Swiss Pass – wie die rote Chipkarte ankommt

Seit 13 Tagen im Umlauf: Nun urteilen SBB-Kunden, Gewerkschaft und die Konsumentenschützerin über die neue Bahnkarte.

Seit zwei Wochen im Umlauf: Der Swiss Pass der SBB.

Seit zwei Wochen im Umlauf: Der Swiss Pass der SBB. Bild: Thomas Hodel/Keystone

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Seit zwei Wochen fährt der GA-Kunde nicht mehr mit blau, sondern rot. Denn am 1. August haben die SBB den Swiss Pass eingeführt. Die rote Chipkarte soll künftig alle ÖV-Angebote zusammenfassen. Kunden, die ihr Halbtax oder GA verlängern oder ein neues Abo kaufen, erhalten seit Anfang Monat den Swiss Pass.

In den sozialen Medien äussern sich zahlreiche Kunden zum Swiss Pass. Etwa auf Twitter, wo viele User über ihre Erfahrungen mit der roten Karte berichten. Auch über negative. Denn technische Schwierigkeiten belasten die Fahrgäste. Einzelne Nutzer hinterfragen das Konzept als Ganzes oder kritisieren den mangelnden Datenschutz.

Verlängerte Kontrollzeit

Zu den technischen Problemen kommt hinzu, dass noch nicht alle Transportunternehmen in der Schweiz über Scan-Geräte verfügen. Das bestätigte ein Sprecher des Verbands Öffentlicher Verkehr (VöV) letzte Woche gegenüber «20 Minuten». Vor allem bei kleineren Busunternehmen sei dies der Fall. Die Unternehmen seien angewiesen, den Swiss Pass aber auch dann zu akzeptieren, wenn sie ihn noch nicht lesen können.

Vor der Einführung des Swiss Pass lief der Vertrag für ein Halbtax oder ein GA nach Ablauf der Geltungsfrist aus. Die Vertrags- und Kündigungsbedingungen haben sich nun aber geändert. Neu müssen Kunden bekanntgeben, wenn sie keine automatische Vertragsverlängerung wünschen. Der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ist das ein Dorn im Auge. Die Organisation will laut Geschäftsleiterin Sara Stalder dagegen ankämpfen. «Man sollte immer die Wahlmöglichkeit haben», so Sara Stadler. Die Geschäftsbedingungen seien viel komplizierter und kundenunfreundlicher geworden, schreibt die SKS ausserdem in einem Merkblatt.

Mit der neuen Karte verlängert sich ausserdem die Kontrollzeit. Die Daten zum Abo sind nicht auf der Karte ersichtlich, das Gerät muss diese mittels elektromagnetischen Wellen identifizieren. Bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) kritisiert man, dass die Überprüfung der Tickets keine einfache Aufgabe sei: «Das führt dazu, dass gut besetzte Züge nicht mehr komplett kontrolliert werden können», sagt SEV-Sprecher Peter Moor-Trevisan. Damit erfüllten sich die Bedenken, die von SEV-Vertretern bereits vor der Einführung geäussert worden seien.

Beim Kundenverband Pro Bahn Schweiz sind laut dem Präsidenten Kurt Schreiber bis jetzt keine negativen Rückmeldungen eingegangen. «Im Grossen und Ganzen ist der Übergang problemlos verlaufen», sagt Schreiber. Und die längeren Kontrollzeiten würden die Fahrgäste ja nicht belasten. Die SBB müssten selber verantworten, dass sie nur Teile des Zugs kontrollieren können.

SBB sehen noch keine grösseren Probleme

Kritisiert wurde das neue System auch hinsichtlich Datenschutz, denn das Scan-Gerät registriert, auf welcher Strecke der Fahrgast kontrolliert wird. Pro Bahn äussert sich dazu aber nur bedingt kritisch. Nur wenn die Geräte in private Hände gelangten, könnte es zu Schwierigkeiten kommen. Ob sich das System bewährt, müsse man in erster Linie abwarten. «Man sollte der Einführungszeit die nötige Chance geben», so der Präsident von Pro Bahn.

Die SBB wollen nach zwei Wochen noch keine vorläufige Bilanz ziehen. Pro Woche würden 50’000 neue Chipkarten an die GA- und Halbtax-Kunden gehen. Ein erstes Fazit wollen die SBB Ende August geben.

Dass das neue System die Kontrollzeiten verlängere, wiegeln die SBB ab. Bei der Kontrolle von beispielsweise 50 Kunden komme es zu einer Verzögerung von ungefähr einer Minute, so die Berechnungen im Vorfeld der Einführung. «Es braucht zwar ein bisschen länger, die Qualität der Kontrollen nimmt aber zu», sagt Sprecher Christian Ginsig. Es sei nicht das Ziel, alle Gäste immer zu kontrollieren.

Das erstaunt angesichts der Tatsache, dass die SBB 2013 ihre Kunden mit hohen Bussen verärgerten. Damals gingen Kontrolleure hart gegen das Schwarzfahren vor, dies selbst bei jahrelangen Kunden und auch wenn ein Versehen vorlag. Im Mai 2013 erkannten die SBB den Handlungsbedarf und gingen wieder milder bei Missgeschicken vor. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.08.2015, 18:46 Uhr

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