Schweizer Wirtschaft läuft überraschend gut

Das Staatssekretariat für Wirtschaft hat seine Wachstumsprognose für die Schweiz für das laufende Jahr erhöht – trotz Frankenstärke, Schuldenkrise und Atomkatastrophe in Japan.

Die BIP-Prognosen im Überblick

Die BIP-Prognosen im Überblick


BIP-Prognose

Quelle: sda

Trotz widriger Umstände robust: Die Schweizer Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs.


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Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erhöht die Prognose für die Zunahme des Bruttoinlandproduktes im laufenden Jahr auf 2,1 Prozent. Im Dezember waren die Ökonomen des Bundes noch von einem Wachstum von 1,5 Prozent ausgegangen. Das Konjunkturbild sei erfreulich, die Schweizer Wirtschaft profitiere von positiven Impulsen der Weltkonjunktur und habe ihr lebhaftes Wachstum trotz des starken Frankens bislang ungebremst fortsetzen können, erklärte das Seco.

Auch die jüngsten Konjunkturindikatoren seien gut ausgefallen: Sowohl die Unternehmensumfragen als auch die Konsumentenstimmung zeigten noch kaum Schwächesignale. Laut Seco wäre es aber verfrüht, aus der bislang robusten Exportentwicklung zu folgern, dass der hohe Franken für die Konjunktur keine Probleme darstelle.

Zahlreiche Firmen – insbesondere in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie – litten unter Konkurrenz- und Margendruck. Das Seco geht davon aus, dass sich das Exportwachstum 2011 wegen der Frankenstärke von 7,1 Prozent im Vorjahr auf 4,1 Prozent verlangsamt.

Nur sanfte Abkühlung

Der Aufschwung der Gesamtwirtschaft werde sich aber nur relativ sanft abkühlen. Für 2012 geht das Seco unverändert von einem BIP-Wachstum von 1,9 Prozent aus. Das Risiko eines ausgeprägteren Abschwungs wird laut den Bundesökonomen durch die solide Inlandkonjunktur begrenzt.

So dürfte die Bauwirtschaft dank anhaltend tiefer Zinsen und positiver Impulse durch die Einwanderung nochmals zulegen können. Für das laufende Jahr verdoppelte das Seco die erwartete Zunahme der Bauinvestitionen von 1,0 auf 2,0 Prozent.

Beim privaten Konsum (von 1,5 auf 1,6 Prozent erhöht) sei eine Fortsetzung der soliden Expansion wahrscheinlich. Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen (von 4,0 auf 6,0 Prozent erhöht) dürften vor dem Hintergrund einer gestiegenen Kapazitätsauslastung weiter zunehmen.

Arbeitslosigkeit sinkt kaum noch

Im Zuge der lebhaften Konjunktur verbesserte sich auch der Arbeitsmarkt. Im Februar betrug die saisonbereinigte Arbeitslosenquote noch 3,4 Prozent. Das Seco erwartet 2011 im Jahresdurchschnitt 3,2 (bisherige Prognose: 3,4) Prozent. 2012 dürfte sie wieder leicht auf 3,3 (3,4) Prozent steigen.

Trotz höherer Erdölpreise rechnet das Seco mit einer moderaten Teuerung von 1,0 Prozent im laufenden und 0,9 Prozent im nächsten Jahr. Beim weltwirtschaftlichen Ausblick sei die Unsicherheit aber erheblich: Die Erholung sei immer noch stark durch eine extrem expansive und auf Dauer nicht durchhaltbare Geld- und Finanzpolitik getragen.

Die Normalisierung der Zinsen könne nicht unbegrenzt aufgeschoben werden, ohne die Preisstabilität zu gefährden. Ein grosser Unsicherheitsfaktor sei zudem die Staatsschuldenkrise im Euroraum, die lediglich eingedämmt scheine. Auch seien die Immobilienkrisen, namentlich in den USA, noch nicht überwunden.

Folgen von Japan kaum abschätzbar

Kaum abschätzbar sind laut Seco die Folgen der Katastrophe in Japan für die Weltwirtschaft. Der Wiederaufbau nach dem Erdbeben könne zwar die Wirtschaftsleistung steigern. Eine weitere Eskalation der Atomkatastrophe könne aber eine länger dauernde Wirtschaftskrise in Japan auslösen. (raa/sda)

Erstellt: 17.03.2011, 07:58 Uhr

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Der US-Dollar ist in der Nacht auf Donnerstag im internationalen Devisenhandel erstmals weniger als 90 Rappen wert gewesen. Er erreichte ein Allzeittief von 0,8977 Franken. Der Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) schwächte den Franken kaum.

Kurz vor der Bekanntgabe der SNB, sie belasse ihren Leitzins auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent, kostete ein Dollar 0,9010 Franken, gegen Mittag notierte der Greenback bei 0,9030 Franken. Der Euro legte leicht von 1,2580 auf 1,2670 Franken zu.

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