Schweiz blockierte in der Fifa-Affäre über 50 Millionen

Die USA verlangten Informationen zu 50 Konten bei 10 Banken – und baten um Geldsperren.

Auch Schweizer Banken gerieten in den Dunstkreis der Korruptionsaffäre: Fifa-Hauptsitz in Zürich. Foto: AFP

Auch Schweizer Banken gerieten in den Dunstkreis der Korruptionsaffäre: Fifa-Hauptsitz in Zürich. Foto: AFP

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Wenn amerikanische Ermittler in Bern wegen Schweizer Konten anklopfen, interessieren sie sich normalerweise für eine Bankverbindung, vielleicht auch mal für zwei oder fünf. Darum ist den Beamten im Bundesamt für Justiz (BJ) sofort klar, dass etwas auf sie zukommt, als die USA am 6. März 2015 ein Rechtshilfeersuchen stellen und detaillierte ­Informationen zu rund 50 Schweizer Konten verlangen.

Die Öffentlichkeit weiss zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die Amerikaner eine breite Attacke gegen Korruption im Fussball gestartet haben. Heute sind 41Funktionäre und Sportvermarkter formell angeschuldigt. 9 von ihnen wurden während Fifa-Zusammenkünften im Grossraum Zürich verhaftet, ebenfalls auf Antrag aus den USA.

Der Schweizer Finanzplatz spielt in der Korruptionsaffäre eine wichtige Rolle als Gelddrehscheibe. Eine Reihe von Funktionären hatten oder haben Konten in der Schweiz. Die prominentesten Namen sind Ricardo Teixeira, ehemaliger Präsident des brasilianischen Verbands, und Nicolás Leoz, langjähriger Chef der südamerikanischen Föderation Conmebol. Leoz allein soll gemäss dem US-Rechtshilfegesuch, welches die SRF-Sendung «Eco» publik gemacht hat, zwölf Bankverbindungen in der Schweiz haben. Aber auch mehrere Sportmarketingfirmen, die in Schmiergeld-Deals involviert sind, wickeln ihre Zahlungen über Zürich ab.

Gibt es die Konten wirklich?

«Der Fifa-Fall gehört allein schon aufgrund seiner Dimension zu unseren grössten Rechtshilfefällen», sagt Folco Galli, Sprecher des BJ. Die Affäre ist derart umfangreich, dass die USA ihre Anfrage dreimal erweitern mussten. Dabei forderten sie die Schweiz auch auf, Konten zu sperren. Laut Galli ist heute ein «hoher zweistelliger Millionenbetrag» eingefroren. Es dürfte sich demnach um eine Summe zwischen 50 und 100 Millionen Franken handeln.

Das BJ hat nach eigenen Angaben zehn Schweizer Geldhäuser kontaktiert und Informationen angefordert. Im US-Rechtshilfeersuchen ausdrücklich genannt sind die Grossbanken UBS und Credit Suisse, aber auch Privatbanken wie Julius Bär, BSI oder Pictet.

Nun prüft der Bund, ob es die 50 Konten, welche die USA interessieren, tatsächlich gibt oder gab und ob eine Verbindung zu den erhobenen US-Vorwürfen besteht. Falls ja, erlässt das BJ pro Kunde und Bank eine Verfügung, um die Rechtshilfe zu gewähren. Das ist bislang fünfmal geschehen, weitere Verfügungen werden folgen. Rechtskräftig sind diese Entscheide aber noch nicht: Es laufen Beschwerdefristen, während derer die Betroffenen ans Bundesstraf­gericht gelangen können.

Nicht mit Fall UBS vergleichbar

Es kann deshalb noch Jahre dauern, bis alle Informationen nach Washington geflossen sind. Die angelsächsische Presse spekuliert, dass den USA alles zu lange dauert. Es stehe die Idee im Raum, inspiriert vom Fall UBS ein Abkommen mit der Schweiz zu schliessen, um schneller an das Material zu kommen, schreibt die «Financial Times». «Dafür haben wir bis heute keine Anzeichen», sagt Galli. Die Fälle UBS und Fifa seien ohnehin nicht vergleichbar. Anders als in den Anfängen des UBS-Steuerstreits gibt es bei der Rechtshilfe einen Staatsvertrag, der eine Zusammenarbeit zwischen Schweiz und USA vorsieht.

Die US-Ermittler sind nicht die einzigen, die im Fall Fifa die Schweiz um Hilfe bitten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt, die sich um Vorwürfe rund um die WM 2006 in Deutschland kümmert, hat ebenfalls eine Anfrage geschickt. Die Ermittler untersuchen eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die möglicherweise aus einer schwarzen Kasse im Umfeld des DFB gespeist wurde. Das Geld kam vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus. Die Frage ist nun: Wo genau floss dieses Geld durch, was passierte damit, und wer wusste davon?

Die deutschen Fahnder ermitteln wegen Steuerhinterziehung, weil die 6,7 Millionen am Ende beim DFB als Betriebs-aufwand verbucht wurden. Die Bundesanwaltschaft trägt nun Material zusammen. Die Spur? Der 2009 verstorbene Louis-Dreyfus hatte Schweizer Wohnsitz – und ein Schweizer Bankkonto.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.12.2015, 23:22 Uhr

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