottgefahr minimiert ist. Und wenn es doch nicht reicht, müssen die Gläubiger einen Teil ihrer Forderungen in Aktienkapital umwandeln, und zwar auf Kosten der bisherigen Aktionäre, deren Kapital verwässert wird. Die Schweiz hat seit der Krise ihr Bankenrecht in diese Richtung geändert. Das ist vielversprechend.

Sollte die SNB den Gewinn aus dem UBS-Engagement speziell einsetzen müssen? Zum Beispiel in einen Bankenrettungsfonds?
Dafür sehe ich keinen Grund. Die Nationalbank – also indirekt die Schweizer Bevölkerung – hat das Risiko getragen. Ihr soll deshalb auch der Gewinn zustehen.

Was glauben Sie: Würden Bundesrat, SNB und Finma heute nochmals gleich reagieren?
Ich hoffe nicht, dass sie nochmals in diese Situation kommen. Und falls doch, dass die neuen Instrumente zur Gläubigerbeteiligung zur Anwendung kommen würden statt staatliche Hilfe.

Erstellt: 22.04.2013, 11:54 Uhr

«Das Risiko war beträchtlich»: Bankenprofessor Manuel Ammann von der Uni St. Gallen. (Bild: zvg)

«Bilanz» schaut zurück und rechnet nach

Unter dem Titel «Operation Stabfund» schaut die neuste «Bilanz» auf die Rettung der Grossbank UBS im Herbst 2008 zurück. «Die Aktion der Nationalbank zur Rettung der UBS funktionierte wie ein präzises Uhrwerk und bleibt damit weltweit einzigartig», so das Wirtschaftsmagazin. Eine vorläufige Bilanz zeige bereits jetzt, dass die gesamte Rettungsaktion der öffentlichen Hand bisher mehr als sechs Milliarden Dollar Gewinn eingebracht habe. «Das war das beste Geschäft, das die Nationalbank je gemacht hat», zitiert die «Bilanz» Ex-UBS-Chef Oswald Grübel dazu.

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