Strafuntersuchung gegen Sonova

Andy Rihs wurde polizeilich befragt, Staatsanwalt setzte Ex-Manager in U-Haft und beschlagnahmte Akten. Nicht so bei Rhis selbst.

Musste der Polizei Auskunft geben: Sonova-Verwaltungsrat Andy Rihs.

Musste der Polizei Auskunft geben: Sonova-Verwaltungsrat Andy Rihs. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wegen Verdacht auf Insiderhandel hat die Staatsanwaltschaft Zürich eine offizielle Strafuntersuchung eingeleitet. Dies teilte sie gestern Abend mit. Dabei kam es auch zu Verhaftungen. So wurden Sonova-Ex-CEO Valentin Chapero und Ex-Finanzchef Oliver Walker am Donnerstag in Untersuchungshaft gesetzt; inzwischen wurden sie freigelassen. Andy Rihs, langjähriger Sonova-Verwaltungsratspräsident, wurde am Donnerstag zur polizeilichen Befragung vorgeladen. Beim Hörgerätehersteller Sonova sowie zu Hause bei den verhafteten ehemaligen Managern kam es zu Hausdurchsuchungen, und es wurden Akten beschlagnahmt. Nicht so bei Andy Rihs.

Ausgelöst wurde das Strafverfahren dadurch, dass das Management und Andy Rihs kurz vor der Bekanntgabe einer Gewinnwarnung Aktien und Optionen in Millionenhöhe verkauften. Die grösste Transaktion tätigte Rihs. Er verkaufte am 8. März 300'000 Sonova-Aktien für 35 Millionen Franken. Inzwischen hat er die Aktien wieder zurückgekauft und trotz Kursrückgang 200'000 Franken draufgelegt. Ursache für die Gewinnwarnung war ein schleppender Absatz von Hörgeräten im Januar und im Februar dieses Jahres. TA-Recherchen zeigen, wie Sonova mit den schlechten Zahlen umging.

Kannte Rihs die Bad News?

Bereits im Januar lief das Geschäft nicht so rund wie gewohnt. Intern fragte man sich, ob man eine Pressemitteilung über den Geschäftsgang machen müsse, sah aber davon ab, weil es in der Geschichte von Sonova des Öfteren zu einzelnen schlechten Verkaufsmonaten kam. Die nächste Umsatzmeldung aus dem Controlling kam am Abend des 2. März. Zu diesem Zeitpunkt waren mehrere Sonova-Manager mit dem Verkauf von Optionen beschäftigt. Diese Umsatzmeldung zeigte, dass die Verkäufe von Sonova weit unter dem erwarteten Niveau lagen. Am 4. März kam ein detaillierter Verkaufsbericht, der dies bestätigte.

Finanzchef Oliver Walker war bereits am 2. März informiert. CEO Valentin Chapero erhielt die Bad News von Walker kurze Zeit später und meldete Zweifel an, ob die Daten wirklich korrekt seien. Er entschied, dass erst einmal die Zahlen überprüft werden sollten und dass der Kreis der Datenempfänger beschränkt werde. Gemäss gut informierten Quellen hat Walker nach dem 2. März nicht mehr mit Aktien gehandelt. Ob Chapero danach Verkäufe tätigte und wer von der Geschäftsleitung die Zahlen noch kannte, ist unklar.

Warnung vor grösseren Aktienverkäufen

Am brisantesten sind die Verkäufe von Rihs. Hier passierte Erstaunliches: Am 7. März telefonierte der persönliche Assistent von Rihs mit Walker. Er sagte, dass Rihs gerne Aktien verkaufen würde, und erkundigte sich, ob Walker einen Käufer kenne. Und tatsächlich, ein Kunde der Bank am Bellevue hatte Ende Februar beim Sonova-Finanzchef Interesse angemeldet. Strittig ist, ob Walker im Gespräch mit dem Assistenten von Rihs davor gewarnt hat, grössere Aktienverkäufe durchzuführen, und was genau er von den schlechten Zahlen von Sonova erzählt hat. Jedenfalls informierte Walker noch am selben Tag die Bank am Bellevue über die Verkaufsabsichten von Rihs. Am 8. März fand der Deal statt. Offiziell informiert wurde der Verwaltungsrat am 10. März. Am 15. März kam die Gewinnwarnung, und die Sonova-Aktie brach um 25 Prozent ein. Sonova-Sprecher Sacha Wigdorovits bestätigt im Wesentlichen die Darstellung des TA. Für ihn ist damit erwiesen, dass Rihs keine Schuld trifft: «Wenn Oliver Walker den Family Office Manager von Andy Rihs gewarnt hat, weshalb hat er ihm dann noch am gleichen Tag einen Käufer für sein Aktienpaket vermittelt? Und weshalb hat er nicht intern eine Handelssperre verhängt?» Walker wollte keine Stellung nehmen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2011, 00:13 Uhr

Artikel zum Thema

Andy Rihs kauft Aktien zurück

Heute ist die Sonova-Spitze zurückgetreten, weil sie missbräuchlich Aktien verkauft haben soll. Ex-Präsident Andy Rihs hat das Millionenpaket nach eigenen Angaben bereits wieder aufgekauft. Mehr...

Die heiklen Deals des Andy Rihs

Der Gründer und Grossaktionär verkaufte Sonova ein Grundstück und baute für die Firma eine Fabrik. Wie potenzielle Interessenkonflikte vermieden wurden, will die Hörgerätefirma nicht offenlegen. Mehr...

Verrückt oder verantwortungslos?

Sonova-Patron Andy Rihs ist ein Gefühlsmensch. Einer, der allem nachjagt, was ihn zu begeistern vermag. Und lebt seine Launen auch in Bereichen aus, von denen er «überhaupt nichts versteht». Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...