Schweizer Uhrmacher «made in China»

Das Schweizer Handwerk der Uhrmacherei kann heute auch in Miami, Manchester und Shanghai erlernt werden. Die Ausbildungsplätze sind äusserst begehrt.

Eine komplexe und begehrte Arbeit: Uhrmacher am Werk.

Eine komplexe und begehrte Arbeit: Uhrmacher am Werk. Bild: Wostep

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In Miami, Manchester, Shanghai und Hongkong stehen internationale Uhrmacherschulen, die mehrheitlich von der Schweizer Uhrenindustrie finanziert werden und sich immer grösserer Beliebtheit erfreuen. Die Institute tragen Namen wie «Nicolas G. Hayek Watchmaking School» oder «Institute of Swiss watchmaking». Ihre Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren vervielfacht. Mit dem Netz von Partnerschulen stellen die Schweizer Uhrenhersteller sicher, dass ihre Kunden in den ausländischen Absatzmärkten nach dem Kauf über einen Ansprechpartner verfügen.

«Der Absatz von mechanischen Uhren hat stark zugenommen», sagte der Leiter der Abteilung Wirtschaft beim Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH), Maurice Altermatt, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Die Uhren müssten alle drei bis fünf Jahre gewartet werden und der Kunde erwarte dabei einen nahen und schnellen Service.

Ausserdem reicht laut Altermatt die Kapazität der Schweizer Werkstätten nicht aus, um sämtliche Reparatur- und Wartungsarbeiten in der Schweiz durchführen zu lassen. Deshalb müssten im Ausland die Strukturen aufgebaut werden, um die Dienstleistungen vor Ort erbringen zu können.

Die Arbeitsplätze in der Schweiz würden durch das wachsende Know-how im Ausland nicht gefährdet, sagte Altermatt. Die internationalen Schulen seien eine Ergänzung zu den Leistungen, die in der Schweiz erbracht würden.

Asien als wichtiger Markt

Die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie haben in den letzten Jahren stark zugelegt. Im vergangenen Jahr wurde erstmals die Marke von 20 Milliarden Franken überschritten. Im Jahr 2001 hatten die Ausfuhren noch 10,6 Milliarden Franken betragen.

Rund die Hälfte der Exporte entfallen auf den asiatischen Markt. Maarten Pieters, Direktor des Watchmakers of Switzerland Training and Educational Programs (Wostep), rechnet dort mit 300'000 bis 400'000 Eingriffen pro Jahr über die nächsten fünf Jahre - vom Batteriewechsel bis hin zu komplexen Reparaturen. Das Wostep ist verantwortlich für die Schweizer Uhrmacherschulen im Ausland.

In Asien befinden sich vier der fünf seit 2008 neu gegründeten Schulen. Die jüngste dieser Institutionen öffnete ihre Tore Anfang Januar in Hongkong und wird von der Swatch Group finanziert.

Jährlich bilden die insgesamt 13 internationalen Uhrmacherschulen 160 Personen aus. Diese absolvieren 3000 Ausbildungsstunden, in denen sie Theorie und Praxis vermittelt bekommen.

Begehrte Ausbildungsplätze

Die Ausbildungsplätze an den Partnerschulen sind äusserst begehrt. Laut Hervé Dumortier, Leiter Kundendienst beim Luxusgüterhersteller Richemont, übersteigt die Zahl der Anfrage jene der verfügbaren Ausbildungsplätze. Richemont finanziert drei Schulen in China und in den Vereinigten Staaten.

Auch die Swatch Group, die für sechs internationale Uhrmacherschulen aufkommt, erhält gemäss Sprecherin Béatrice Howald regelmässig Anfragen zum Ausbildungsangebot im Ausland.

Dieses Angebot dürfte weiter wachsen. Als mögliche Standorte für weitere Uhrmacherschulen fasst das Wostep Singapur, Russland sowie Lateinamerika ins Auge. Ausserdem sollen die Kapazitäten der bestehenden Institutionen ausgebaut werden.

«Ich kann mir vorstellen, dass wir bis in zehn Jahren pro Jahr 250 bis 300 Schüler ausbilden», sagte Wostep-Direktor Maarten Pieters. «Früher oder später werden sich im Ausland mehr Menschen zum Uhrmacher ausbilden lassen als in der Schweiz.» (kle/sda)

Erstellt: 19.01.2013, 21:39 Uhr

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