Schweizer Firma setzt auf die Tee-Revolution bei Starbucks

Tee soll Starbucks den nächsten Kick bringen. Wenn die Rechnung aufgeht, profitiert auch der Schweizer Industrielle Michael Pieper mit seiner Franke-Gruppe.

Mit seinen Teavana-Filialen will Starbucks um Tee denselben Hype auslösen wie zuvor mit Kaffee. Foto: Mati Milstein (Bloomberg)

Mit seinen Teavana-Filialen will Starbucks um Tee denselben Hype auslösen wie zuvor mit Kaffee. Foto: Mati Milstein (Bloomberg)

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Michael Pieper hofft, dass Starbucks noch einmal ein grosser Wurf gelingt. Der Schweizer Industrielle und Investor ist mit seinem Küchenbauer Franke am Erfolg einer neuartigen Vakuum-Teemaschine beteiligt, mit der die amerikanische Kaffeekette die Welt der Teetrinker revolutionieren will. Der «Craft Brewer» soll mittels spezieller Technik innert 90 Sekunden den perfekten Tee zubereiten. Reverse Atmospheric Infusion nennt sich das Verfahren, das die Firma Bkon patentiert hat. Es soll für Starbucks den Weg ebnen, um mit Tee denselben Hype auszulösen, wie das bereits beim Kaffee gelang.

In welche Richtung das US-Kaffeehausimperium mit dem Tee aufbrechen will, zeichnete sich bereits vor zwei Jahren ab, als Starbucks für 620 Millionen Dollar Teavana übernahm. Das Unternehmen betreibt in den USA, Kanada und Mexiko bereits über 300 Läden und bot dort bisher vor allem offenen Tee und Utensilien wie Kannen und Gläser an. Neu sollen die Geschäfte in die Gastronomie einsteigen. Vergangenen Oktober eröffnete Starbucks die erste Teavana-Filiale neuer Prägung in New York. Damals machte Starbucks-Boss Howard Schultz klar, welches Potenzial er im Teegeschäft sieht. Er sprach von einem 90-Milliarden-Dollar-Markt. Tee sei nach Wasser das beliebteste Getränk der Welt.

Teavana kann beim Tee auf über 100 verschiedene Geschmacksrichtungen zurückgreifen. In den neuen Bars steht jeweils nur ein kleiner Teil auf dem Menü. Die teuersten Varianten werden nicht mit der Bkon-Maschine gebrüht. Ähnlich wie in den Starbucks-Filialen werden auch verschiedene Snacks angeboten. Von süss bis salzig sollen sie geschmacklich auf die Tees abgestimmt sein.

Über die nächsten Monate sollen Schritt für Schritt weitere Teavana-Filialen in dieser neuen Machart eröffnet werden. Bis jetzt ist von 1000 Filialen die Rede. Ziel ist es, den «globalen Fussabdruck» zu vergrössern.

Und hier liegt das Potenzial für Michael Piepers Franke-Gruppe. Diese ist exklusive Partnerin von Bkon. Franke hat die Maschinen mitentwickelt, wird sie produzieren, einbauen und warten. Kostenpunkt pro Maschine: 13 000 Franken. Das Umsatzpotenzial über die ganze Lebensdauer beträgt aber ein Mehrfaches.

«Der richtige Partner»

Starbucks ist nicht das erste Unternehmen, welches sein Erfolgssystem von Kaffee auf Tee übertragen will. So versucht Nestlé, den Erfolg von Nespresso mit Special-T zu wiederholen. Der durchschlagende Erfolg blieb bislang aus. Remo Rosenau, Chefanalyst der Neuen Helvetischen Bank, ist dennoch zuversichtlich für die Franke-Gruppe: «Das Geschäft mit Kaffeemaschinen war für Franke über die letzten schwierigen Jahre ein Kassenschlager. Starbucks ist sicher der richtige Partner für den Versuch, dasselbe mit Tee zu wiederholen.»

Mit Kaffeemaschinen konnte Franke letztes Jahr ein Umsatzwachstum von über 7 Prozent erzielen. Der Bereich trug 158,3 Millionen Franken zum Gesamtumsatz von 2,1 Milliarden bei. Insgesamt weist Piepers Beteiligungsfirma Artemis, zu der Franke gehört, einen Umsatz von 2,6 Milliarden aus, ein Plus von 4,6 Prozent. Im Moment steht der 68-jährige Milliardär noch allein an der Spitze. Aber die Nachfolgeregelung kommt voran: An der Generalversammlung Mitte Mai ist seine Tochter Nina (32) in den Verwaltungsrat von Artemis gewählt worden. Sein Sohn Alexander (30) arbeitet bereits im Unternehmen. Er soll in rund 10 Jahren die Leitung von Franke übernehmen, dem Herzstück der Artemis Group. Bis dann dürfte klar sein, ob Starbucks mit dem Tee einen Erfolg gelandet hat.

Erstellt: 04.06.2014, 02:57 Uhr

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