«Sie hätten wissen sollen, dass es illegal ist»

US-Botschafter Donald Beyer sieht die Wegelin-Chefs selber für das Debakel der Bank verantwortlich. Der Diplomat kann es nicht verstehen, dass es zum Notverkauf der Traditionsbank kam.

«Kleine Länder haben einen starken Abwehrreflex»: Donald Beyer. (11. September 2011)

«Kleine Länder haben einen starken Abwehrreflex»: Donald Beyer. (11. September 2011) Bild: Keystone

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Für Donald Beyer, US-Botschafter in Bern, sind die Wegelin-Chefs selber für das Debakel der Bank verantwortlich. Sie hätte wissen müssen, dass es illegal ist, Kunden der UBS zu übernehmen, sagt der Botschafter im Interview mit «SonntagsBlick.»

«Das Management musste sich doch über das Risiko im Klaren gewesen sein. Es hätte wissen sollen, dass dies illegale Aktivitäten sind und dass die US-Steuerbehörde darauf reagieren würde», sagt Beyer. Den Notverkauf der Traditionsbank versteht der Diplomat nicht: «Auch die angedrohte Strafe der US-Steuerbehörden hätte Wegelin nicht in Bedrängnis bringen können.»

Grosses Missverständnis

Die Unzufriedenheit der Schweiz über das harte Vorgehen der USA im Steuerstreit kann Beyer jedoch verstehen. «Alle Menschen haben einen natürlichen Abwehrreflex, wenn man ihnen zu nahe tritt. In kleinen Ländern wie der Schweiz ist dieser Abwehrreflex stärker.»

Beyer spricht von einer «Spannung» in den Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA. Diese Spannung würde jedoch vor allem von einem grossen Missverständnis rühren: «Die Schweizer sehen das Vorgehen der USA als Angriff auf Schweizer Banken. Die Sichtweise der USA ist eine ganz andere. Wir wollen, dass alle US-amerikanischen Bürger ihre Steuern bezahlen. Nun ist es halt so, dass diverse US-Steuerbetrüger ihr Geld auf Schweizer Banken deponierten», sagt Beyer zum «SonntagsBlick».

Erstellt: 04.02.2012, 23:45 Uhr

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