Swisscoms Antwort auf Whatsapp ist ein Flop

iO von Swisscom kommt nicht in die Gänge: Im Schnitt versendet jeder Nutzer nur zwei Nachrichten pro Monat. Das soll sich nun ändern.

Swisscom hat mit iO als erster Schweizer Telecomanbieter eine kostenlose App für Telefonie und Nachrichten übers 
Internet lanciert.

Swisscom hat mit iO als erster Schweizer Telecomanbieter eine kostenlose App für Telefonie und Nachrichten übers Internet lanciert. Bild: Keystone

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400'000 installierte iO-Apps per Ende 2013; 450'000 Apps zum jetzigen Zeitpunkt: Die Swisscom hat gestern Zahlen zu ihrem kostenlosen Kommunikationsdienst für Mobiltelefone mit Computerfunktionalität und Internetzugang bekannt gegeben. Weiter teilte das Unternehmen mit, dass die Nutzer mit iO pro Monat etwas mehr als eine Million Nachrichten verschicken.

Auf den ersten Blick sehen die Angaben eindrücklich aus. Setzt man sie aber ins Verhältnis, so fällt die Bilanz etwas bescheidener aus.

Eine Million Nachrichten

Auf die aktuell 450'000 installierten Apps bezogen, macht das Volumen im Schnitt zwei Nachrichten pro Anwender im Monat aus. Der Anteil der iO-Nutzer an den 1,7 Millionen Mobilfunkkunden von Swisscom, die mit dem neuartigen Infinity-Abonnement auf jeden Fall ein Smartphone brauchen und die die eigentliche Zielgruppe sind, liegt unter einem Fünftel. Denn etwa 150'000 iO-Apps laufen auf iPhone, Galaxy, HTC und Co., deren Zugang zum Mobilfunknetz ein anderer Anbieter als Swisscom gewährt.

Lancierung im Juni 2013

Swisscom hatte iO im vergangenen Sommer lanciert. Die Anwendung ist eine Reaktion auf kostenlose Dienste wie Whatsapp und Skype. Whatsapp ermöglicht den Versand von Kurznachrichten übers Internet. Skype ermöglicht Telefonie übers Internet. Traditionelle Mobilfunkanbieter spüren die branchenfremde Konkurrenz. So nimmt die Zahl der verschickten SMS ab.

iO verbindet die Funktionen von WhatsApp und Skype in einer App. Kostenlos ist der Dienst nur, wenn die Nutzer von App zu App kommunizieren. Anrufe ins Schweizer Netz hingegen sind für Swisscom-Kunden mit gängigen Mobilfunkabonnements und für Kunden anderer Anbieter kostenpflichtig.

Der neue Swisscom-Chef Urs Schaeppi zeigte sich gestern bei der Präsentation des Jahresergebnisses 2013 mit den Zahlen von iO zufrieden. Swisscom habe einen Sockel an Anwendern erreicht, was Voraussetzung sei für eine aktive Gemeinschaft. Darauf könne das Unternehmen nun bauen. «Natürlich wollen wir die Zahl der Nutzer und die Aktivitäten auf der App steigern», sagte Schaeppi. Er kündigte weitere Dienstleistungen für iO an, um die Kunden bei der Stange zu halten. Vorgesehen sind etwa Videotelefonie und eine Version für Tabletcomputer wie das iPad.

Whatsapp zu stark

Branchenkenner Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst comparis.ch sieht zwei Gründe, warum iO bei den Anwendern nicht besser ankommt: «Man darf erstens nicht unterschätzen, dass Whatsapp sehr weit verbreitet ist.» Gemäss aktuellen Firmenangaben vom Januar 2014 wickelt WhatsApp 54 Milliarden Kurznachrichten ab – pro Tag. 36 Milliarden werden verschickt, 18 Milliarden empfangen. Analysten gehen davon aus, dass dieses Volumen die Zahl der weltweit täglich verschickten und empfangenen SMS bereits übersteigt. WhatsApp hat schätzungsweise 450 Millionen Nutzer weltweit.

Telecomexperte Beyeler gibt zweitens zu bedenken, dass iO bei der Lancierung unausgereift gewesen sei. So war der Dienst anfangs überlastet, was zu Beeinträchtigungen für neugierige Kunden führte. Sie konnten sich zeitweise nicht anmelden oder den Gesprächspartner nicht erreichen. Inzwischen steht bereits die dritte Version von iO mit Verbesserungen und zusätzlichen Möglichkeiten zum Runterladen bereit.

Erstellt: 07.02.2014, 08:38 Uhr

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