Swissport beendet Engagement in der Ukraine

Die Fluggesellschaft von Oligarch Igor Kolomojski gewinnt den Streit gegen den Schweizer Bodenabfertiger und festigt ihr Monopol.

Die Kooperation mit Swissport ist beendet: Boeing 737 der Ukraine International Airline. Foto: Wikipedia

Die Kooperation mit Swissport ist beendet: Boeing 737 der Ukraine International Airline. Foto: Wikipedia

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Anderthalb Jahre lang beschäftigten sich ukrainische Richter mit dem Joint Venture zwischen Swissport und der Flug­gesellschaft Ukraine International Air­lines (UIA). Waren die Schweizer Opfer einer unfreundlichen Übernahmeattacke durch die Besitzer der UIA geworden und hatten ihren Anteil für einen lächerlichen Betrag abtreten müssen? Oder hatten die Schweizer die Minderheitsrechte der UIA verletzt und sie deshalb ihren Anteil verkaufen müssen?

Das oberste Wirtschaftsgericht der Ukraine hat vor kurzem entschieden, dass die Übernahme von 70,6 Prozent am Bodenabfertiger Swissport Ukraine durch UIA korrekt verlaufen und die Bewertung des Aktienpakets richtig war. Für den weltgrössten Bodenabfertiger Swissport ist es eine Niederlage und zugleich Beweis, dass die ukrainische Gerichtsbarkeit nicht in der Lage sei, Streitigkeiten nach europäischen Standards zu beizulegen.

Nutzlose Briefe

Die oberste Gerichtsinstanz hatte den gleichen Fall schon einmal, im Oktober 2013, beurteilt – und war damals zu ­einem ganz anderen Schluss gekommen: Sie hob alle Entscheide der unteren Instanzen auf und wies den Fall zur Neubeurteilung zurück. Die Glückssträhne für die Schweizer hielt weiter an: Die untere Instanz entschied im Mai 2014 ebenfalls zu ihren Gunsten. Swissport müsse wieder als Aktionär ins staatliche Register eingetragen werden und die Gesellschaft, die nach der Entmachtung der Schweizer in Interavia umgetauft worden war, müsse wieder Swissport Ukraine heissen.

Dann kehrte das Blatt. Die nächst­höhere Gerichtsinstanz hiess die Beschwerde der UIA im September 2014 gut. Selbst offene Briefe an den ukrainischen Staatspräsidenten Petro Poroschenko und an Ministerpräsident Arseni Jazenjuk Anfang November 2014, worin Swissport schwere Vorwürfe gegen die korrupte ukrainische Justiz erhob, nützten nichts mehr. Das oberste Gericht schützte die Interessen der UIA und ­ihrer Eigentümer, allen voran des ukrainischen Oligarchen Igor Kolomojski (TA vom 30. Dezember).

Beim ersten höchstrichterlichen Spruch war Kolomojski ein einflussreicher Geschäftsmann gewesen. Zum Zeitpunkt des zweiten Urteils war er bereits Gouverneur der Provinz Dnipropetrowsk und ein lautstarker Kämpfer gegen die prorussischen Separatisten, also eine wichtige Stütze der Regierung. Und damit unangreifbar. Auch für Richter.

Für Swissport mit einem Umsatz von über 2 Milliarden Franken ist der Verlust aus dem Ukraine-Abenteuer verschmerz­bar. Der ausstehende Betrag wird mit 2,3 Millionen Dollar beziffert. Was am Hauptsitz in Opfikon für weiteren ­Ärger sorgt, ist die Tatsache, dass der Minderheitsaktionär UIA das Gemeinschafts­unternehmen für den Schnäppchenpreis von 433'000 Dollar erhalten hat – und diese richterlich angeordnete Summe bis heute nicht dem Ex-Mehrheitsaktionär Swissport bezahlt hat.

Dominanz in allen Bereichen

Für Kolomojski ist der Sieg gegen Swissport ein weiterer Schritt in der angestrebten Dominanz des ukrainischen Luftfahrtgeschäfts. Laut Swissport kontrolliert UIA das Airlinebusiness ab Kiew bereits zu 80 Prozent. Und der Verdrängungswettbewerb geht weiter. Im Visier steht beispielsweise die ungarische Billigairline Wizz Air, die in der Ukraine einen Ableger gegründet hat. Ein neuer Paragraf schreibt seit letztem Herbst vor, dass Wizz Air und andere Anbieter zu mehr als 50 Prozent ukrainisch beherrscht sein müssen. Das bedrohe die Liberalisierung des Luftverkehrs und die angestrebte Harmonisierung mit der EU, protestierte der ungarische Carrier laut der Nachrichtenagentur Bloomberg. Den Schaden hätten die Passagiere in Form höherer Ticketpreise. Wizz Air überlegt sich den Rückzug aus der Ukraine, sollte sich nichts ändern.

Bereits zu 90 Prozent kontrolliert wird die Bodenabfertigung in Kiew. Laut Swissport sind die Preise für die Airlines um bis zu 30 Prozent erhöht worden, während die Qualität wegen fehlender Investitionen stark gesunken sei.

Ähnliches passiert im Catering-Bereich. 2007 versuchte die Lufthansa mit ihrem Caterer LSG Sky Chefs in Kiew Fuss zu fassen. Aus Kreisen der Lufthansa ist zu vernehmen, dass ihr jüngst die Lizenz entzogen wurde. Auch hier soll eine von Kolomojski dominierte Gesellschaft profitiert haben.

Die UIA-Dominanz wird noch durch eine andere Strategie abgesichert: Frühere UIA-Manager werden in wichtige externe Ämter gewählt. Die nationale ­zivile Flugaufsichtsbehörde wird ebenso von einem UIA-Mann geleitet wie der grösste Flughafen des Landes in Kiew.

Erstellt: 06.01.2015, 02:30 Uhr

Igor Kolomojski


Gouverneur der ukrainischen Provinz Dnipropetrowsk

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