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Silber wird das neue Gold

Gold notiert zu Rekordpreisen, das macht günstigere Edelmetalle für die Anleger immer attraktiver. Vor allem Silber kristallisiert sich als Wertanlage mit Zukunftspotenzial heraus.

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Der Boom beim Gold hält seit rund zehn Jahren an. Und reisst nicht ab: Der Preis für eine Feinunze Gold nähert sich mittlerweile der 1900-Dollar-Marke. Vor drei Wochen waren es noch 1600 Dollar.

Nationalbanken werden Nettokäufer

Grosser Nachfragedruck kommt von den Nationalbanken, die vielfach vom Nettoverkäufer zum Nettokäufer mutiert sind. China etwa hat derzeit etwa so viele Goldreserven wie die Schweiz. «Das bedeutet, dass bei Chinas relativ geringen Goldbeständen in unsicheren Wirtschaftszeiten die Nachfrage noch stark nach oben gehen wird», meint Edelmetall-Experte Oliver Disler.

Zudem sage die chinesische Regierung der Bevölkerung, sie solle Gold zur privaten Absicherung kaufen. Denn ein etabliertes Pensionskassensystem in China gibt es nicht.

Die Hauptnachfrage und der stärkste Einfluss auf den Preis kommen derzeit noch aus Indien, dem weltweit grössten Nachfrager. Bei indischen Paaren ist Gold das beliebteste Hochzeitsgeschenk. Bis zu 40 Prozent der weltweiten Nachfrage von insgesamt 4500 Tonnen Gold kommt von dort. Gefördert werden hingegen nur 2600 Tonnen Gold pro Jahr.

Dritter Nachfrage- und Preistreiber ist die Angst um eine Rezession und zunehmende Währungsturbulenzen in den westlichen Industrienationen. «Das macht wieder einmal sehr deutlich: Gold ist Geld und gibt kein Zahlungsversprechen ab», so Disler. Eine Banknote mit der Unterschrift des Präsidenten der Europäischen Zentralbank Jean Claude Trichet hingegen schon. «Sodass heute die Banknoten nicht mehr wert sind als das Papier, auf dem sie gedruckt sind.» Das Zahlungsversprechen des Euro werde von den Märkten und den Euroländern erstmals infrage gestellt.

Weisse Metalle werden attraktiver

Dislers Ausblick für den Edelmetallmarkt: «Der Goldpreis wird weiter steigen.» Bis Frühling 2012 werde die Feinunze Gold die 3000-Dollar-Marke sprengen. «Die Finanzkrise wird sich zuspitzen und der Goldpreis kann dann sogar bis 10'000 Dollar steigen», so Disler weiter. Die geförderte Goldmenge werde dagegen abnehmen, viele Goldminen wurden bereits geschlossen. Bis 2015 schätzt man die Produktion auf maximal 50 Millionen Unzen, das ist ein Rückgang um 25 Millionen Unzen in vier Jahren. «Die Goldbestände sind schon heute sehr stark ausgebeutet», weiss Disler. Mit einem Nebeneffekt: «Wir sind nah an der Grenze, dass Gold so teuer wird, dass die Kunden immer mehr andere Edelmetalle kaufen werden.» Vor allem die Nachfrage nach Silber werde steigen. Bei Silber wird laut Disler die Kursentwicklung im Vergleich zu Gold noch wesentlich extremer sein.

Auch wenn Gold derzeit noch im Fokus der Edelmetallhändler ist, erlebt der Markt eine Trendwende: Platin etwa ist normalerweise immer teurer als Gold. Im Zuge der Finanzkrise 2008 hat sich dieses Verhältnis umgekehrt. «Das zeichnet sich auch diesmal ab», berichtet Andreas Maag vom Trading Floor der UBS. «Der Goldpreis ist nach oben hin so ausgereizt, dass Gold zugunsten von Platin verkauft wird», sagt Maag. Auch Palladium hält sich gut: Der Preis ist über die Zeit von 300 US-Dollar auf 800 Dollar gestiegen, liegt in der Performance im Vergleich zu Jahresbeginn allerdings etwas zurück.

Den einzigen Dämpfer, den diese sogenannten weissen Metalle in einer Rezession erfahren können, ist die geringere Nachfrage aus der Industrie. Für die Herstellung von Solarzellen und Mobiltelefonen werden grosse Mengen Silber und andere Edelmetalle benötigt. Aber: «Da es sich um Investmentmetalle handelt, bleiben auch diese anderen Edelmetalle neben Gold eine sichere Wertanlage», sagt Maag.

Erstellt: 23.08.2011, 16:42 Uhr

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