Süsser Zahltag für die Aktionäre

An der Generalversammlung dankt Lindt & Sprüngli den Aktionären mit einem Koffer voll Schokolade. Das scheint als Magnet zu funktionieren.

Da schmilzt jede Zurückhaltung dahin: Die Versuchung, die Aktionäre an die GV von Lindt & Sprüngli lockt.

Da schmilzt jede Zurückhaltung dahin: Die Versuchung, die Aktionäre an die GV von Lindt & Sprüngli lockt. Bild: Sophie Stieger

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Wer eine Lindt-Aktie kaufen will, muss viel Geld in die Hand nehmen: Gestern kostete die Namenaktie 32'760 Franken, der Partizipationsschein immerhin 2820 Franken. Es kann sich also glücklich schätzen, wer eines dieser Papiere geerbt oder früher zu tieferen Kursen gekauft hat. Seit 1992 ist die Namenaktie von 2800 auf 30 100 Franken gestiegen.

Für den Aktionär, der Süssem nicht abgeneigt ist, hat das Glücksgefühl eine zusätzliche Dimension. An der Generalversammlung der Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli, wie die Aktiengesellschaft offiziell noch immer heisst, gibt es für alle stimmberechtigten Aktionärinnen und Aktionäre ein «Bhaltis» (für jene, die mit dem Mundartbegriff nichts anfangen können: ein «Bhaltis» ist ein Geschenk – etwas, das man behalten kann). Dieses «Bhaltis» hat es in sich: Der blaue Kartonkoffer im Format eines grossen Aktenkoffers ist prall gefüllt mit rund 4 Kilo exklusiven Tafeln, Kirschstengeli, Lindor-Kugeln und Mini-Pralinés des «Maître Chocolatier». Wert zu Verkaufspreisen: 130 bis 140 Franken.

Vollmacht für das «Bhaltis»

Das «Bhaltis» ist begehrt und beliebt – und bei Lindt ein eigenes Merkblatt wert, das dieses Jahr auffälliger und grösser als bisher ist. «Die Zahl unserer Aktionäre ist auf über 18 000 gestiegen», sagt Sprecherin Sylvia Kälin. Wie andere grosse Gesellschaften sende man den Aktionären deshalb nicht mehr den Geschäftsbericht und alle Dokumente zur Generalversammlung zu, sondern nur noch eine Einladung mit den Traktanden, ein Anmeldeformular – und das besagte farbige Merkblatt.

Darin wird minutiös geregelt, wer wie und wann das begehrte Schoggipaket erhält. Der Aktionär, der an die Generalversammlung (GV) geht, kriegt bei der Zutrittskontrolle im Zürcher Kongresshaus einen «Bhaltis»-Gutschein, den er nach dem Anlass einlösen kann. Wer eine schriftliche Vollmacht hat, kann das Paket auch für andere Aktionäre abholen. Und wer nicht an der GV teilnimmt, kann seine Stimme via Vollmachterteilung an den unabhängigen Stimmrechtsvertreter oder den Organvertreter abgeben – und erhält dann das «Bhaltis» per Post. Aktionäre im Ausland gehen leer aus – es sei denn, sie verfügen über eine Korrespondenzadresse in der Schweiz.«Wir honorieren jede Stimmabgabe, wie auch immer sie erfolgt», sagt Sprecherin Kälin. Dennoch gehört die GV des Herstellers von Premium-Schokolade zu den bestbesuchten. In der Regel strömen rund 3500 Aktionäre in die Säle des Zürcher Kongresshauses, es seien auch schon 4700 gewesen, die meisten davon Kleinaktionäre, sagt Kälin.

Auch Barry Callebaut dankt

Zum Vergleich: Die GV des ebenfalls in Zürich beheimateten Konzerns Barry Callebaut, der die Nahrungsmittelindustrie, Gastronomie und das Bäckereigewerbe mit Schokoladeprodukten beliefert, zog letzten November 1145 Aktionäre an. Auch diese Anteilseigner gehen jeweils nicht mit leeren Händen nach Hause. Laut Sprecher Raphael Wermuth erhalten sie rund 5 Kilo feine Schokolade aus dem Gourmet-Segment. Heiss geliebt sei auch das erstklassige Dessertbuffet, letztes Jahr kreiert vom Schweizer Dessertkönig und Barry-Callebaut-Marken-Ambassador Rolf Mürner.

Nestlé ist nüchterner: Der Lebensmittelgigant, zu dem auch die Schokolademarke Cailler gehört, händigt keine Geschenke an die Teilnehmer der GV aus. Nach der Versammlung lädt der Konzern laut Sprecherin Melanie Kohler zu einem Imbiss ein, «wo die Aktionäre die Gelegenheit haben, Nestlé-Produkte kennen zu lernen und zu degustieren».Mit 2659 Aktionären war die GV von Nestlé vor zwei Wochen deutlich schlechter besucht, als es jene von Lindt in der Regel ist. Das dürfte allerdings nicht nur am fehlenden «Bhaltis» liegen: Das Nestlé-Aktionariat ist weit internationaler als jenes von Lindt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.04.2011, 23:13 Uhr

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