Sogar Raiffeisen wird bei den Hypotheken vorsichtiger

Die Genossenschaftsbank wächst vor allem bei der Finanzierung von Renditeliegenschaften langsamer. Das Institut verdiente in den letzten sechs Monaten weniger.

Das Geschäft mit Hypotheken für Mehrfamilienhäuser soll künftig strenger reguliert werden. Foto: Urs Jaudas

Das Geschäft mit Hypotheken für Mehrfamilienhäuser soll künftig strenger reguliert werden. Foto: Urs Jaudas

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Es war in der Vergangenheit fast wie ein Naturgesetz: Die Raiffeisenbank legt bei der Immobilienfinanzierung jedes Jahr deutlich zu, und das jeweils stärker als der Markt. Nun wird die Bank erstmals vorsichtiger. Im ersten Halbjahr wuchs das Hypothekengeschäft um 2,4 Milliarden Franken, das entspricht einem Zuwachs von 1,5 Prozent. Verschiedene Kantonalbanken, etwa die Thurgauer, die St. Galler oder die Basellandschaftliche, steigerten ihre Volumen in den letzten Monaten stärker. «Wir gehen davon aus, dass wir im Gesamtjahr um rund 3 Prozent wachsen werden», sagt Raiffeisen-Chef Heinz Huber. Das entspricht ungefähr dem Marktwachstum und ist deutlich weniger als in früheren Jahren, als sie jeweils rund 4 Prozent zulegte.

Laut Huber trete die Bank ­bewusst auf die Bremse. Sie sei besonders bei den Renditeobjekten vorsichtiger geworden. Bei selbst bewohnten Liegenschaften sieht sie hingegen keine Risiken. Die Schweizerische Nationalbank und die Finanzmarktaufsicht (Finma) haben in den letzten Monaten deutlich vor Risiken im Geschäft mit Hypotheken für Mehrfamilienhäuser gewarnt. Andere Banken, wie etwa die UBS, haben schon vor Monaten damit begonnen, ihr Engagement in diesem Segment abzubauen.

Raiffeisen-Chef Heinz Huber tritt auf die Bremse. Foto: Keystone

Die Bankiervereinigung hat der Finma jüngst einen Vorschlag für strengere Selbstregulierungsmassnahmen vorgelegt, mit denen die Branche für einen robusteren Markt sorgen will. Die Belehnungshöhe soll von 90 auf 75 Prozent sinken und die Amortisationsdauer von 15 auf 10 Jahre verkürzt werden. Die Aufsicht dürfte in Kürze ihren Entscheid dazu fällen. Es wird in der Branche davon ausgegangen, dass sie die Eckpunkte durchwinkt.

Auch wenn Raiffeisen bremst: Die Bank ist mit einem Marktanteil von 17,5 Prozent weiterhin der grösste Immobilienfinanzierer der Schweiz. Das Hypothekengeschäft bleibt mit einem Anteil von rund 75 Prozent die wichtigste Einnahmequelle der Bank. Die Hypozinsen sind historisch tief, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Dadurch leidet die Zinsmarge, sie liegt bereits bei unter 1 Prozent. Wegen des tiefen Zinsniveaus ist laut Huber auch keine rasche Besserung in Sicht.

Die Schweizerische Nationalbank und die Finma haben deutlich vor Risiken im Geschäft mit Hypotheken für Mehrfamilienhäuser gewarnt. 

Auf das Ergebnis wirkte sich auch die «Neuausrichtung» aus. Damit meint die Bank die Aufräumarbeiten nach der Ära Vincenz sowie den Anspruch der Raiffeisen-Basis auf eine schlankere Zentrale, die sich auf ihre Kernaufgaben konzentriert.

Der Gewinn sank gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent. Dafür waren tiefere Beteiligungserträge verantwortlich. So ist die Dividende der Kreditkartenfirma Aduno kleiner, und die Bank führt zudem einen geplanten Abschreiber auf das neue IT-System im Umfang von 26 Millionen Franken durch. Schmerzhafter ist der Abschreiber auf die Beteiligung an der Zürcher IT-Firma Leonteq. Deren Wert wird um 38 Millionen Franken korrigiert. Es ist nicht der erste Abschreiber auf Leonteq. 2017 setzte Raiffeisen den Wert um 69 Millionen Franken herab. Die Bank wird aber ihren Leonteq-Anteil von 29 Prozent nicht verkaufen.

Stellenabbau kostet Geld

Neben Sondereffekten drückten höhere Personalkosten auf das Ergebnis. Der im April angekündigte Stellenabbau kostet vorerst Geld. Insgesamt sollen in der Raiffeisen-Zentrale rund 200 der etwas mehr als 2100 Arbeitsplätze wegfallen. Gegen 40 sind bereits gestrichen worden, dabei kam es zu 15 Entlassungen. Insgesamt sollen sich die Einsparungen bei Raiffeisen Schweiz auf 100 Millionen Franken belaufen. Die nach der Vincenz-Affäre vollständig erneuerte Geschäftsleitung soll bis Ende des Jahres komplettiert werden, so Huber. Bis dahin sollen die letzten beiden Vakanzen besetzt sein.

Vom ganzen Trubel der letzten Jahre liessen sich die Kunden nicht beeinflussen: Die Bank verzeichnet mit einem Plus von fast 5 Milliarden Franken einen starken Vermögenszufluss. 14'000 Kunden kamen neu zu Raiffeisen. Noch immer verfolgt die Bank keine Pläne, Negativzinsen an die Sparer weiterzugeben.

Erstellt: 22.08.2019, 12:46 Uhr

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