Schweizer Riesen schlucken die Kleinen

Weltweit häufen sich Konsolidierungen und Hochzeiten unter Grosskonzernen. Doch in der Schweiz zeichnet sich ein anderer Trend ab.

Typisches Beispiel: Der Pharmakonzern Roche kaufte innert kurzer Zeit zwei kleinere Unternehmen.

Typisches Beispiel: Der Pharmakonzern Roche kaufte innert kurzer Zeit zwei kleinere Unternehmen.

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Nokia und Alcatel, Shell und BG Group, Holcim und Lafarge: Weltweit häufen sich Milliardenhochzeiten und das Konsolidierungskarussell dreht sich. In der Schweiz allerdings zeichnet sich keine Mammuthochzeit ab: Grosse Konzerne schlucken kleine, aber eher im Ausland.

Vom weltweiten Fusionsfieber bleibt die Schweiz indessen nicht ganz unberührt. Durch die Fusion der beiden Zementriesen Holcim und Lafarge spielt sie mit. Die Zunahme der Fusionen erklären sich Experten mit dem Hoch an den Aktienmärkten.

Aktienhausse und Frankenstärke

In der Schweiz legte der Blue-Chip-Index SMI innert eines Jahres um 7 Prozent und innert drei Jahren um 50 Prozent zu. Das ist ein Füllhorn für Konzerne, die ihre Aktien oftmals zur Finanzierung von Transaktionen einsetzen. Dank deren Wertsteigerung haben sie mehr Kaufkraft, erklärt Laurent Bakhtiari , Marktanalyst bei der Genfer Bank IG.

Zudem hat sich der Franken seit der Aufgabe des Euromindestkurses Mitte Januar um fast 15 Prozent verteuert. Das macht Firmen in der EU für Schweizer Unternehmen erschwinglicher, sagt Bakhtiari. Zusätzlich interessant wird das für Firmen, die ihre Kostenbasis diversifizieren wollen.

Das sind besonders Grossunternehmen. Diese verfügten über viel Liquidität und kämen leicht zu Krediten und erst noch zu historisch tiefen Zinsen, erklärt Oliver Müller, Strategieexperte für Investitionen bei der Grossbank Credit Suisse. Darum dürften diese Konzerne ihre kleineren Zukäufe im Ausland fortsetzen.

Pharmariese schlug zweimal zu

Ein typisches Beispiel dafür ist das Pharmaunternehmen Roche. Die Basler kauften für etwas mehr als 1 Milliarden Franken den US-Krebsspezialisten Foundation Medicine (FMI). Einige Tage später erwarb Roche das französische Biotechunternehmen Trophos für 460 Millionen Franken.

Allerdings stellen diese Zukäufe für einige Milliarden im Jahr nur 2 bis 5 Prozent der Umsätze der zukaufenden Grossunternehmen dar, beobachtet Müller.

Weniger Transaktionen im ersten Quartal

Zurückhaltender in der Beurteilung der Frankenstärke als Zukaufstreiber sind die Berater von EY. Für ein Urteil sei es noch zu früh. In seiner letzten Studie wies das Beratungsunternehmen aus, dass die Transaktionen im ersten Trimester um 13 Prozent gegenüber dem Schlussquartal 2014 sanken. Dabei ist allerdings zu beachten, dass 2014 mit 420 Transaktionen einen Rekord verzeichnete.

Dessen ungeachtet ist eine Gigantenhochzeit in der Schweiz sehr unwahrscheinlich. Novartis und Roche etwa sind mit ähnlichen Produkten auf den selben Märkten präsent. Er sehe darum keine Synergien, sagt Strategieexperte Müller. Fusioniert dürften ihre Umsätze die jeweiligen aktuellen nicht übersteigen.

Zudem wäre das Zusammengehen der Pharmariesen allzu riskant. Die Wettbewerbsbehörden würden wegen deren schierer Marktmacht sowieso ihr Veto einlegen, sagt Müller. Das ganze in die Pläne gesteckte Geld wäre verloren.

Auch das Scheitern der Fusion zwischen Sunrise und Orange 2010 hallt in der Schweiz nach. Auch sie war am Veto der Wettbewerbshüter gescheitert. So ist nach Analystenschätzung in der Schweiz keine Jahrhundertfusion in Sicht. (spu/sda)

Erstellt: 04.05.2015, 16:51 Uhr

Für Banken gehts ums Überleben

Während «gewöhnliche» Unternehmen aus Gründen wie Synergien oder Gewinnoptimierung fusionieren, ist es bei den Banken anders. Bei ihnen geht es ums Überleben, stellt Laurent Bakhtiari, Marktanalyst bei der Genfer Bank IG, fest.

Die Anforderungen der neuen Regulierungen kommen die Institute teuer zu stehen. Besonders bescheidenere Häuser haben daran zu beissen, erklärt der Experte. Auch der Steuerstreit mit den USA ist für viele noch nicht ausgestanden.

Hinzu kommen die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank für parkierte Gelder. Yves Mirabaud, Gründer und Teilhaber des gleichnamigen Genfer Instituts, sieht durch die Gebühr den ganzen Finanzplatz in Gefahr und besonders die Vermögensverwalter im Nachteil. Er verlangte, die Negativzinsen sollten nur bei Kunden erhoben werden, die nicht in der Schweiz wohnhaft seien.

All diese Faktoren schlagen sich in der Bankenlandschaft nieder. Die letzte Transaktion bisher war der Verkauf der Bank Coutts an die Genfer Privatbank UBP durch die Royal Bank of Scotland. Ebenfalls im laufenden Jahr erfolgte die Übernahme der ältesten Basler Privatbank La Roche durch die zu Raiffeisen gehörende Bank Notenstein.

In fünf Jahren sei es gut möglich, dass es nur noch 100 Privatinstitute in der Schweiz gebe, prophezeite Boris Collardi, der Chef der Bank Julius Bär und Präsident der Vermögensverwalter- und Assetmanagement-Vereinigung VAV. Vor zehn Jahren gingen hierzulande noch 182 Privatbanken ihren Geschäften nach.

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