Swisscom und Tamedia kämpfen um eine Goldgrube

Das Adressverzeichnis Local.ch ist hochrentabel – und ausbaufähig. Aber nicht nur die Swisscom zeigt Interesse.

Will mit ihrem Angebot hoch hinaus: Hauptsitz von Swisscom in Bern. Foto: Keystone

Will mit ihrem Angebot hoch hinaus: Hauptsitz von Swisscom in Bern. Foto: Keystone

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Wer im Internet auf Local.ch die Stichworte Winterthur und Pizzeria eingibt, erhält 30 Treffer. Mit einem Mausklick öffnet sich bei jedem ein Fenster mit Detailinformationen wie Spezialitäten des Hauses und Öffnungszeiten. Der danebenstehende Stadtplan zeigt die Lage des Lokals an. Auswärtige können sich die Anfahrtsroute zeigen lassen. Mit weiteren Mausklicks öffnen sich Bilder aus dem Restaurant sowie aus dem Garten, falls ein solcher vorhanden ist.

Das elektronische Adressverzeichnis bietet damit weit mehr als das gedruckte Telefonbuch aus der guten alten Zeit, als es noch kein Internet und keine Smartphones gab. Und es eignet sich ausgezeichnet für die Platzierung von Werbung. Wer nach einer Pizzeria sucht, erhält beispielsweise gleichzeitig auch Wohnungsangebote.

200 Millionen Jahresumsatz

Die Möglichkeiten von Local.ch seien noch nicht ausgeschöpft, sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi am Mittwoch an einer Telefonkonferenz zum Quartalsabschluss. Die Swisscom habe die Plattform zusammen mit der Publigroupe aufgebaut und sie wolle sie weiter entwickeln. Deshalb sei es ihr Ziel, Local.ch ganz zu übernehmen. Mit 51 Prozent der Aktien besitzt sie heute bereits die Mehrheit. Ende April hat sie der Publigroupe 230 Millionen Franken für die restlichen 49 Prozent der Titel angeboten.

Mit diesem Angebot kommt die Swisscom der Mediengruppe Tamedia ins Gehege, zu welcher auch der TA gehört. Tamedia hat Mitte April ein Kaufangebot für die gesamte Publigroupe angekündigt. Sie bietet 150 Franken pro Aktie, was einem Gesamtpreis von 350 Millionen Franken entspricht. Gemäss ihrer Medienmitteilung ist die Tamedia AG in erster Linie an dem von der Publigroupe gehaltenen Anteil an Local.ch interessiert. Zusammen mit Search.ch, welche Tamedia zu 75 Prozent gehört, bekäme das Medienunternehmen eine starke Stellung auch gegenüber grossen Konkurrenten wie Google. Allerdings müsste sich Tamedia bei Local.ch mit dem Mehrheitsaktionär Swisscom arrangieren.

Local.ch ist heute schon eine Goldgrube: Das Unternehmen erreicht mit 800 Mitarbeitenden einen Jahresumsatz von 200 Millionen Franken. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) beträgt laut Swisscom-Chef Schaeppi 60 Millionen Franken.

Erstellt: 08.05.2014, 07:40 Uhr

Swisscom

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Die Swisscom hat den Umsatz im ersten Quartal 2014 gegenüber der Vorjahresperiode um 3,2 Prozent auf 2,8 Milliarden Franken gesteigert. Das Wachstum ist zum Teil auf die Übernahme des Entris-Bankgeschäfts in Gümligen sowie den Kauf von Internetfirmen zurückzuführen. Der Gewinn ist dagegen um 4,4 Prozent auf 390 Millionen Franken gesunken. Hauptgründe sind höhere Abschreibungen sowie Zinsabsicherungen. Die italienische Tochter Fastweb steigerte die Kundenzahl um 42'000, bleibt aber in den roten Zahlen. Die Kundenzahl von Swisscom-TV erhöhte sich in den ersten drei Monaten um 52'000 auf 1,05 Millionen.

Die Cablecom meldete ihrerseits, die Zahl ihrer TV-Kunden sei um 5300 auf 1,421 Millionen gestiegen. Ein Grossteil von ihnen besitzt kein Digital-TV-Abo. (-ll-)

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