Sparer fürchten um Lehman-Anlagen

Böses Erwachen für Schweizer Bankkunden. In manchen Depots liegen Produkte der zusammengebrochenen Bank Lehman Brothers - meist ohne dass die Sparer davon wissen.

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Für Eliane C.* ist es ein Albtraum. Sie befürchtet, 10'000 Franken zu verlieren. Hart Erspartes. Eliane C. schwimmt nicht im Geld. Sie arbeitet als kaufmännische Angestellte. «Für mich ist das eine Riesensumme.»

Bei ihrer Hausbank, der Credit Suisse, hat sie die 10'000 Franken in ein strukturiertes Produkt investiert - auf Empfehlung ihrer Beraterin. Eliane C. bezeichnet sich selbst als Hasenfuss. Deshalb lege sie ihr Geld nur konservativ und sicher an. Das empfohlene Produkt habe sie nur gekauft, weil es mit einem vollen Kapitalschutz versehen war. Sie ging davon aus, im schlechtesten Fall das investierte Geld zurückzuerhalten.

Daran glaubt Eliane C. inzwischen nicht mehr. Von ihrer Beraterin erhält sie keine klare Auskunft. Sie habe aber angedeutet, dass die Credit Suisse für dieses Produkt nicht geradestehen wolle, da es von Lehman herausgegeben worden war.

Bern will Schäden decken

Auch die Berner Kantonalbank vermittelte strukturierte Produkte von Lehman - im Gegenwert von 50 Millionen Franken. Laut «Berner Zeitung» ist die Bank bereit, für einen allfälligen Schaden aufzukommen. Konzernchef Jean-Claude Nobili bestätigt: «In Fällen, in denen unsere Kunden ein Produkt mit Kapitalschutz eingekauft haben, sind wir moralisch verpflichtet, dafür geradezustehen.» Rechtlich müsste die Bank das nicht tun.

Strukturierte Produkte sind Schuldverschreibungen. Der Emittent, also der Herausgeber der Produkte, haftet für deren Erfüllung mit seinem ganzen Vermögen. Nur: Wie soll eine Bank - Lehman - haften, nachdem sie kollabiert ist?

Fast zynisch mutet vor diesem Hintergrund der Satz an, den der Schweizerische Verband für Strukturierte Produkte am Mittwoch verbreitet hat: «Der Verband hat keine Zweifel betreffend die Bonität seiner Mitglieder.» Gemeint ist damit auch Lehman. Die kollabierte Bank wurde von den Rating-Agenturen bis vor wenigen Tagen gut benotet.

Geschäftsführer Eric Wasescha verteidigt sich: «Wir können nicht als Verband die Rating-Agenturen anzweifeln. Sonst müssten wir selbst die Ratings machen.» Das sei aber nicht möglich. Im Übrigen hätte vor anderthalb Wochen niemand gedacht, Lehman könnte zusammenbrechen.

Wasescha gibt sich zudem überzeugt, dass keiner einen grossen Schaden erleidet, der sich an die Empfehlungen seines Verbandes gehalten hat. Sie hätten immer geraten, bei den strukturierten Produkten nicht nur auf einen Emittenten zu setzen. Wie etwa bei Obligationen sei es wichtig, das Risiko zu verteilen. Eliane C. hat sich daran gehalten. Ein Verlust von Tausenden von Franken geht für wenig Begüterte dennoch ans Eingemachte.

CS informiert Kunden nicht

Der Verband für Strukturierte Produkte denkt jetzt darüber nach, Lehman auszuschliessen. Das ist aber nach Wasescha nicht so einfach. Man prüfe die Situation. Das dürfte aber kaum mehr sinnvoll sein. Wasescha selbst sagt: «Wenn es Lehman nicht mehr gibt, ist die Bank automatisch auch nicht mehr Mitglied bei uns.»

Die Credit Suisse hat übrigens Eliane C. bis gestern nicht über das Schicksal ihres Lehman-Produkts informiert. Leicht verbittert meint sie: «Man muss selber merken, dass man nichts mehr hat.»

* Name der Redaktion bekannt.

Erstellt: 19.09.2008, 07:51 Uhr

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