Thiam erhält von der Credit Suisse rund 30 Millionen Franken

Die CS-Spitze begründet den Rauswurf des Bankchefs mit dem Vertrauensverlust nach der Beschattungsaffäre. Thiam muss nun schweigen, sonst bekommt er keinen Bonus.

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Er wusste wohl, was ihn erwartet. Das Unheil hatte sich über Tage wenn nicht Wochen angekündigt. Als Bankchef Tidjane Thiam am Donnerstagnachmittag den holzvertäfelten Konferenzsaal seiner Bank betrat, wusste er, dass der Verwaltungsrat ihm den Rücktritt nahelegen würde. «Es ist ja nicht so, dass die Dinge gestern vom Himmel gefallen sind», sagt Severin Schwan, Vizepräsident des CS-Verwaltungsrats. «Allen war klar: So geht es nicht weiter.»

Nach intensiver, aber sachlicher Diskussion folgte der Beschluss: Thiam muss gehen. Bankpräsident Urs Rohner hatte es geschafft, den Verwaltungsrat zu einem einstimmigen Votum zu bewegen. Schon am Nachmittag war die Sitzung dann vorbei.

Dabei sah es zuerst danach aus, als ob Thiam die Situation meistern könne. Im vergangenen September war ans Licht ge­kommen, dass die Bank Ex-Manager Iqbal Khan hatte beschatten lassen. Rohner liess den Vorfall untersuchen, die Anwälte der Kanzlei Homburger kamen zu dem Schluss: Das Ganze war ein einmaliger Vorgang. Als Verantwortlicher wurde Thiams rechte Hand, Pierre-Olivier Bouée, identifiziert. Doch im Dezember kam heraus: Bouée hatte gelogen. Auch Ex-Personalchef Peter ­Goerke ist beschattet worden – warum, ist bislang unklar. Bis heute liegt kein Beweis vor, dass Thiam Kenntnis von den Aktionen hatte. Doch dem Westschweizer TV hatte Thiam Ende Oktober gesagt, Überwachungen seien ein «legitimes Mittel».

Weniger Bonus wegen der Beschattungsaffäre?

Nach Bekanntwerden der zweiten Beschattung schaltete sich die Finanzmarktaufsicht ein, und auch die Justiz ermittelt. Damit war die Position von Thiam so geschwächt, dass er nun seinen Stuhl räumen muss.

Am Donnerstag wird Thiam ein letztes Mal die Zahlen der Grossbank präsentieren. Er dürfte sich mit einem soliden Er­gebnis verabschieden. Allein für das vierte Quartal erwarten Analysten ein Plus beim Vorsteuer­gewinn von rund 70 Prozent auf 1,4 Milliarden Franken.

Finanziell ist der Abgang für Thiam nicht unattraktiv. Zwar ist noch offen, wie stark die Affäre auf Thiams Salär für das Geschäftsjahr 2019 durchschlägt. Ein Drittel der variablen Vergütung von Thiam hängt von weichen Faktoren wie «Verhalten und Ethik» ab. Die Beschattungsaffäre könnte daher seinen Bonus drücken. Aber die Finanzzahlen der Bank dürften besser als 2018 ausfallen, das wirkt sich positiv auf den Bonus aus.

Insgesamt dürfte er rund 30 Millionen Franken von der CS bekommen, weil er die Bank im Einvernehmen, als sogenannter «Good Leaver», verlässt. Die Zahl setzt sich zusammen aus den aufgeschobenen Bonusanteilen der vergangenen Jahre sowie seinen geschätzten Bezügen für die Jahre 2019 und 2020. Eine Bedingung muss Thiam allerdings erfüllen, sonst erhält er keinen Bonus: Er muss ein «Good Leaver» bleiben. Das heisst, er darf nicht über seinen ehemaligen Arbeitgeber lästern, sondern er muss schweigen.

Rohner zeigt sich un­beeindruckt

Neben Thiam gibt es weitere Verlierer der Ausmarchung an der CS-Spitze: die drei angelsächsischen Aktionäre der Grossbank, die im Vorfeld der entscheidenden Verwaltungsratssitzung offen für Thiam eingestanden waren und stattdessen Rohner zum Rücktritt aufgefordert hatten. Zum Trio gehört neben dem US-Vermögensverwalter Harris auch der US-Hedgefonds Eminence und die britische Investmentfirma Silchester. Zusammen halten sie rund 14 Prozent des CS-Kapitals. David Herro, Anlagechef von Harris Associates, bekräftigte gegenüber Bloomberg TV seinen Widerstand gegen Rohner: Credit Suisse habe «grosses Potenzial», doch drohe die Gefahr, dass dies durch Rohner ruiniert werde. «Wenn er wirklich das Unternehmen lieben würde, dann sollte er zurücktreten», forderte Herro.

Ricky Sandler, Gründer von Eminence, erwägt, eine ausser­ordentliche Aktionärsversammlung einzuberufen, um Rohner aus dem Amt zu befördern. «Wir haben solche Dinge schon früher gemacht, um unsere Investments zu schützen», sagte Sandler der «Financial Times» vor dem Showdown am Donnerstag.

Rohner zeigt sich davon un­beeindruckt. Es gebe grosse Aktionäre, etwa der US-Vermögensverwalter Blackrock, welche die Position der Bank besser verstehen würden, erklärte er am Freitag.

Ihren Widerstand gegen Rohner bekräftigt hat auch die Ethos-Stiftung, die für ihre Kunden rund 3 Prozent der CS-Aktien verwaltet. Ethos-Direktor Vincent Kaufmann sagt dieser Zeitung: «Wir lehnen die Wiederwahl des Präsidenten ab.»

Erstellt: 07.02.2020, 23:10 Uhr

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