So haben UBS-Händler den Libor manipuliert

Die Manipulationsversuche von UBS Japan erfolgten über zwei verschiedene Schienen – und sie «hatten bisweilen Erfolg».

Tausende Anfragen an Broker-Firmen: Wie das Libor-Netzwerk der UBS funktionierte.

Tausende Anfragen an Broker-Firmen: Wie das Libor-Netzwerk der UBS funktionierte.

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Das Netzwerk, mit dessen Hilfe ehemalige Mitarbeiter der UBS – an vorderster Front der frühere Derivatehändler Tom Hayes – den Libor sowie andere globale Referenzzinssätze konspirativ zu beeinflussen versuchten, gewinnt zusehends an Kontur. Es umfasste einerseits laut übereinstimmenden Medienberichten die vier Banken J. P. Morgan Chase, Citigroup, Royal Bank of Scotland und die Deutsche Bank (TA von gestern), wenngleich keines dieser Geldinstitute in den in dieser Woche veröffentlichten Untersuchungsberichten britischer und amerikanischer Finanzaufseher namentlich genannt wurde.

Die Rolle der Brokerfirmen

Zum andern spielten sogenannte Interdealer-Broker eine bedeutende koordinierende Rolle bei den Zinsmanipulationen. Auch sie bleiben in den Untersuchungsberichten anonym, doch die «Financial Times» nannte gestern unter Berufung auf nicht näher definierte Quellen zwei Namen. Danach sollen die britischen Firmen ICAP sowie RP Martin in die Manipulationsbestrebungen involviert gewesen sein.

In seinem Report spricht das US-Justizministerium jedoch davon, dass die UBS-Händler die Hilfe «mehrerer» Brokerfirmen beansprucht hätten, um die Libor-Manipulationen zu koordinieren. Und im entsprechenden Bericht des britischen Finanzaufsehers FSA heisst es, UBS-Händler hätten mehr als 1000 dokumentierte Anfragen an elf Mitarbeiter bei sechs Brokerfirmen gerichtet, um sie zur Teilnahme zu bewegen. Ob sich all diese Akteure tatsächlich in die widerrechtlichen Machenschaften hatten einbinden lassen, ist ungeklärt.

Interdealer-Broker sind Intermediäre. Sie führen Wertschriftenkäufer und -verkäufer zusammen. Ihre Dienste werden insbesondere dann beansprucht, wenn es um (Gross-)Transaktionen illiquider respektive auf spezifische Kundenwünsche zugeschnittene Wertpapierpakete geht; bei Abschluss des Geschäfts erhält die Brokerfirma eine jeweils vom Transaktionsvolumen abhängige Vergütung.

Falschinformationen verbreitet

Daneben versorgen die Interdealer-Broker Banken und weitere Investoren mit Marktinformationen. Dies machten sich Hayes und andere UBS-Händler zunutze. Einerseits, indem sie andere Finanzinstitute über die Brokerkanäle ersuchten, den Libor – vornehmlich den Zinssatz für den japanischen Yen – in die gleiche Richtung zu manipulieren.

Anderseits verbreiteten die Interdealer-Broker auf Betreiben der UBS vorgetäuschte Transaktionen und Falschinformationen über den Libor-Markt – dies in der Absicht, dass unwissende Banken ihre Eingaben nach London für die tägliche Libor-Festsetzung in die von der UBS gewünschte Richtung machten. Da die Vergabe kurzfristiger ungesicherter Kredite zwischen den Banken als Folge der Finanzkrise stark zurückging, waren die Marktteilnehmer auf die Libor-Informationen der Brokerfirmen umso stärker angewiesen. Die London Interbank Offered Rate (Libor) entspricht eben diesem Zinssatz für Interbankenkredite mit einer Laufzeit bis zu einem Jahr.

Für diese Dienste, bei denen ICAP und RP Martin offenbar eine Schlüsselrolle spielten, liessen sich die Brokerfirmen honorieren. ICAP erhielt von der UBS laut «Financial Times» während 18 Monaten vierteljährliche Zahlungen von 15 000 britischen Pfund. Im Falle von RP Martin profitierten einige Mitarbeiter durch Kommissionseinnahmen im Gesamtvolumen von mehr als 170 000 Pfund innert weniger Tage im September 2008. Diese Einnahmen generierten Tom Hayes und seine Mitstreiter bei der UBS Japan durch risiko- und sinnlose Handelstransaktionen – «wash trades» –, indem sie via RP Martin Wertpapiere gleichzeitig kauften und verkauften. Bisher wurde indes keiner der beiden Brokerfirmen ein Fehlverhalten seitens der Aufsichtsbehörden vorgeworfen.

«Erfolgreiche Manipulation»

Dessen ungeachtet waren die Libor-Manipulationen der UBS viel umfassender, ausgeklügelter und somit wirkungsvoller als jene, die bei der britischen Barclays zum Vorschein kamen. Die US-Wertpapieraufseher der CFTC kamen denn auch zum Schluss, dass Hayes’ Leute «bisweilen Erfolg hatten» im Bestreben, die offizielle Fixierung des YenLibor zu manipulieren. Das erklärt, weshalb die UBS-Busse mit rund 1,4 Milliarden Franken mehr als dreimal so hoch ausgefallen ist wie jene von Barclays.

Erstellt: 22.12.2012, 09:11 Uhr

Sogenannte Interdealer spielten eine wichtige Rolle: UBS-Filiale am Paradeplatz. (Archivbild) (Bild: Keystone )

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