Teure Getränke: «Das ist kein freier Markt»

Der Basler Wirteverband importiert und verkauft günstigere Getränke aus der EU. Schwierig gestaltet sich der Import von Carlsberg-Bier. Es wird vermutet, dass der dänische Konzern versucht, dies zu verhindern.

Mit Parallelimporten gegen zu hohe Preise in der Schweiz: Maurus Ebneter vom Basler Wirteverband packte bei der Aktion vom Mittwoch selber mit an.

Mit Parallelimporten gegen zu hohe Preise in der Schweiz: Maurus Ebneter vom Basler Wirteverband packte bei der Aktion vom Mittwoch selber mit an. Bild: Joël Gernet / Basler Zeitung

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Die Schweizer Wirte ächzen unter den hohen Einkaufspreisen für Getränke. Nun hat der Wirteverband Basel-Stadt die Initiative ergriffen, indem er insgesamt 100'000 Flaschen Coca-Cola und Carlsberg-Bier parallel in die Schweiz importiert hat. «In der Schweiz sind die Produkte völlig überteuert», sagt der Vorstandsdelegierte Maurus Ebneter gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Beim gestrigen Rampenverkauf in Muttenz (BL) wurden die Getränke laut Ebneter um bis zu 57 Prozent unter dem Schweizer Listenpreis der Getränkemultis abgesetzt. «Mit unserer Aktion protestieren wir gegen die gastronomiefeindliche Preispolitik der multinationalen Getränkekonzerne.»

Beim Rampenverkauf bezahlt man 65 Rappen pro Halbliter Coca-Cola, inklusive Beschaffungs- und Verkaufsspesen. Bei den Schweizer Niederlassungen der Getränkekonzerne ist der Preis laut Ebneter deutlich höher, der sogenannte Listenpreis ist praktisch doppelt so hoch. «Wir sind nicht mehr länger bereit, diese absurden Preise zu bezahlen», sagt er. «Trotz der anhaltenden Frankenstärke kaufen wir ausländische Getränke nicht günstiger ein. Das widerspricht unserer Vorstellung von einem freien Markt. Ein Skandal in meinen Augen!»

Versucht der Carlsberg-Konzern, Parallelimporte in die Schweiz zu verhindern?

Wo genau die Getränke eingekauft wurden, möchte Ebneter nicht verraten, «um die Quellen zu schützen». Obwohl die Importe sich etwas mühsam gestalten, seien sie vollkommen legal: «Wir verzollen unsere Produkte, bezahlen die vorgezogenen Entsorgungsgebühren und die Biersteuer. Natürlich beachten wir auch sonst die schweizerische Gesetzgebung.» Zudem erhielten alle Käufer einen MwSt-konformen Beleg, so Ebneter weiter.

Warum der Wirteverband Basel-Stadt sich bedeckt gibt, hat einen Grund: Vor zwei Monaten bestellte und bezahlte man in Frankreich einen Container Carlsberg. Die Ware kam jedoch nie an. «Irgendwie ist wohl durchgesickert, dass das Bier in die Schweiz geliefert werden soll», vermutet Ebneter. Nun konnten die Flaschen in Italien besorgt werden – «über mehrere Ecken, damit das Lieferziel Schweiz nicht bekannt wird», erklärt Ebneter. «Wir befürchteten, dass sonst auch diese Lieferung nicht eintreffen würde.» Laut dem Vorstandsmitglied ist der Parallelimport von Carlsberg-Bier schwieriger als bei anderen Markengetränken. «Ich kann es nicht beweisen, aber bei mir entstand der Eindruck, dass Carlsberg versucht, die Schweizer am Kauf von günstigem Bier in der EU zu hindern.»

Und was meint Carlsberg dazu? «Weder die Carlsberg-Gruppe noch Feldschlösschen haben in irgendeiner Weise versucht, Importe von Carlsberg-Bier in die Schweiz zu verhindern», sagt Sprecher Ben Morton auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Wir haben auch nicht vor, einen solchen Versuch zu unternehmen.» Man respektiere die nationalen Wettbewerbsgesetze, das gelte klar auch für Importe von Carlsberg-Bier in die Schweiz.

Druck machen gegen den «Schweiz-Aufschlag»

Und welche weiteren Aktionen plant der Wirteverband Basel-Stadt? «Noch befinden wir uns in der Experimentierphase und handeln mit kleinen Mengen», so Maurus Ebneter. «Wir wollen jedoch ein Zeichen setzen. Funktioniert unser Experiment, werden wir regelmässig Rampenverkäufe organisieren – auch in Zürich und Bern.» Es brauche Druck von allen Seiten und Widerstand von der Basis, um die multinationalen Getränkekonzerne zu bewegen, ihren «Schweiz-Aufschlag» zu überdenken. Werden die Wirte die günstigeren Preise an die Kunden weitergeben? Wie Ebneter sagt, sei jeder Wirt eigenständig in der Preisgestaltung. Eine Preisreduktion für die Gäste könnte jedoch ein Thema werden, wenn die günstigeren Parallelimporte im grösseren Rahmen stattfänden. Zurzeit sei die Menge noch zu klein.

Erstellt: 01.06.2012, 13:53 Uhr

Günstig in Basel zu haben: 100'000 Flaschen Coca-Cola und Carlsberg-Bier gingen am Mittwoch über die Rampe. (Bild: Joël Gernet / Basler Zeitung)

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