Stellenabbau bei der Migros

Der Detailhändler will sparen und streicht in den nächsten drei Jahren 290 Jobs. Damit geht jede neunte Stelle in der Konzernzentrale verloren.

Migros-CEO Fabrice Zumbrunnen an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich am 27. März 2018.

Migros-CEO Fabrice Zumbrunnen an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich am 27. März 2018. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Nach dem Gewinneinbruch im 2017 greift der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen hart durch: Rund 290 Stellen werden in den nächsten drei Jahren gestrichen. Damit geht jede neunte Stelle in der Konzernzentrale verloren.

Der Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) werde seine Organisation und die internen Abläufe in den zentralen Verwaltungsbereichen vereinfachen, teilte der «orange Riese» am Freitag in einem Communiqué mit. Betroffen seien etwa die Abteilungen IT, Personal, Kommunikation, Marketing oder Finanzen, sagte Sprecher Luzi Weber auf Anfrage.

«Leider lässt sich eine Kündigung von 70 Arbeitsstellen nicht vermeiden», schrieb die Migros. Weitere 70 Jobs habe man bereits seit Anfang Jahr durch die natürliche Fluktuation gestrichen, weil Leute gegangen seien. Überdies könne ein wesentlicher Teil des Abbaus durch frühzeitige Pensionierungen und Pensenreduktionen aufgefangen werden.

11 Prozent der Arbeitsplätze

Für den Fall von Kündigungen habe man einen Sozialplan erarbeitet, um die Auswirkungen abzufedern. Ziel sei es, für die betroffenen Mitarbeitenden nach Möglichkeit innerhalb der Migros-Gruppe eine neue Anstellung zu finden. Bei Bedarf sehe der Sozialplan weitreichende Unterstützungsleistungen vor.

«Ich bin mir bewusst, das ist für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Schock. Für sie beginnt eine belastende Zeit. Es ist mir deshalb wichtig, dass die Betroffenen durch uns gut und professionell betreut werden», erklärte Zumbrunnen. Die Migros stehe zu ihrer sozialen Verantwortung.

290 Stellen sind 11 Prozent aller Arbeitsplätze, heute beschäftigt die Genossenschaftszentrale rund 2700 Mitarbeitende. Die Kürzungen sind Teil des Effizienzplans Fast Forward. Wie hoch die Einsparungen sein werden, dazu macht Migros keine Angaben, laut «Handelszeitung» soll der Sparplan 120 Millionen Franken einbringen.

Erste Rosskur seit langem

Dies ist ein harter Schlag für die Konzernzentrale des «orangen Riesen». Die letzte grössere Reorganisation im MGB liege rund 14 Jahre zurück, sagte Weber. Der Einschnitt kommt nicht überraschend. Die «Handelszeitung» hatte vor 8 Tagen über die Pläne berichtet.

Insgesamt beschäftigt der Migros-Genossenschafts-Bund 2'700 Mitarbeiter. Der allergrösste Teil davon arbeite am Hauptsitz am Limmatplatz, sagte Weber. Der MGB ist das zentrale Dienstleistungsunternehmen der Migros-Gruppe.

Mit der Restrukturierung wolle der MGB der Verlagerung des Detailhandels von den Läden ins Internet sowie der zunehmenden Konkurrenz durch internationale Online-Anbieter die Stirn bieten, hiess es. Wie viele Kosten dadurch gespart würden, wollte Sprecher Weber nicht sagen.

Es handle sich aber nicht nur um eine Sparübung. «Durch die Massnahmen will der MGB nach drei Jahren mit rückläufigen Gewinnen nicht Kosten sparen, sondern mehr Mittel für Investitionen in Zukunftsfelder freisetzen», schrieb der Detailhandelskonzern. In diesen Bereichen, die in einem weiteren Schritt evaluiert und ausgebaut werden, wolle die Migros wieder neue Stellen schaffen.

Gewinneinbruch im 2017

Im vergangenen Jahr erlitt der Detailhandelsriese trotz einem Rekordumsatz einen Gewinneinbruch um knapp ein Viertel auf 503 Millionen Franken. Letztmals tiefer war der Reingewinn im Jahre 2003 mit 372 Millionen Franken gewesen.

Im laufenden Jahr will die Migros wieder mehr verdienen. «Der Gewinn muss steigen. Niemand kann mit diesem Ergebnis zufrieden sein», hatte Zumbrunnen im März an der Bilanzmedienkonferenz gesagt. Dabei hilft, dass die Wertberichtigungen, die 2017 einmalig aufs Ergebnis gedrückt hatten, 2018 nicht mehr anfallen.

Investitionen ins Internet

In die Digitalisierung will die Migros weiterhin investieren. Dort gebe es ein grosses Wachstumspotential, hatte Zumbrunnen gesagt. Man wolle der grösste Onlinehändler der Schweiz bleiben. Im Internet kratzt die Migros beim Umsatz an der Marke von 2 Milliarde Franken.

Möglichkeiten für Synergien sieht Zumbrunnen beim Online-Angebot, nicht zuletzt beim Marktplatz Digitec Galaxus, wie er vor kurzem sagte. Der Fachmarkt SportXX habe etwa eine Strategie, die das Online- mit dem Ladenangebot verbinde. Gleichzeitig könne SportXX aber auch auf dem Marktplatz Galaxus vorteilhaft positioniert werden.

Das Internetparadepferd der Migros-Gruppe, Digitec Galaxus, will heuer die Marke von 1 Milliarde Umsatz knacken. Im vergangenen Jahr hatte der Onlinehändler den Umsatz um fast ein Fünftel auf 861 Millionen Franken gesteigert.

Die Migros Gruppe ist mit rund 105'000 Mitarbeitenden der grösste private Arbeitgeber der Schweiz. Der genossenschaftliche Konzern besteht aus 10 Regionalgesellschaften wie Migros Aare, die mit ihren Supermärkten rund 60 Prozent des Umsatzes von zuletzt 28 Milliarden Franken erwirtschaften. 40 Prozent der Einnahmen stammen von der Sparte Handel, zu der Denner, Globus und der Onlinehändler Digitec Galaxus zählen. Der dritte Bereich ist die Sparte Industrie mit den Unternehmen Micarna (Fleisch), Frey (Süsswaren) oder Elsa (Milchprodukte), welcher 21 Prozent vom Umsatz beisteuert. (sep/ali/sda)

Erstellt: 29.06.2018, 09:01 Uhr

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