So investiert Spuhler seine Börsen-Millionen

Mit dem Börsengang von Stadler Rail hat Peter Spuhler 1,4 Milliarden eingenommen. Ein Drittel hat er bereits wieder investiert. Im Gespräch verrät er, wo.

«Siemens, Alstom, Bombardier oder Skoda heizen uns viel mehr ein als die Chinesen»: Peter Spuhler, VR-Präsident von Stadler Rail. Foto: Reuters

«Siemens, Alstom, Bombardier oder Skoda heizen uns viel mehr ein als die Chinesen»: Peter Spuhler, VR-Präsident von Stadler Rail. Foto: Reuters

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Seit fünf Monaten ist Stadler Rail an der Börse. VR-Präsident Peter Spuhler, der den Konzern gross gemacht hat, hat im Zuge des Börsengangs Aktien abgegeben, bleibt aber am Ball.

Herr Spuhler, Stadler Rail sind keine Volksaktien, sondern Liebhaberwerte für Eisenbahnfans. Einverstanden?
Nein, überhaupt nicht. Nach meinem Kenntnisstand führen wir etwa 27'000 Aktionäre in unserem Aktienregister.

Das sind fast so viele Menschen, wie in der Stadt Zug wohnen.
Ja, das sind extrem viele Aktionäre. Rieter zum Beispiel weist mit 6500 Aktionären nur einen Bruchteil davon aus. Wir haben beim Börsengang dafür gesorgt, dass etwa die Hälfte der Titel breit gestreut wird. Danach habe ich keinen Einfluss mehr, wer die Valoren verkauft oder kauft. Das ist dem Markt überlassen.

Und der hat negativ auf Stadlers Halbjahresergebnis reagiert: Am 3. September sind die Titel fünf Prozent getaucht. Was läuft schief?
Die Währungsverwerfungen haben sich negativ ausgewirkt, aber wir sind auf Kurs. Von den 10500 Mitarbeitern arbeiten etwa 3500 in der Schweiz, und die Hälfte der Produktionsleistung wird exportiert. Auf die Währungssituation können wir beschränkt Einfluss nehmen. Das drückt auf die Ebit-Marge. Aber mit unserem Auftragseingang sind wir auf Rekordkurs. Der Auftragseingang zeigt, dass wir aus der Schweiz heraus wettbewerbsfähig sind.

Trotzdem entpuppt sich die Stadler-Aktie immer mehr als Liebhaberwert. Der Kurs liegt heute nicht höher als nach dem ersten Tag des Börsengangs am 12. April.
Ausschlaggebend ist nicht der Endkurs vom 12. April, sondern der Ausgabekurs von 38 Franken. Das ist der entscheidende Wert. Gegenüber den meisten Börsenneulingen sind wir gut unterwegs.

Seit dem 4. September wurden vom Management Stadler-Valoren happig gekauft. Haben Sie den Aktientaucher genutzt und für rund 6,8 Millionen Franken Aktien erworben?
Ja, das habe ich.

Also betreiben Sie Kurspflege?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe mich im Börsenprospekt verpflichtet, im ersten Jahr nach dem Börsengang 40 Prozent der Aktien zu halten. Durch den Greenshoe bin ich nach dem IPO unter 40 Prozent gefallen und kann mit dem Zukauf mein Commitment nun wieder einhalten.

Noch bis 12. April 2022 müssen Sie selbst 30 Prozent der Aktien halten. Tröstlich für viele Aktionäre, die denken: Wenn ich dem Spuhler folge, werde ich gewinnen.
Hinter dem Erfolg, den wir in den letzten Jahren feiern konnten, steht nicht Peter Spuhler allein, sondern ein breites Managementteam und alle Mitarbeiter.

Wollen Sie und Ihre Gesellschaft PCS – Peter Christian Spuhler – auch über 2022 hinaus Ankeraktionär bleiben?
Ja sicher!

Der Erfolg von Stadler hängt stark von Ihrer Person ab. Was passiert, wenn Sie unglücklicherweise unter den Zug kommen?
Früher war ich CEO, VR-Präsident und zu 80 Prozent Eigentümer. Nach 32 Jahren konzentriere ich mich nun auf das Amt des VR-Präsidenten und bin mit 40 Prozent immer noch der grösste Aktionär. Ich hoffe schon, dass ich eine gewisse Lücke hinterlassen würde und nicht alle klatschen und froh sind, dass ich nicht mehr strategisch Einfluss nehmen kann (lacht). Aber es ist klar: Auch ich bin ersetzbar. Wir haben ein gutes, breit aufgestelltes Managementteam, mit unabhängigen und erfahrenen Verwaltungsräten. Meine Aktien erben meine Frau und meine drei Kinder. Von daher ist alles geregelt.

Eine realere Bedrohung für Stadler Rail ist der staatliche chinesische Eisenbahnbauer China Railway Rolling mit einem Umsatz von 38 Milliarden Franken Er drängt nach Europa. Macht Ihnen das Bauchweh?
Nein. Wir werden die Chinesen im Auge behalten, aber Grösse spielt in unserem Geschäft nicht die entscheidende Rolle. Wir haben über 1800 FLIRT-Züge in achtzehn Länder verkauft, bei jedem Auftrag gibt es aber Anpasskonstruktionen. Deshalb gibt es fast keine Skaleneffekte. In Europa hat jedes Land andere Bedingungen bei der Infrastruktur oder beim Strom- und Sicherungssystem. Das ist nicht wie in China, wo ganz andere Stückzahlen beschafft werden können. Nur schon mit einem Doppelstockzug von der Schweiz nach Italien zu fahren, braucht Anpassungen – in Italien haben sie ein anderes Stromsystem, und die Tunnel sind niedriger. Da muss man technologisch auf der Höhe und imstande sein, schnell Anpassungen vorzunehmen. Uns heizen Siemens, Alstom, Bombardier oder Skoda viel mehr ein als die Chinesen.

«Wenn jemand etwas zum Kauf anbietet, schauen wir uns das genau an.»

Stadler will stark wachsen. Über Zukäufe?
Wir machen den geplanten Umsatzsprung zwischen 2018 und 2020 von 2 auf 4 Milliarden ohne grosse Übernahmen. Die Aufträge sind bereits vorhanden. Nach dem Scheitern der Fusion zwischen Siemens und Alstom wegen der Wettbewerbsbehörde sind solche Grossübernahmen kaum möglich. Kleinere Akquisitionen sind durchführbar. Wegen der Digitalisierung werden die Züge intelligenter. In diesem Bereich gibt es immer wieder kleinere Übernahmen, etwa Ingenieurbüros. Wenn jemand etwas zum Kauf anbietet, schauen wir uns das genau an.

Sie waren einst SVP-Nationalrat. Der Bahnausbau ist abhängig von der Politik. Eine politische Stimme wie Sie wäre wichtig?
Ich war dreizehn Jahre Nationalrat und war mit viel Engagement für den Werkplatz Schweiz unterwegs. Jetzt könnten einige andere Unternehmer diese dringend zu schliessende Lücke füllen. Es ist sehr wichtig, dass auch Unternehmer sich in Bern engagieren und für den Werkplatz Schweiz kämpfen. Ich wurde für die Wahlen 2019 als Ständeratskandidat für den Ständerat Thurgau angefragt. Der zeitliche Aufwand hätte sich nicht mit meinen unternehmerischen Tätigkeiten vereinbaren lassen. Ich hätte meine unternehmerischen Aktivitäten massiv einschränken müssen.

Geht nicht, gibt’s nicht, heisst Ihr Motto.
Das gilt für mich als Unternehmer, nicht als Politiker.

«Ein Drittel habe ich bereits investiert in den Werkplatz Schweiz.»

Beim Börsengang haben Sie rund 1,4 Milliarden Franken Kasse gemacht?
Ich habe es nie nachgezählt, aber es ist in dieser Grössenordnung.

Wo investieren Sie dieses Geld?
Ein Drittel habe ich bereits investiert in den Werkplatz Schweiz. Es ist klar, dass ich in diverse Aktivitäten investiere, wo ich im Verwaltungsrat sitze und bereits beteiligt bin. Mein Hauptfokus ist aber nach wie vor Stadler.

Neben Stadler Rail sitzen Sie auch beim Textilmaschinenhersteller Rieter und beim Autozulieferer Autoneum im Verwaltungsrat und sind dort Grossaktionär mit 19,1 beziehungsweise 17,2 Prozent. Wollen Sie weiter in diese drei Unternehmen investieren?
Aebi Schmidt, European Lok Pool, Nordic Train gehören auch zu meinen Investitionen. Da gibt es eine Handvoll von Projekten, an denen wir derzeit arbeiten.

Wollen sie Aebi Schmidt, den Produzenten von Landwirtschafts- und Kommunalfahrzeugen, an die Börse bringen?
Momentan nicht. Was aber in fünf Jahren sein wird, weiss ich noch nicht.

«Meine Kernkompetenz liegt in der Fahrzeug- und Maschinenindustrie. Das ist meine DNA.»

Sie haben mit dem Privatbankier Christof Reichmuth die Leasinggesellschaft ELP für Bahnbetreiber gegründet. Diese Gesellschaft bestellt Lokomotiven bei Stadler Rail. Damit funktionieren Sie wie eine Bank.
ELP wird 1 Milliarden Franken in Lokomotiven investieren und sie an Bahnen und Logistikunternehmen verleasen. Bank Reichmuth in Luzern ist unser Partner. Ich habe auch schon Zugsflotten für Stadler-Kunden finanziert, etwa die Westbahn in Österreich.

In welchen Werkplatz Schweiz wollen Sie investieren?
Meine Kernkompetenz liegt in der Fahrzeug- und Maschinenindustrie. Das habe ich dreissig Jahre erfolgreich gemacht. Das ist meine DNA. Wenn ich in eine Maschinenfabrik hineingehe, kann ich in fünf Minuten sagen, ob sie gut oder nicht gut geführt ist. Dort, wo ich Erfahrung und Knowhow habe, will ich weiter investieren. Momentan will ich meine bestehenden Beteiligungen konsolidieren. Neue Investments schliesse ich nicht gänzlich aus.

(Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 19.09.2019, 16:18 Uhr

Mit 30 hat er das Unternehmen gekauft

Der 60-jährige Peter Spuhler ist Grossaktionär und Verwaltungsratspräsident des Zugbauers Stadler. Bis 2018 war er auch CEO des Unternehmens. Im Alter von 30 Jahren kaufte er das Unternehmen mit damals 18 Angestellten und einem Umsatz von 4,5 Millionen Franken. Heute beschäftigt Stadler 10 500 Mitarbeitende und erwartet für 2019 einen Umsatz von 3,5 Milliarden Franken.

Spuhler ist auch Grossaktionär und Verwaltungsrat des Textilmaschinenherstellers Rieter und des Autozulieferers Autoneum sowie Mehrheitsaktionär des Fahrzeugbauers Aebi Schmidt. Für die SVP sass er zwischen 1999 und 2012 im Nationalrat. Er ist mit der Bauunternehmerin Daniela Spuhler-Hoffmann verheiratet und hat drei Kinder. Der ehemalige Eishockeyspieler beim Grasshopper-Club Zürich wandert, taucht und fährt gerne Ski.

Spuhlers System erzeugt Wachstum

Der Auftragsbestand ist gewaltig. 14,4 Milliarden Franken betragen die Kundenaufträge für den Börsenneuling Stadler Rail, dem Hersteller von Schienenfahrzeugen. Allein im ersten Semester dieses Jahres sind Aufträge von insgesamt 2,3 Milliarden Franken im Zweiwochentakt eingegangen. Dabei sind Aufträge mit laufenden Einsprachen oder Verhandlungen zur Finanzierung noch nicht gebucht.

Mit dem Grossauftrag der Berliner Verkehrsbetriebe würde sich der Auftragsbestand auf mehr als 17 Milliarden Franken belaufen. Konkurrent Alstom hat allerdings Beschwerde eingelegt, weil die Vergabekammer des Landes eine Nachprüfung abgelehnt hatte. Es ist eine Frage der Zeit, bis Stadler den Auftrag verbuchen kann.

Dass die Aufträge weiter eintrudeln, dafür sorgt auch Peter Spuhler. So vergibt er als Investor Kredite an Bahnunternehmen, die einen Kauf finanziell nicht allein stemmen können, wie zum Beispiel die Westbahn in Österreich. Sie bestellt ihre Züge dann bei Stadler. Davon profitiert der Eisenbahnhersteller, aber auch Spuhler als Grossaktionär von Stadler. Mit seiner Leasinggesellschaft ELP, die er mit Christof Reichmuth hält, sorgt Spuhler für weitere Aufträge für Stadler. Je 500 Millionen Franken investieren die beiden in Lokomotiven, die sie dann an Bahnen und Logistiker verleasen. Damit hat Spuhler ein System installiert, das Wachstum erzeugt. 2020 soll der Umsatz von Stadler rund 4 Milliarden Franken betragen.

Öffentliche Transportmittel sind gefragt

Mit Aufträgen macht man noch keinen Gewinn. Doch die Bestellungen versprechen gleich hohe oder höhere Margen wie in der Vergangenheit. Mittelfristig hält das Unternehmen an einer Ebit-Marge von 8 bis 9 Prozent fest. Für 2019 senkte Stadler die Prognose für die Ebit-Marge allerdings von 7,5 auf 7 Prozent. Das wurde vor allem mit negativen Währungseinflüssen begründet sowie einer möglichen Strafzahlung in Grossbritannien, weil Stadler wegen eines Zulieferers Züge an East Anglia verspätet liefert.

Stadler hat gemäss Bloomberg-Daten die Kapitalkosten in den letzten Jahren übertroffen und schafft damit Aktionärswert. Ankeraktionär Peter Spuhler und sein System sprechen für die Titel. Angesichts von Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Klimawandel sind öffentliche Transportmittel mit guter Umweltbilanz immer gefragter. Im Vergleich mit dem Konkurrenten Alstom, der mit 8 Milliarden Euro Umsatz mehr als doppelt so gross ist, sind die Stadler-Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 für 2020 etwas günstiger als die Titel von Alstom mit 18. Ein Kauf der Stadler-Valoren dürfte sich auf lange Sicht lohnen.

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