Staranwälte für Adoboli

Der frühere Händler der UBS in London musste heute vor Gericht erscheinen. Seine Hoffnungen ruhen auf einer Anwaltskanzlei, die bereits den Börsenzocker Nick Leeson und Diktator Augusto Pinochet verteidigte.

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Die Londoner Anwaltskanzlei Kingsley Napley gehört zu den Topadressen für schwierige und spektakuläre Fälle in Grossbritannien. Vor allem Prominente und Wohlhabende suchen den Rat der 1937 gegründeten Anwaltskanzlei mit heute knapp 50 Partnern. Kingsley Napley hat keine Mühe damit, die Namen von einigen prominenten Klienten preiszugeben. Auf ihrer Webseite erwähnt die Anwaltskanzlei zum Beispiel Börsenhändler Nick Leeson, Verleger Ian Robert Maxwell und General Augusto Pinochet: Das waren Klienten aus den Achtziger- und Neunzigerjahren.

Hinzu kamen im letzten Jahrzehnt beispielsweise der Spitzenfussballer John Terry von Chelsea, Rebekka Brooks, Ex-Managerin des Murdoch-Konzerns News International, sowie Gerry und Kate McCann, die Eltern der vermissten Maddie – und nicht zuletzt Kweku Adoboli, Ex-Trader der UBS und mutmasslicher Milliardenbetrüger.

Fall Leeson: Gefängnisstrafe von sechseinhalb Jahren

Aufsehenerregend auch ausserhalb Grossbritanniens waren insbesondere die Fälle Leeson und Pinochet. Im Fall des chilenischen Diktators gelang es den Anwälten von Kingsley Napley vor Gericht, die Auslieferung des Ex-Generals von London nach Spanien zu verhindern. Damals, Ende der Neunzigerjahre, hatte der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón versucht, Pinochet wegen Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen. Weil er schwer krank gewesen sein soll, konnte Pinochet in seine Heimat reisen.

Auf grosses Interesse der Öffentlichkeit stiess auch der Prozess gegen Leeson, der schliesslich zu einer Gefängnisstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt wurde. Leeson hatte Anfang 1995 in Singapur durch Wetten auf den Nikkei-Index und japanische Staatsanleihen die britische Barings Bank, die älteste Investmentbank der Insel, in die Pleite gezockt. Der verurteilte Börsenhändler wurde 1999 wegen seiner Krebserkrankung vorzeitig aus der Haft entlassen.

Fall Adoboli: Vorwurf des Betrugs und der Bilanzfälschung

Wie Leeson vor rund 15 Jahren lässt sich nun der einstige UBS-Händler Kweku Adoboli von der Anwaltskanzlei Kingsley Napley verteidigen, wie das Finanznachrichtenportal «Bloomberg Businessweek» berichtete. An der Seite des 31-jährigen Traders steht die renommierte Rechtsanwältin Louise Hodges.

Die Anklage wirft Adoboli vor, mit riskanten und von der Schweizer Grossbank nicht autorisierten Geschäften umgerechnet rund 1,85 Milliarden Franken verzockt zu haben. Er soll sich des Betrugs und der Bilanzfälschung schuldig gemacht haben. Der mutmassliche Milliardenbetrüger musste heute erstmals vor dem Southwark Crown Court in London zu einer Anhörung erscheinen. Dort werden nur schwerste Verbrechen verhandelt. Im anstehenden Verfahren geht es zunächst um die Frage, ob sich Adoboli schuldig bekennt oder ob er auf unschuldig plädiert. Im Falle einer Verurteilung drohen dem einst aufstrebenden UBS-Trader mehrere Jahre Haft. (vin)

Erstellt: 22.11.2011, 14:10 Uhr

Adoboli bleibt in U-Haft

Der Händler, der mit seiner Zockerei bei der Grossbank UBS einen Milliardenverlust verursacht haben soll, bleibt bis am 20. Dezember in Untersuchungshaft. Dies hat das zuständige Gericht in London entschieden.

Der 31-Jährige sollte vor einem Crown Court in London eigentlich auf «schuldig» oder «nicht schuldig» plädieren. Das Verfahren wurde jedoch für vier Wochen vertagt und soll nun am 20. Dezember fortgesetzt werden.

Der ehemalige UBS-Händler war in grauem Anzug und blauer Krawatte vor den Richtern erschienen. Als einzige Aussage bestätigte er bisher seine Identität. In früheren Anhörungen liess er über seinen Anwalt erklären, dass er nicht in Worte fassen könne, wie sehr er bedauere, was passiert sei. Er stehe den Folgen seiner Fehlkalkulationen fassungslos gegenüber.

Dem Sohn eines UNO-Diplomaten aus Ghana wird unter anderem vorgeworfen, seine Position als Händler bei der UBS ausgenutzt zu haben. Um von sich abzulenken, soll er zudem falsche Angaben gemacht haben. Die mutmasslichen Betrügereien flogen Mitte September auf. Nun muss er mit einer Anklage wegen Betrug in zwei Fällen sowie Urkundenfälschung rechnen.

Der Skandal führte bei der UBS letztlich zu einem Handelsverlust von 1,8 Milliarden Franken. Trotzdem konnte sich die UBS im dritten Quartal in den schwarzen Zahlen halten. Allerdings hatte der Fall personelle Konsequenzen: Der damalige Konzernchef Oswald Grübel nahm den Hut.

Der Händler hatte bei der UBS im Rang eines Direktors im Handel mit Exchange Traded Funds (ETF) gearbeitet. Wie es genau zu diesem Verlust kam und warum die UBS-Kontrollsysteme offenbar versagten, ist noch nicht klar. Die Ermittlungsbehörden wie auch die Bankenaufsicht untersuchen den Fall noch. Die UBS selbst kann nach eigenen Angaben mit Rücksicht auf die amtlichen Ermittlungen die Ergebnisse einer internen Untersuchung nicht veröffentlichen. (vin/sda)

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Sie verteidigt Kweku Adoboli: Louise Hodges.

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