Swiss baut neue Tarife in der Holzklasse ein

Beim billigsten Ticket sind nur noch ein Handgepäck und die Bordverpflegung dabei. Alles Übrige kostet extra. Konsumentenschützer kritisieren die Pläne.

«Grundsätzlich sinnvoll und bedürfnisgerecht»: Das neue Angebot der Swiss.

«Grundsätzlich sinnvoll und bedürfnisgerecht»: Das neue Angebot der Swiss. Bild: Keystone

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Ausprobiert hat die Swiss ihren neuen Billigtarif bereits für Verbindungen ab Genf. Ab Sommer führt die Airline darauf aufbauend nun eine neue Preisstruktur ein, die auf dem ganzen Kurzstreckennetz gelten wird. Die Passagiere können danach die Sitze in der Economy­klasse zu drei unterschiedlichen Tarifen buchen:

Light: In diesem Tarif sind neben dem Sitzplatz die Bordverpflegung und ein Handgepäck inbegriffen. Das Ticket kann weder umgebucht noch storniert werden. Meilen werden angerechnet. Die Gutschrift fällt aber in der tiefsten der drei Economy-Buchungsklassen am geringsten aus.

Classic: Dieser Tarif entspricht dem heute gängigen Ticket. Gegenüber dem günstigeren Light-Preis sind zusätzlich das Mitführen eines Gepäckstücks bis 23 Kilogramm enthalten sowie die Möglichkeit, einen Sitzplatz im Voraus zu reservieren und einen Flug umzubuchen. Gegen eine Gebühr.

Flex: Mit der teuersten Tarifoption können die Passagiere ihren Flug kostenlos umbuchen oder stornieren und haben Vortritt bei bevorzugten Sitzplätzen in den vordersten Reihen der Economyklasse.

Bekanntlich schwanken die Flugticketpreise ständig, da die Airlines versuchen, die Auslastungen zu optimieren. Die Preisabstände zwischen den verschiedenen Buchungsklassen der neuen Swiss-Tarife sollen starr bleiben, auch wenn das Preisniveau schwankt. Je nach Strecke können sich die Preis­unterschiede zwischen den drei Tarif­optionen aber unterscheiden.

«Modulare Qualität»

Als Billigangebot will die Swiss den neuen Light-Tarif nicht verstanden wissen: «Das ist kein Low-Cost-Konzept, sondern modulare Qualität», sagt Swiss-Konzernleitungsmitglied Markus Binkert, der für die Vermarktung zuständig ist. Das Tarifmodell gehe präziser auf die Kundenbedürfnisse ein.

Grundsätzlich soll jeder freie Sitz in allen Tarifstufen gebucht werden können. Für Hin- und Rückflug wird der Passagier unterschiedliche Economytarife miteinander kombinieren können. Die ersten Erfahrungen in Genf haben laut Binkert gut gezeigt, wie diese neuen Tarifstufen genutzt werden. Seit September 2013 konnten dort Passagiere den Tarif «Geneva Economy Light» buchen, der nur Handgepäck und Verpflegung enthielt. Wie häufig die einzelnen Tarifstufen gebucht werden, sei stark von der jeweiligen Verbindung abhängig. Etwa ob es eine touristische Destination sei oder eine, die vor allem von Geschäftsleuten genutzt werde.

Grundsätzlich geht man bei der Swiss davon aus, «dass die Erträge durch das neue Tarifmodell zunehmen werden», wie Swiss-Manager Markus Binkert sagt.

Die Langstrecke bleibt von der neuen Abstufung unangetastet. Zumindest vorerst. «Es ist möglich, dass wir dieses Tarifmodell zu einem späteren Zeitpunkt auch auf der Langstrecke einführen werden», sagte Binkert gestern bei der Präsentation der neuen Tarifpläne.

Markanter Gewinnsprung

Kritisch beurteilten die Konsumentenschutzorganisationen die neue Tarifstruktur der Swiss. Beim Konsumentenforum bezeichnet man die Anpassung zwar als «grundsätzlich sinnvoll und bedürfnisgerecht». Kritisiert wird aber die fehlende Rückerstattungsmöglichkeit im günstigen Light-Tarif. «Das ist nicht kundenfreundlich und wird der Swiss bestimmt Beschwerden bescheren», prophezeit Konsumentenforum-Sprecher Patrick Hischier.

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, widerspricht dem Argument der Fluggesellschaft, die Tarife seien für den Kunden besser nachvollziehbar. «Es ist heuch­lerisch, wenn die Swiss von mehr Transparenz spricht. Denn es wird schwieriger, die Tarife mit den Preisen anderer Anbieter zu vergleichen», sagt Stalder. Telecom- und Versicherungsbranche hätten bewiesen, «wie man mit einem Tarifdschungel gut verdienen kann».

Apropos verdienen: Die Swiss legte gestern die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vor. Der Umsatz wuchs leicht, um 1 Prozent, auf 5,2 Milliarden Franken. Beim Betriebsgewinn legte die Swiss gegenüber dem Vorjahr hingegen um 31 Prozent auf 347 Millionen Franken zu. Der kräftige Gewinnsprung kam aufgrund neuer Abschreibungsregeln zustande, die im gesamten Lufthansa-Konzern umgesetzt wurden. Statt über 12 Jahre werden Flugzeuge neu über 20 Jahre abgeschrieben.

Gleichzeitig mit den Zahlen gab die Airline bekannt, dass drei weitere Maschinen des Typs Boeing 777 bestellt wurden. Eine Investition von 900 Millionen Dollar. Bis 2018 sollen neun dieser als Triple Seven bekannten Flugzeuge bestehende Airbusse A340 ablösen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2015, 22:35 Uhr

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