Teures Bankkonto

Von 32 auf 60 Franken erhöht eine Bank den Preis für das Konto ab 2015. Der neuste Trend heisst nun «Paketlösung» – zum Beispiel für 180 Franken bei der CS.

Der Preis für diese Leistung von Schweizer Banken steigt seit Jahren: Bankkunden in der Bankberatung.

Der Preis für diese Leistung von Schweizer Banken steigt seit Jahren: Bankkunden in der Bankberatung. Bild: Keystone

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Schweizer Bankkunden müssen für ihre alltäglichen Bankgeschäfte immer tiefer in die Tasche greifen. Denn während die Banken früher mit den Guthaben ihrer Kunden gutes Geld verdienten, sind sie nun wegen des tiefen Zinsniveaus vermehrt auf Gebühreneinnahmen angewiesen.

Für Kleinsparer sind karge Zeiten angebrochen: Während die Zinsen auf Bankguthaben sinken, steigen die Privatkonto-Gebühren zur Erledigung des alltäglichen Zahlungsverkehrs seit Jahren. 2014 haben etwa die Credit Suisse sowie die Zürcher und die Berner Kantonalbank bei der Kontoführung aufgeschlagen.

Die Aufschläge sind bisweilen happig: So zahlt beispielsweise ein langjähriger Kunde der Berner Kantonalbank ab 2015 neu jährlich 60 statt wie bisher 32 Franken für die Kontoführung und Maestrokarte.

Und die Gebühren könnten weiter steigen. Der Grund für die Erhöhungen liege zum Beispiel im zunehmendem Aufwand für Regulationen, erklärt Daniela Flückiger von der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg).

Auch künftig werde die Regulierung zunehmen, beispielsweise im Rahmen des neuen Gesetzes Fidleg zum erweiterten Kundenschutz. «Dies verursacht wiederum Kosten, die sich auch in höheren Gebühren niederschlagen können», sagt die SBVg-Sprecherin.

Daneben begründen die einzelnen Banken ihre Gebührenerhöhungen jeweils mit dem Ausbau ihres Angebotes. So verweisen sowohl die Zürcher Kantonalbank als auch die Credit Suisse auf ihr erweitertes Online- und Mobile-Banking. Die Entwicklung eines solchen kostet zweifelsohne Geld, im Gegensatz zu früher bei der Umstellung auf eine elektronische Abwicklung von Bankgeschäften können damit aber keine Kosteneinsparungen mehr erzielt werden.

Unabhängig von Marktschwankungen

Hauptsächlich stehen die Gebührenerhöhungen aber im Zusammenhang zur verschlechterten Marktlage seit der Finanzkrise. So vermiesen die momentan tiefen Zinsen den Banken das Geschäft. Philipp Rickert, Leiter der Finanzsparte beim Beratungsunternehmen KPMG, sieht in den Gebührenerhöhungen die Bestrebungen der Banken, stabilere, sprich von Marktschwankungen unabhängige, Erträge zu generieren.

Dabei legten die Banken den Fokus vermehrt wieder auf das Privatkundengeschäft (Retailbanking). Teil dieses Trends sind Paketlösungen. So bieten immer mehr Banken Privat- und Sparkonto zusammen mit Zahlungskarten zum Pauschalpreis an.

Ziel der Banken sei es einerseits, die Kunden damit stärker an sich zu binden. Denn der Wettbewerb habe sich insbesondere bei den Kreditkartenanbietern verschärft, erklärt Rickert. Andererseits wollten die Banken damit aber auch den Kostenaufwand reduzieren. Denn die Verknüpfung verschiedener Dienstleistungen erlaubt es, Doppelspurigkeiten und komplizierte Verwaltungsprozesse zu vermeiden.

Kunden wählen häufig zu grosses Paket

Für den Kunden können solche Pakete durchaus vorteilhaft sein, da sie den Überblick über die Kosten vereinfachen, erklärt Michel Rudin, Geschäftsführer des Konsumentenforums. Er warnt aber auch: Aus Angst, doch noch weitere Gebühren nachzahlen zu müssen, wählten viele Kunden ein zu teures Paket.

Dabei lohnt es sich für die Konsumenten, genau hinzusehen, da es beträchtliche Kosten- und Leistungsunterschiede gibt. Angesichts des komplexen Marktes sowie der verhältnismässig geringen Jahresgebühr sei jedoch vielen Kunden der Aufwand für einen Vergleich zu hoch, meint Rudin. Auch bei Gebührenerhöhungen würden Konsumenten selten die Konsequenzen ziehen und wechseln.

Die höchsten Gebühren zahlen Kunden bei den Grossbanken. So kostet ein Einzelprivatkonto mit Maestrokarte bei der UBS jährlich 124 Franken und bei der Credit Suisse (CS) 110 Franken, das ist fast doppelt so viel wie die der durchschnittlich von den Schweizer Banken verlangte Betrag. Gemäss eines Vergleichs der Nachrichtenagentur sda von 31 Kantonal-, Regional- und Grossbanken beträgt dieser 60 Franken.

Die UBS erklärt auf Anfrage, die Gebühren liessen sich auf verschiedene Weise, etwa durch die Nutzung von Paketangeboten, reduzieren. Auch die Credit Suisse verweist auf ihre Paketangebote für Basis-Bankdienstleistungen. Diese seien im Vergleich attraktiv, nicht zuletzt wegen höherer Zinsen und Bonusprogrammen, sagt Daniela Häsler, Mediensprecherin bei der Credit Suisse.

Nicht alle profitieren

Allerdings gilt dies vor allem für Vielnutzer. Die Gebühren von 180 Franken für das günstigste Paket bei der CS schlagen Kunden meist nur dann heraus, wenn sie eine Kreditkarte brauchen. Aber auch dann noch fahren Kunden anderer Banken meist günstiger: So kostet ein ähnliches Paket beispielsweise bei der Zürcher Kantonalbank nur 120 Franken.

Die Paketangebote der CS würden den Bedürfnissen der Kunden entsprechen, erklärt die Bank auf Anfrage. Auch Benjamin Manz, Gründer und Geschäftsleiter des Internetvergleichportals Moneyland, sieht das ähnlich: Die Kunden wollen möglichst wenig Aufwand. Die fehlende Transparenz und die steigenden Gebühren treten dadurch in den Hintergrund.

Auf diesen Zug dürften bald auch weitere Banken mit aufspringen: Experten wie Manz oder Rickert erwarten, dass mehr und mehr Finanzhäuser mit eigenen Paketangeboten nachziehen. Damit dürften sich auch ihre Kassen mit immer höheren Gebührenerträgen füllen. (cpm/sda)

Erstellt: 01.10.2014, 10:45 Uhr

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