Tausende Schweizer Banker zittern um ihren Job

Die angekündigten Entlassungen bei den Grossbanken UBS und CS sind wohl erst der Anfang. Der Bankenplatz Schweiz steht laut prominenten Bankiers vor einer massiven Sparrunde. 10'000 Jobs stehen auf der Kippe.

Die Angst vor dem Jobverlust geht um: Paradeplatz in Zürich.

Die Angst vor dem Jobverlust geht um: Paradeplatz in Zürich. Bild: Keystone

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In der Bankenwelt bleibt dieser Tage kaum ein Stein auf dem andern. Als letztes grosses europäisches Finanzinstitut hat am Freitag die niederländische Grossbank ABN Amro bekannt gegeben, in den kommenden vier Jahren 2350 Stellen zu streichen. Auch über dem Schweizer Bankenplatz ziehen dunkle Wolken auf.

«Ich erwarte bis Ende nächsten Jahres den Abbau von rund 10 Prozent der Arbeitsplätze», sagt Eduardo Leemann, langjähriger Vizepräsident des Auslandsbankenverbandes gegenüber der «SonntagsZeitung». Damit stehen über 10’000 Jobs auf der Kippe.

«Überrissene Löhne müssen endlich herunterkommen»

Bislang haben die Grossbanken UBS und Credit Suisse den Abbau von 900 Stellen im Heimmarkt angekündigt. Laut dem Zürcher Bankier Thomas Matter kommen auch andere Institute nicht um einschneidende Kostenreduktionen herum: «Neben den Grossbanken sind vor allem die Auslandsbanken gefährdet.» Er fordert, dass die hohen Gehälter der Investment- und Private Banker gekappt werden: «Die überrissenen Löhne müssen endlich herunterkommen.»

Das sei allerdings gar nicht so einfach, hätten doch viele Banken unter politischem Druck Boni gekürzt und dafür die Fixsaläre erhöht. Um sein Institut, die kürzlich gegründete Neue Helvetische Bank, macht sich Matter keine Sorgen. «Als kleine Bank sind für uns die Kosten pro Kunde zwar tatsächlich höher - aber wir schleppen keine Altlasten mit uns herum.»

Banken haben Nachholbedarf

Gründe für den Kostendruck sind die Lockerung des Bankgeheimnisses, die gestiegene Regulierung, die Börsenflaute, der starke Franken und die ungenügende Produktivität. «Die Banken müssen heute nachholen, was die Versicherungswirtschaft vor zehn Jahren getan hat», sagt Claudio Segovia, Ökonom beim Forschungsinstitut BAK Basel Economics. Mit 250'000 Franken pro Angestelltem liegt die Wertschöpfung der Banken laut dem Bericht in der «SonntagsZeitung» deutlich unter jener der Versicherungen, die pro Kopf 350'000 Franken umsetzen.

Ungemütlich präsentiert sich die Lage auch bei der in der Schweiz verwalteten ausländischen Privatvermögen. Seit dem Höchststand im 2007 sind sie von 1,077 Milliarden auf 577 Millionen Franken gesunken, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Mitschuldig an diesem Rückgang ist auch der starke Franken.

«Die meisten Kunden haben ihre Gelder in Fremdwährungen wie Dollar oder Euro angelegt», sagt Iqbal Kahn, Chef Banking & Capital Markets beim Beratungsunternehmen Ernst & Young. Wenn der Dollar 30 Prozent an Wert verliert, sinken die Kommissionserträge entsprechend. «Die Banken können nur die Boni senken oder Leute entlassen, wollen sie verhindern, dass ihnen die Kosten aus dem Ruder laufen», so Kahn zur «SonntagsZeitung». (pbe)

Erstellt: 28.08.2011, 10:47 Uhr

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