«Tettamanti rief mich an, dann ging alles sehr schnell»

Moritz Suter, der neue Besitzer der «Basler Zeitung», schildert im Video-Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet die turbulenten letzten Tage. Tito Tettamanti hat unterdessen seine Beweggründe für den Verkauf dargelegt.

«Schenken Sie ihren Bekannten ein BaZ-Abo»: Moritz Suter. (Video Tagesanzeiger.ch/Newsnet, Joël Gernet)

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«Es ging unheimlich schnell», sagte Suter im Anschluss an die Pressekonferenz in Basel. «Am letzten Freitag rief mich Tettamanti an.» Daraufhin reiste Suter nach Lugano wo sie den Verkauf besiegelt hätten. Er habe nicht lange überlegen müssen. Suter sprach der Redaktion um Markus Somm sein Vertrauen aus und richtete einen Appell an die Basler Bevölkerung: «Schenken Sie ihren Bekannten zu Weihnächten ein BaZ-Abo.»

Am Nachmittag wurde bekannt, dass die «Basler Zeitung» wieder in Basler Hände kommt. Der 67-jährige Crossair-Gründer Moritz Suter kauft die Zeitung per sofort Tito Tettamanti und Martin Wagner ab. Das Beratermandat von Alt-Bundesrat Christoph Blocher wird beendet.

Keine Angaben zum Kaufpreis

Mit dem Verkauf zogen der Basler Medienanwalt Wagner und der Tessiner Financier Tettamanti die Konsequenzen aus den Turbulenzen der letzten Wochen. Tettamanti und Wagner seien in den letzten Tagen zum Schluss gekommen, «dass eine reine Basler Lösung mit einem einzigen Besitzer besser geeignet ist, die Zukunft des Unternehmens zu sichern.» Laut Wagner scheiden sie gänzlich aus: Ein regionales Tageszeitungsmodell brauche Akzeptanz - Wagner/Tettamanti sei keine Konstellation mehr gewesen, um zum Erfolg zu gelangen.

Die Atmosphäre habe sich immer mehr verschlechtert, ein eigentlicher Glaubenskrieg habe sich abgezeichnet, sagte Tettamanti am Abend in einem Telefoninterview in der Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens DRS. «Ich aber bin Geschäftsmann», fügte er bei.

Das Ziel für die Basler Zeitung Medien (BZM) sei nun, das Unternehmen wieder rentabel zu machen und die Unabhängigkeit der «Basler Zeitung» zu bewahren. Zum Kaufpreis machten die Parteien keine Angaben. Das Engagement von Tettamanti und Wagner bei der «Basler Zeitung» dauerte nur rund 10 Monate. Die beiden hatten den defizitären Titel im Februar 2010 gekauft. Tettamanti besass 75 Prozent, Wagner 25 Prozent.

Publizistische Unabhängigkeit

Suter wird alleiniger Besitzer des Medienunternehmens und damit Verleger der «Basler Zeitung». Er übernimmt das Präsidium des Verwaltungsrates und wird diesen mit fähigen Leuten ergänzen, wie es im Communiqué weiter heisst.

Zwei Ziele hätten ihn zu diesem Schritt bewogen: Erstens wolle er als Unternehmer und Investor das wirtschaftliche Überleben und die Arbeitsplätze des Konzerns sichern. Zweitens liege ihm als Basler viel daran, die publizistische Unabhängigkeit des für die Region wichtigen Blattes zu garantieren.

Protest

Mit dem Verkauf ziehen der Tessiner Financier Tettamanti und der Basler Medienanwalt Wagner die Konsequenzen aus den Turbulenzen bei der «Basler Zeitung» in den letzten Wochen. Für Protest sorgte besonders ein Beratermandat an die Firma Robinvest des aktuellen SVP- Vizepräsidenten Christoph Blocher.

Blocher sollte laut BZM nur mithelfen, das Unternehmen in die schwarzen Zahlen zu bringen - und keinen Einfluss auf den Inhalt der Zeitung auszuüben. Nicht nur in Basel wurde aber befürchtet, dass das Engagement des Politikers ein Zeichen dafür ist, dass die Besitzer die Zeitung auf einen strammen Rechtskurs setzen wollen.

Blochers Mandat beendet

Auf Blochers umstrittene Dienste will der neue Besitzer verzichten. Moritz Suter habe das Beratungsmandat mit Blochers Firma gekündigt, hiess es weiter. Rückgängig machte er auch die Verlegung des Holdingsitzes der Gruppe nach Zug. Sie ist nun wieder in Basel angesiedelt.

Festhalten will Suter aber an Chefredaktor Markus Somm, der erst im August von Tettamanti und Wagner eingesetzt wurde. Gemäss Communiqué habe Suter dem ehemaligen «Weltwoche»-Vize und Blocher- Biografen den Auftrag erteilt, den eingeschlagenen Kurs weiter zu verfolgen.

(cpm/sda)

Erstellt: 24.11.2010, 22:34 Uhr

Das sagt Verleger Norbert Neininger* zum BaZ-Deal

Herr Neininger, was sagen Sie zur neuen Lösung für die «Basler Zeitung»? Für die Basler ist das eine glückliche Fügung. Das Engagement Tettamanti / Wagner und das Beratermandat von Blocher haben offensichtlich als Beschleunigung für diese «Basler Lösung» gewirkt.

Wie meinen Sie das?
Nun, die Robinvest von Christoph Blocher hatte ja den Beraterauftrag und ich gehe davon aus, dass sie diese Basler Lösung eingeleitet hat.

Übernimmt sich Moritz Suter nicht mit dem Kauf der «Basler Zeitung»? Da habe ich keine Angst. Er wird sich das als erfahrener Unternehmer schon gut überlegt haben. Suter ist in Basel gut vernetzt und wird dafür sorgen, dass er keine Einzelmaske bleibt und eine Basler Gligge zusammenkommt, die ihn bei der Arbeit unterstützt und das Unternehmen in eine gute Zukunft führt. Nun geht es darum, das Unternehmen gewinnbringend zu gestalten, die Abo-Abbestellungen zu stoppen und dafür zu sorgen, dass man in Ruhe die Zeitung machen und weitere Abonnenten gewinnen kann.

Was glauben Sie, in welchem Rahmen bewegte sich der Preis? Keine Ahnung. Nehmen sie die «Thurgauer Zeitung», die beim Verkauf von Tamedia, so schätzt man, an die NZZ mit einem Wert von etwa 60 Millionen Franken bewertet wurde. Das gibt einen Anhaltspunkt, wobei die BZM natürlich grösser als die Thurgauer Zeitung ist.

Tito Tettamanti sucht nach zehn Monaten das Weite. Irritiert Sie das nicht auch? Tettamanti ist nicht einer, der davonrennt. Auch Blocher macht das nicht. Offenbar hat man aber bei der Analyse durch die Robinvest gesehen, dass es für eine gute Zukunft jetzt neue Strukturen braucht und dann konsequent gehandelt.

*Norbert Neininger ist Verleger und Chefredaktor der «Schaffhauser Nachrichten» (cpm)

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Der Crossair-Mann Moritz Suter steigt bei der Basler Zeitung ein.

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