Thiam von Strafermittlung betroffen

Die Staatsanwältin will Fakten zum Streit mit Iqbal Khan.

CS-Chef Tidjane Thiam. Foto: Keystone

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Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse, ist in den Fokus der Ermittlungen wegen der Überwachungsaffäre Iqbal Khan geraten. Am 26. September hat die zuständige Staatsanwältin Unterlagen über Thiam und den früheren Chef der Vermögensverwaltung Iqbal Khan angefordert, wie die «SonntagsZeitung» erfahren hat. Laut der Ermittlerin besteht der Verdacht, dass es am Wohnort von Khan oder Thiam zu straf­baren Handlungen kam. Also schrieb die zuständige Staatsanwältin an die Polizei, sie solle ihr «sämtliche Akten» betreffend Khan «oder Tidjane Thiam» zukommen lassen, und zwar seit Anfang Jahr 2019. Der Grund: Anfang 2019 sei es laut Medienberichten in Herrliberg «allenfalls zu strafbaren Handlungen (Drohungen) gekommen».

Gemäss Bestätigung der zuständigen Staatsanwaltschaft ist Tidjane Thiam aber nicht Beschuldigter in einem Verfahren (diese Ergänzung im Artikel wurde nachträglich hinzugefügt).

Dahinter steckt der Streit zwischen Thiam und Khan, ehemals Chef der CS-Vermögensverwaltung, in Thiams Villa. Er liegt am Ursprung der inzwischen ausufernden Affäre. Die Männer gerieten vor einem Jahr an einer Party aneinander. Es floss reichlich Alkohol, dann stritt man über Bäume, die Thiam seinem Nachbarn Khan vor die Nase pflanzen liess, und wegen Aussagen gegenüber den Frauen. Der CS-Chef soll Khan massiv bedroht haben, teils war von Morddrohungen die Rede. Was genau gesprochen wurde, ist umstritten. Gesichert ist, dass Khan kurz darauf den Gewaltschutz der Kantonspolizei Zürich informierte. Weder die Credit Suisse noch Khan wollen Genaueres dazu sagen.

Khan kündigte seinen Job einige Monate später. Dennoch liess die Bank ihn überwachen. Als der Banker dies bemerkte, reichte er eine Strafanzeige gegen die Verfolger und gegen unbekannt ein. Die Zürcher Staatsanwaltschaft See/Oberland eröffnete ein Verfahren. Bei Guy Krayenbühl, dem Chef der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, liegen inzwischen auch zwei Strafanzeigen vor: beide von den Beschattern, die einerseits Khan der Falschaussage bezichtigen und andererseits der Polizei unerlaubte Handlungen vorwerfen.



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Erstellt: 19.01.2020, 12:19 Uhr

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