Hintergrund

Streit um exotisches Salz

Anbieter von Salzspezialitäten klagen über die Importpraxis der Schweizer Rheinsalinen, durch die das Produkt massiv verteuert wird. Die Rheinsalinen pochen auf ihr Monopol.

Je exotischer, desto besser: Salzproduktion in Serbien.

Je exotischer, desto besser: Salzproduktion in Serbien. Bild: Keystone

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Von Richard Kägis Beruf träumt der Feinschmecker. Kägi bereist die Welt und sucht nach Spezialitäten aus kleinen, traditionellen Betrieben. Kägi ist Foodscout bei Globus. Was er aufspürt, landet im Erfolgsfall später bei Globus Delicatessa als Exklusivität im Regal. Dazu gehört auch Speisesalz. Allerdings nicht das profane Salz aus heimischen Salinen, sondern beispielsweise Salz aus dem Himalaja, blaues persisches Salz oder Salzflocken aus Zypern.

Hat Kägi ein neues Produkt aufgestöbert, verhandelt er mit dem Hersteller über die Liefermodalitäten, also Preise, Qualität, Verpackungen usw. Werden beide Seiten handelseinig, muss der Foodscout bei der Schweizer Rheinsalinen AG (SRS) eine Importbewilligung einholen. So sieht es das Salzregal vor, das die SRS verwaltet und das ihr das Monopol in der Schweiz einräumt.

«Uns ging wegen der Rheinsalinen viel Geld durch die Lappen»

Im besten Fall erhält Kägi die Importgenehmigung gegen eine bescheidene Gebühr. Im schlechten Fall teilen ihm die Rheinsalinen mit, dass sie das von ihm entdeckte Salz importieren werden. Für Globus heisst das: Die Exklusivität ist dahin, weil nun auch Konkurrenten das Salz beziehen können. Und das Salz wird massiv teurer, weil die SRS eine Gebühr draufschlägt, die von einigen Rappen bis zu 30 Franken pro Kilo reichen kann, je nach Herkunft des Salzes. «Nicht nachvollziehbar» sei diese Gebührenordnung, kritisiert Kägi. Was ihn nicht minder ärgert: Die SR übernehmen praktisch zum Nulltarif die gesamten Vorleistung des Foodscouts. Seit Herbst 2006 bietet die SRS exotische Spezialitäten dem breiten Publikum auch in ihrem eigenen «Salzladen» an. Und dann gibt es noch den schlechtesten Fall: Die SRS entzieht einem Importeur plötzlich die Bewilligung. Auch hier ist die Exklusivität mit einem Schlag im Eimer, und das Produkt verteuert sich für den Konsumenten.

Kägi ist nicht der Einzige, der sich «in einer Dauerfehde» (Kägi) mit den Rheinsalinen befindet. Mit den gleichen Problemen kämpfen Firmen wie die Neuenschwander AG in Bern, die für Dritte Spezialitäten im Ausland aufspürt und importiert. Der Zuger Anwalt Jost Windlin, der an Neuenschwander beteiligt ist, sucht seit langem nach juristischen Wegen, um gegen die Entscheide der SRS vorzugehen. «Sie nehmen uns die Informationen über Spezialsalze weg und machen dann das Geschäft», kritisiert er. Frustration ist auch bei einer kleinen Innerschweizer Firma zu spüren, die sich auf die Herstellung von Gewürzmischungen spezialisiert hat. Das noch junge Leitungsteam, das lieber anonym bleiben möchte, hatte von einem Grossverteiler das Angebot erhalten, eine Salzspezialität zu importieren. «Wir entwarfen ein fixfertiges Konzept, dann kamen die Rheinsalinen und verweigerten uns die Importbewilligung. Uns ging dadurch viel Geld durch die Lappen», klagt einer der Mitbesitzer.

Der Fall Badesalz

Nicht nur beim Salz auf dem Tisch sorgen die Rheinsalinen für rote Köpfe. Auch das Salz im Badewasser ist betroffen. Das zeigt das Beispiel der Powder Company (TPC) in Einsiedeln, die letzten Herbst die Importbewilligung für Meersalz verlor, das ihr die SRS seit 2005 gewährt hatte (TA vom 17. Januar 2012). Das Unternehmen mit rund 45 Mitarbeitenden beliefert Markenhersteller wie Nivea und Nestlé, Grossverteiler wie die Migros sowie diverse deutsche Drogeriehandelsketten mit Puderprodukten und Badesalzen. Wegen der grossen Nachfrage und gestützt auf die Importbewilligung investierte TPC «mehrere Hunderttausend Franken» in neue Maschinen, so Verwaltungsratspräsident Felix Matter. 90 Prozent der Produktion geht in den Export.

Nach dem Aus für die Importbewilligung muss das Einsiedler Familienunternehmen das Meersalz über die Rheinsalinen beziehen, was laut Matter folgende Konsequenzen hat: Der Salzpreis liegt nun 30 bis 50 Prozent höher. Dies bei einem Produkt, für das der Endkonsument im Ausland weniger als einen Euro zu bezahlen bereit sei und wo deshalb bereits wenige Cents darüber entscheiden, ob TPC den Auftrag erhält oder ein Konkurrent. Die Aufhebung der Importbewilligung fiel laut Matter zudem mit dem schwachen Euro zusammen, der den Margendruck auch erhöhte.

Die Hoffnung noch nicht aufgegeben

Die SRS begründete den «willkürlichen Entscheid» (Felix Matter) damit, dass man alle Käufer von Meersalz zu Badezwecken gleich behandeln müsse. Für Matter ist das nicht nachvollziehbar, weil der allergrösste Teil der Produktion in den Export geht und TPC im Inland nicht unter eigenem Namen verkauft. Auf den Vorschlag von TPC, den Inlandabsatz für die Regalabgabe gesondert auszuweisen, trat die SRS nicht ein. TPC leidet noch unter einem anderen Nachteil: Ausländische Konkurrenten kaufen das Meersalz nicht nur viel billiger ein, sie können es nach der Veredelung auch viel günstiger in die Schweiz liefern, weil der Schweizer Importeur in diesem Fall keine teure Regalabgabe auf dem Badesalz entrichten muss. Interessant in diesem Zusammenhang sind die Zollvorschriften: Produkte, die zu Veredelungszwecken in die Schweiz eingeführt werden, sind zollprivilegiert.

Noch hat Matter die Hoffnung nicht aufgegeben. Die TPC hat ihr Importgesuch beim Konkordatsrat eingereicht. In diesem Aufsichtsgremium sitzen allerdings die Kantonsvertreter, also die SRS-Aktionäre und finanziellen Nutzniesser des Salzmonopols. Der TPC wurde ein Entscheid im September in Aussicht gestellt. Auch wartet man in Einsiedeln gespannt auf den Besuch des seit Juni neu amtierenden SRS-Direktors Urs Hofmeier, der zuvor bei der deutschen Firma Linde Healthcare gearbeitet hatte.

Bereits erteilte Importbewilligungen sind nicht zurückgenommen worden

Auf Anfrage des TA verteidigt der Neue die bestehende Politik der SRS. Die «stark zunehmende» Zahl von Importgesuchen seit Ende der Neunzigerjahre und die entsprechende Erteilung von Importbewilligungen hätten «teilweise zur Bildung von missbräuchlichen Untermonopolen und damit zu widerrechtlichen Wettbewerbsverzerrungen» geführt. Gemeint sind die exklusiven Lieferverträge, die Kägi & Co. mit irgendwelchen oftmals kleinen Salzbauern in Griechenland, Südafrika oder auch in Südamerika abschliessen. 2008 änderte die SRS deshalb ihre Praxis und zwang die Marktteilnehmer, die gewünschten Salzspezialitäten über die Rheinsalinen zu beziehen. Hofmeier betont gegenüber dem TA, dass keine bereits erteilten Importbewilligungen zurückgenommen worden seien. Dem widersprechen Marktteilnehmer.

«Marktübliche» Zuschläge

Die von der SRS erhobenen Zuschläge, die von Betroffenen als «nicht nachvollziehbar» kritisiert werden, umschreibt Hofmeier als «marktüblich». Damit würden die «Kosten für Import, Lagerhaltung, Qualitätskontrolle und Administration» finanziert.

Bleibt die Frage, weshalb die SRS auf das Salzmonopol in einem für sie vernachlässigbaren Nischenmarkt pocht. Der Import von exotischen Salzen für den Verkauf im Detailhandel macht laut SRS gerade mal ein bis drei Prozent des gesamten Geschäfts aus. «Eine Teilliberalisierung des Salzregals für Speisesalzspezialitäten wurde wiederholt diskutiert und als nicht umsetzbar verworfen», erklärt Urs Hofmeier.

Erstellt: 06.08.2012, 07:13 Uhr

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