Syngenta verabschiedet sich von umstrittenem Herbizid

Der Agrochemiekonzern begründet den Rückzug mit der schwachen Marge. Die Kritik der Umweltverbände habe keine Rolle gespielt.

Im Fokus der Umweltschützer: Syngenta-Hauptsitz in Basel. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Im Fokus der Umweltschützer: Syngenta-Hauptsitz in Basel. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

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Glyphosat ist das weltweit am meisten verwendete Unkrautbekämpfungsmittel. Der Wirkstoff tötet fast alle Arten von grünen Pflanzen. Das Mittel wird vor der Aussaat und nach der Ernte eingesetzt, aber auch bei gentechnisch veränderten Nutzpflanzen wie Soja oder Mais, die ­gegen das Herbizid resistent sind.

Umweltverbände wie Greenpeace kritisieren das Unkrautmittel schon seit längerem. Seit seiner Einführung durch den US-Konzern Monsanto sei es stets als unbedenklich vermarktet worden. Dabei häuften sich Studien, dass Glyphosat Mensch und Umwelt schaden könne.

Der Basler Agrochemiekonzern Syngenta hat in den letzten Monaten den Verkauf von Glyphosat eingeschränkt. Der Rückzug habe aber nichts mit der Kritik der Umweltverbände zu tun, versicherte Konzernchef Mike Mack anlässlich der Präsentation der Jahresergebnisse. Vielmehr habe die zunehmende Generika-Konkurrenz aus China die Margen des Produkts belastet. Da sich zunehmend Resistenzen gegen das Herbizid gebildet hätten, bringe es auch den Bauern weniger Vorteile. Die Umsatzeinbusse beziffert Syngenta für 2014 auf 150 Millionen Dollar.

Greenpeace Schweiz ist trotz des Rückzugs nicht zufrieden: «Syngenta macht weiterhin viel Umsatz mit umwelt- und bienenschädigenden Chemiekeulen», sagt Sprecher Yves Zenger.

Laut Kritikern steht das Herbizid im Verdacht, die Fortpflanzung zu beeinträchtigen, Krebs zu erzeugen und zu neurologischen Störungen zu führen. So wurde etwa in den Gensoja-Regionen Argentiniens ein Anstieg von Spontan-Fehlgeburten festgestellt, aber auch gehäufte Fälle von Schilddrüsen-Unterfunktionen oder Atemwegs-Erkrankungen. Zudem trage der starke Einsatz von Glyphosat zur Verarmung der Artenvielfalt bei. So werde etwa Vögeln die Nahrungsgrundlage entzogen.

Derweil bescheinigen die Behörden dem Produkt, keine Gesundheitsgefahr darzustellen. Zuletzt hat sich etwa das deutsche Bundesinstitut für Risiko­bewertung dazu geäussert, da es im Rahmen der Verlängerung der Zulassung in der EU die Daten zu Glyphosat prüfen musste. Dabei kam das Institut zum Schluss, dass es keine Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktions- oder fruchtschädigende Wirkung gebe.

Währungen belasten Ergebnis

Was die Zahlen anbelangt, so blickt Syngenta auf ein durchzogenes Jahr zurück. Der Umsatz stieg dank einem Schluss­spurt im vierten Quartal um 3 Prozent auf 15,1 Milliarden Dollar, in lokalen Währungen kletterten die Verkäufe um 5 Prozent. Der Gewinn sank dagegen leicht um 2 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Belastet wurde das Ergebnis durch einen negativen Währungseffekt von 100 Millionen Dollar. Auslöser waren hier vor allem die GUS-Staaten wie Russland und die Ukraine, aber auch die Währungen anderer Schwellenländer haben sich im Verlauf des Jahres gegenüber dem Dollar abgeschwächt. Auch für das laufende Jahr rechnet Syngenta mit einem währungsbedingten Minus von 100 Millionen Dollar. Gegen die Frankenaufwertung sei Syngenta in diesem Jahr abgesichert, sagte Finanzchef John Ramsay. Zusätzliche Sparmassnahmen zum bereits angekündigten Stellenabbau seien in der Schweiz nicht geplant. Ende November gab die Firma bekannt, 1800 Arbeitsplätze abzubauen oder zu verlagern. Davon entfallen 500 Stellen auf den Hauptsitz in Basel.

Positiv wirkt sich dagegen der sinkende Ölpreis aus, wenn auch mit Ver­zögerung. Ausgehend von einem Fasspreis von 50 Dollar, wird sich der Betriebsgewinn in diesem Jahr um 50 Millionen Dollar erhöhen, 2016 gar um 150 Millionen.

Erstellt: 04.02.2015, 21:39 Uhr

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