So viel verdienen die Krankenkassenchefs

Die meisten Krankenkassen tun sich schwer mit der Salärtransparenz. Die KPT-Affäre könnte das ändern.

Der Spizenreiter: Manfred Manser, Konzernchef Helsana, verdiente letztes Jahr 660'000 Franken.

Der Spizenreiter: Manfred Manser, Konzernchef Helsana, verdiente letztes Jahr 660'000 Franken. Bild: Keystone

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Das umstrittene Beteiligungskonstrukt der KPT, das dem Management einen Geldsegen in Millionenhöhe bescheren soll, hat der Glaubwürdigkeit der ehemaligen Beamtenkasse und der gesamten Branche beträchtlichen Schaden zugefügt. Um nicht in die Abzockerecke gestellt zu werden, beeilen sich Spitzenvertreter anderer Krankenversicherer, den Abfluss an Prämiengeldern bei der KPT als einmaligen Sündenfall darzustellen.

Erstmals publik

Wie Recherchen des TA zeigen, hat die KPT-Affäre nun bei vielen Krankenversicherern ein Umdenken ausgelöst: Jetzt sind sie plötzlich bereit, das Versteckspiel mit den Kaderlöhnen aufzugeben. Fast alle Firmen erklären auf Anfrage, sie würden es begrüssen, wenn der Gesetzgeber für Lohntransparenz sorgte. Tenor: Wenn für alle Krankenversicherer die gleichen Massstäbe gelten, ist man gewillt, die Bezüge der obersten Kadermitglieder und des Verwaltungsrats offenzulegen.

Krankenversicherer, die sich bisher über ihre Lohnverhältnisse ausgeschwiegen haben, machen auf Anfrage des TA erstmals die Bezüge ihrer Chefs publik. So auch die vielgescholtene KPT: Laut Sprecher Reto Egloff verdiente Geschäftsleiter Christoph Bangerter letztes Jahr 430'000 Franken (inklusive variable Lohnbestandteile), Verwaltungsratspräsident Walter Bosch erhielt eine Entschädigung von 150'000 Franken. Gemessen an der Grösse des Unternehmens, sind die Löhne vergleichsweise hoch (siehe Tabelle).

Auch die Concordia zeigt sich erstmals bereit, die Saläre des obersten Kaders teilweise offenzulegen: Konzernchef Nikolai Dittli erklärt, er verdiene weniger als 400'000 Franken im Jahr, der Durchschnittslohn in der Konzernleitung liege unter 300'000 Franken.

Hohe Durchschnittssaläre

Die weitaus höchsten Gehälter unter den Krankenversicherern, die ihre Löhne ausweisen, kassieren die Chefs der Helsana-Gruppe – mit 1,3 Millionen Grundversicherten der grösste Krankenversicherer der Schweiz. Laut Geschäftsbericht verdiente der Ende Juni zurückgetretene Konzernchef Manfred Manser letztes Jahr 660'000 Franken – trotz eines Verlusts von 58 Millionen Franken. Der ebenfalls ausgeschiedene VR-Präsident und CVP-Ständerat Eugen David kam 2009 auf ein Jahressalär von 151'000 Franken.

Zum Vergleich: Bei der Swica, der Nummer drei unter den Krankenversicherern, verdienen die fünf Mitglieder der Geschäftsleitung im Schnitt nicht einmal halb so viel; auch die jährlichen VR-Entschädigungen liegen im Schnitt deutlich unter 100'000 Franken. Mit 350'000 Franken liegt auch das Durchschnittssalär der Mitglieder der CSS-Geschäftsleitung deutlich tiefer.

Umdenken bei Politikern

Noch immer verweigern einige der grössten Krankenversicherer die Einsicht in die Lohnverhältnisse an der Firmenspitze. Keine Angaben machen die Groupe Mutuel und die Assura. Groupe Mutuel erklärt, man stehe einer Veröffentlichung der Bezüge von Geschäftsleitungs- und VR-Mitgliedern im Bereich der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nicht ablehnend gegenüber. Dies allerdings nur unter der Bedingung, dass auch die medizinischen Leistungserbringer – also Ärzte, Kader der Spitäler und Apotheker – ihre Saläre offenlegen müssten, so Sprecher Christian Feldhausen.

Bislang hatte sich ein Grossteil der Krankenversicherer stets dagegen gewehrt, aussagekräftige Angaben über die Bezüge ihres Managements zu machen. Zumal keine Pflicht zur Lohntransparenz besteht: Das Gesetz schreibt den Versicherern lediglich vor, dass sie ihren Verwaltungsaufwand zu melden haben. «Erst wenn dieser Aufwand gegenüber dem Vorjahr stark abweicht, fragen wir bei der Kasse nach», sagt Daniel Dauwalder vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), das die Aufsicht über die Krankenkassen hat.

Auch die Politik nimmt einen neuen Anlauf, um das Versteckspiel der Krankenkassen zu beenden: Nachdem er in der KPT-Affäre eine unglückliche Figur gemacht hat, will SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner einer vollständigen Lohntransparenz bei den Krankenkassen zum Durchbruch verhelfen, wie der «Sonntagsblick» berichtete. Er kündigte an, er werde diesen Herbst eine entsprechende Motion einreichen. Noch im Juni war ein ähnlicher Vorstoss der Linken vor allem am Widerstand der bürgerlichen Parteien, und nicht zuletzt der SVP, im Nationalrat gescheitert.

Erstellt: 29.07.2010, 07:42 Uhr

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