Schweizer Finanzgesellschaft im Visier der Behörden

Die Eurofin Group mit Sitz in Lausanne half, umstrittene Produkte zu strukturieren.

Eine Filiale der Banco Espírito Santo am Montag in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon.<br />Foto: Hugo Correia (Reuters)

Eine Filiale der Banco Espírito Santo am Montag in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon.
Foto: Hugo Correia (Reuters)

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Im Finanzchaos rund um Espírito Santo führen weitere Spuren in die Schweiz. Nach der notfallmässig verkauften ­Banque Privée Espírito Santo steht mit der Eurofin Group ein zweites Finanzunternehmen im Fokus. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, verdächtigen portugiesische Behörden die Firma, die Espírito Santo bei der Ausgabe umstrittener Schuldscheine unterstützt zu haben.

Konkret geht es um Anleihen der Espírito Santo International, also der inzwischen insolventen Mutterholding des Konglomerats. Diese sollen von Eurofin zu Finanzprodukten verpackt worden und schliesslich in den Depots von Kunden der Banco Espírito Santo gelandet sein. Laut der portugiesischen Zentralbank erlitt auch die nun zu restrukturierende Bank selbst wegen der Geschäfte einen Verlust über 1,25 Milliarden Euro.

Eurofin gibt gegenüber dem «Wall Street Journal» an, sich bei der mehrjährigen Tätigkeit für die Banco Espírito Santo stets an die Gesetze und Regulierungen gehalten zu haben. Gleichzeitig kündigt die Gesellschaft mit Filialen in Lausanne, London, Luxemburg und Porto eine Überprüfung der Geschäftsbeziehungen mit Espírito Santo an.

Diverse Verflechtungen

Zwischen den beiden Gruppen existieren diverse Verflechtungen. Eine Schlüsselfigur im Finanzskandal scheint Francisco Machado da Cruz zu sein. Bis zu seinem Rücktritt vor knapp sechs Wochen sass der 55-jährige Portugiese im Verwaltungsrat von Eurofin. Gleichzeitig amtete Cruz als Buchprüfer für Espírito Santo International: 2011 und 2012 setzte er seine persönliche Unterschrift unter den Geschäftsbericht der Gruppe. Wie sich später herausstellte, enthielten diese Berichte zahlreiche Unregelmässigkeiten. Cruz hatte auch Verwaltungsratsmandate bei Rioforte, der Tochterholding von Espírito Santo International, sowie bei der Angolanischen Bankentochter der Banco Espírito Santo inne. Dieser haben Problemkredite in Angola grosse Verluste beschert.

Eine weitere Verbindung läuft über den neuen Finanzchef der Banco Espírito Santo, João Moreira Rato, der vormals beim Hedgefonds Nau Capital arbeitete. Ratos dortiger Geschäftspartner, João Poppe, ist der Neffe des vormaligen Espírito-Santo-Chefs Ricardo Espírito Santo Salgado, gegen den Geldwäscherei-Vorwürfe erhoben werden. Poppe ist auch Partner bei Eurofin, seit die Firma Nau Capital im Jahr 2012 übernommen hatte. Poppe soll bei Eurofin nichts mit dem Espírito-Santo-Dossier zu tun gehabt haben, heisst es.

Gemäss Handelsregister beschäftigt Eurofin 266 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz zwischen 100 und 500 Millionen Franken. Über die Tochter Eurofin Ventures führt die Firma auch zwei an der Lausanner EPFL beheimatete Wagniskapitalfonds. Zudem berät Eurofin Firmen aus Hotellerie und Gesundheitssektor sowie Fussballclubs aus England. In der Westschweizer Presse treten Eurofin-Angestellte als Experten für Alternative Investments auf.Gestern Montag war Eurofin nicht für eine Stellungnahme gegenüber dem TA verfügbar. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.08.2014, 07:22 Uhr

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