Schweizer Taxifahrer warten auf Angebot aus den USA

Der US-Dienst Uber sorgt hierzulande für heisse Köpfe. Nun wollen die Taxifahrer die Politik einschalten.

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In Deutschland haben Richter bereits Verbote ausgesprochen. In der Schweiz beobachten die Behörden die Ausbreitung des Phänomens aufmerksam. Die Rede ist nicht etwa von einer kriminellen Organisation. Sondern vom kalifornischen Technologieunternehmen Uber, das den Taximarkt neu aufmischen will.

Hierzulande ist Uber mittlerweile in Zürich und in Genf aktiv. Die Nutzer können mit einer App auf ihrem Mobiltelefon einen Fahrer bestellen. Die App ortet via Satellit den Standort des Kunden und avisiert den am schnellsten verfügbaren Fahrer.

Die Abwehrreaktion

Wie immer, wenn ein innovatives Unternehmen in einen Markt eintritt, verlangen die bisherigen Akteure, dass sich der neue Anbieter den gleichen Regeln zu unterwerfen hat wie alle anderen. Nun meldet sich auch Taxisuisse, die Fachgruppe Taxi des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbandes Astag, zu Wort. Etwas scheinheilig betont der Verband, dass er den «Technologieschub im Bereich der Smartphone-Applikationen begrüsse».

Aber: «Bisher ist nicht sichergestellt, dass sich der neue Anbieter an dieselben Regeln zu halten hat, wie es für uns als Taxihalter selbstverständlich ist», betont Patrick Favre, der Präsident der Fachgruppe. Er habe bislang den Eindruck, dass Uber nicht die Absicht habe, sich an die Regeln zu halten.

Die Fachgruppe hat bereits mit zwei ihr nahestehenden Parlamentariern Kontakt aufgenommen. Diese haben ihr zugesichert, dass sie eine Interpellation zum Thema einreichen werden. «Wir möchten vom Bundesrat wissen, ob er auch der Meinung ist, dass für alle Anbieter von Transportdiensten für Privatpersonen die gleichen Bedingungen gelten», betont Favre.

Wichtig ist der Fachgruppe, dass die Fahrer von Uber ebenfalls die für Taxifahrer vorgesehene Prüfung ablegen, die Ruhezeiten einhalten, ein Fahrzeug steuern, das für den gewerbsmässigen Personentransport zugelassen ist, und dafür auch über eine entsprechende Versicherung verfügen.

Der Neuenburger Taxiunternehmer Favre ist aber nicht nur auf dem politischen Parkett aktiv geworden. Er hat auch die Schweiz-Vertreter von Uber getroffen. «Ich habe Uber bereits im Juni gebeten, unserer Fachgruppe ein Angebot für eine kommerzielle Zusammenarbeit mit den uns angeschlossenen Taxiunternehmen zu machen», sagt er. Doch bislang habe sich Uber nicht mit einem konkreten Angebot bei ihm gemeldet. «Mittlerweile bin ich skeptisch, dass wir je ein Angebot erhalten werden», sagt er.

Im Hinblick auf eine Zusammenarbeit gehen die Vorstellungen bezüglich der Konditionen weit auseinander. Uber verlangt von seinen Fahrern eine Kommission von 20Prozent. Für Favre ist klar, dass dieser Ansatz viel zu hoch sei. Welche Kommissionshöhe für die Taxifahrer allenfalls tragbar wäre, will er aus verhandlungstaktischen Gründen nicht preisgeben.

Veraltete Reglemente

In der Schweiz ist die Regulierung des Taximarktes eine Sache der Kantone und Städte. Die entsprechenden Reglemente sind zumeist Meisterwerke der Bürokratie. «Das Reglement findet Anwendung auf den gewerbsmässigen Personentransport ohne festen Fahrplan und Route», heisst es beispielsweise im Artikel 1 des Stadtberner Taxireglements. 38 Artikel sind nötig, um das Taxiwesen in der Stadt zu regeln.

Die Reglemente verfolgen drei Hauptziele: Sie wollen verhindern, dass die Kunden getäuscht oder gar abgezockt werden. Zudem geht es darum, das einheimische Taxigewerbe vor auswärtiger Konkurrenz zu schützen, was aber kaum ein Politiker zugeben würde. Und schliesslich wollen die Städte mit den Reglementen Konflikte unter den Taxifahrern im Kampf um die Kunden verhindern. Deshalb regeln sie, ob die Kunden ihr Taxi frei wählen können oder ob sie in das vorderste in der Kolonne einsteigen müssen.

Technik überholt Regeln

Doch gewisse Bestimmungen werden von der technologischen Entwicklung überholt. So verlangen die meisten Städte, dass die Taxifahrer in einer Prüfung ihre Kenntnisse des städtischen Strassennetzes beweisen müssen. Eine Regel, die in Zeiten der Navigationsgeräte obsolet geworden ist.

Einig sind sich die Behörden und die Vertreter der Taxibranche darüber, dass es trotz der Reglemente diverse Probleme gibt. Beispielsweise gebe es zu viele Taxis, betonen beide Seiten. Dies führt zu langen Wartezeiten der Taxifahrer und drückt deren Einkommen. «Ein weiteres Problem besteht darin, dass bei vielen Neueinsteigern die Qualität der Dienstleistung nicht stimmt», räumt Favre ein.

Er befürchtet nun, dass der Markteinstieg von Uber mit seinen Preisen, die um bis zu 40 Prozent unter den herkömmlichen Tarifen liegen, zu einer weiteren Senkung der Qualität – und natürlich auch der Einkommen – führt. «Es hat sich im Taxigewerbe gezeigt, dass tiefere Preise nicht zu einer höheren Nachfrage führen», betont er.

Eines ist sicher: Die Geschichte wird zum Fortsetzungsroman. Bald wird Uber wohl auch Bern erreichen. Ende August kündigte der Chef von Uber Schweiz gegenüber dieser Zeitung an, dass sein Unternehmen als eine der nächsten Städte Bern anpeilen werde. Und in Deutschland werden sich noch viele Richter über ein Verbot von Uber den Kopf zerbrechen.

Erstellt: 15.09.2014, 07:13 Uhr

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