Hintergrund

Swiss Casinos versuchen ihr Glück in Österreich

Der grösste Glücksspielanbieter der Schweiz interessiert sich für sechs Casino-Standorte in Österreich. Es winkt ein Umsatz von fast 120 Millionen Euro.

Immer mehr Bieter scharen sich um die zu vergebenden Casino-Lizenzen in Österreich, darunter auch die Swiss Casinos: Spieler im Grand Casino St. Gallen.

Immer mehr Bieter scharen sich um die zu vergebenden Casino-Lizenzen in Österreich, darunter auch die Swiss Casinos: Spieler im Grand Casino St. Gallen. Bild: Keystone

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«Faites vos jeux» heisst es jetzt in Österreich. Das Nachbarland hat insgesamt 16 Glücksspielkonzessionen EU-weit zu vergeben: für 15 Casinos und eine Pokerlizenz. Sechs Spielbanklizenzen laufen Ende 2012 aus, um diese geht es jetzt. Sechs weitere laufen erst Ende 2015 aus. Drei weitere Casino-Lizenzen werden komplett neu vergeben und zudem eine Pokerlizenz. Casinos Austria und der österreichische Spielautomatenhersteller Novomatic haben ihre Gesuche für die ersten sechs Lizenzen bereits formuliert. Der Automatenbetreiber Gauselmann aus Deutschland interessiert sich ebenfalls für die Lizenzen.

Jetzt prüft auch Swiss Casinos die Expansion ins Ausland. Europäische Bieter aus dem EU-Ausland sind explizit zugelassen, somit auch aus der Schweiz. «Wir prüfen das Angebot, unser Anwalt hat bereits die Papiere erhalten. Wir stehen in Verbindung mit dem österreichischen Finanzministerium», sagt Erwin Cresta, Projektleiter bei den Swiss Casinos. Vor allem Bregenz ist für die Swiss Casinos interessant, «das liegt in unserem Marktgebiet».

Bregenz im Fokus

Unter den genannten Standorten ist Bregenz nicht nur geografisch für die Schweizer interessant: Laut Geschäftsbericht der Casinos Austria, die nur noch bis Ende 2012 exklusive Inhaber der Casino-Lizenzen sind, führt das Casino Bregenz auf Platz eins aller österreichischen Casinos mit einem Bruttospielertrag (=Umsatz) von rund 35 Millionen Euro. Und das noch vor dem Standort in der Bundeshauptstadt Wien mit 32,5 Millionen Euro.

Bei der Besucherzahl rangiert Bregenz auf dem zweiten Platz hinter Wien mit 312'000 Besuchern. Wobei doppelt so viele Ausländer aus dem angrenzenden Ausland – und dies vorwiegend aus der Schweiz – stammen. Die «Übernahme» durch die Swiss Casinos wäre wohl nicht nur ein geografischer, sondern auch ein betriebswirtschaftlich logischer Schritt.

Ein Rosinenpicken ist allerdings nicht möglich: «Wer zu West Ja sagt, muss auch zu Ost Ja sagen», so Cresta. In der ersten Vergaberunde geht es um das sogenannte «Stadtpaket», das sechs Lizenzen für die Städte Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck und eben Bregenz umfasst. Sprich: Wer den Zuschlag für Bregenz erhält, der muss sich auch um die anderen fünf Städte kümmern. Voraussetzung dafür ist ein Grundkapital von 22 Millionen Euro, das der Bieter einzahlen muss sowie die Übernahme der Kosten für die Teilnahme am Vergabeverfahren von 60'000 Euro. An Geld mangelt es den Swiss Casinos nicht: Die flüssigen Mittel belaufen sich mit Stand Ende 2010 auf mehr als 100 Millionen Franken. Bei einem Zuschlag der österreichischen Finanzbehörden winkt ein Bruttospielertrag oder Umsatz an allen sechs Standorten von fast 120 Millionen Euro.

Die Zeit drängt

Die Konzessionsvergabe erfolgt laut dem Finanzministerium in Österreich (BMF) nicht an den Höchstbietenden, wie das in aussereuropäischen Ländern der Fall ist. «Das beste Konzept gewinnt und nicht der Höchstbieter», heisst es dazu aus dem Finanzministerium. Zwar würde das den Vergabebehörden die Arbeit erleichtern, wenn schlicht der Höchstbieter das Rennen macht. Aber wer am meisten bezahlt, muss das im Anschluss auch wieder verdienen. «So ein Anbieter würde statt dem Spielerschutz die Gewinnmaximierung im Auge haben und den Spielstandort mit ertragreicheren Spielautomaten bis unters Dach füllen.»

Um ihr Konzept einzureichen, haben die Swiss Casinos bis 13. Januar 2012 Zeit. «Diese Zeitvorgabe ist sehr sportlich», sagt Cresta. Die Konzessionsgesuche müssen für jeden einzelnen Standort ausformuliert werden und das kostet Zeit. Bis Mitte 2012 soll der Zuschlag erfolgen. Und selbst dann kann sich der Investor nicht sicher sein. So heisst es in den Ausschreibungsunterlagen des BMF: «Der Konzessionsgeber kann keine Garantien hinsichtlich Investitionssicherheit, Umfang oder Exklusivität der Konzession geben, da diese durch gesetzliche Massnahmen eingeschränkt, verändert oder aufgehoben werden kann.»

Erstellt: 26.08.2011, 15:36 Uhr

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